Seinen Lieblingsplatz in Hamburg hatte Gerald Asamoah schnell gefunden. Ein griechisches Restaurant mitten im Schanzenviertel bewirtet die Profis des FC St. Pauli für fünf Euro, gleichgültig, wie groß der Hunger ist. „Ein ganzer Teller Lammkoteletts für so wenig Geld, Wahnsinn“, sagte Asamoah beim ersten Besuch strahlend.
Der Mann hat mehr als 50 Länderspiele absolviert und ist Euro-Millionär, aber ein voller Teller für den halben Zehner, das ist ein Angebot, das Asamoah nicht ablehnen konnte. Seitdem ist Asamoah Stammgast. Man könnte jetzt sagen, dass er in seinen ersten Monaten beim FC St. Pauli auch genug Zeit hatte, Essen zu gehen.
Durch den Sehnenteilabriss im Oberschenkel aus der Vorbereitung lange zum Zuschauen gezwungen, ist der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler erst jetzt austrainiert genug, um einen Einsatz von Beginn an ins Auge zu fassen. Bislang durfte der spektakulärste Transfer der Paulianer erst viermal kurz ran – er hinterließ aber jedes Mal einen guten bis sehr guten Eindruck.
„Wir haben Gerald ja nicht als Edeljoker geholt“
Seit seiner Vorarbeit zum Ausgleichstreffer im Derby gegen den Hamburger SV vor vier Wochen sind auch die letzten Zweifler von Asamoahs Qualitäten überzeugt. An diesem Samstag gegen den 1. FC Nürnberg (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) will er zum ersten Mal in der Startelf stehen. „Ich habe in der Länderspielpause sehr intensiv Rückstände aufgearbeitet“, sagt Asamoah. „Ich bin jetzt bereit, von Anfang an zu spielen.“
Als Forderung an Trainer Holger Stanislawski will er das nicht verstanden wissen – er wolle keinen „künstlichen Druck“ aufbauen, sagt er diplomatisch. Müsste er auch gar nicht, denn der Trainer steht ohnehin auf seinen erfahrensten Profi. Stanislawski sagt: „Wir haben Gerald ja nicht als Edeljoker geholt. Mit seinen Qualitäten ist er natürlich ein Kandidat für die Startelf.“
Auf den Positionen der Dreierreihe hinter der einzigen Spitze Marius Ebbers ist Stanislawski noch auf der Suche nach der idealen Formation. Hennings, Bruns und Taki konnten dort trotz des guten Saisonstarts nicht wirklich überzeugen. Am Samstag dürfte es dann Asamoah neben den jungen Kruse und Bartels versuchen. Als Anführer gerade in kämpferischer Hinsicht soll er vorangehen und der insgesamt eher braven Mannschaft des Aufsteigers zu etwas mehr Aggressivität verhelfen.
„Ich will meine Erfahrung weitergeben“
Gegen den HSV ging ein Ruck durchs ganze Team, als sich Asamoah sofort furchtlos ins Getümmel stürzte. Beim letzten Heimspiel gegen Dortmund seufzte das halbe Stadion auf, als sich Asamoah beim Aufwärmen leicht verletzte und aus der Anfangsformation fiel. Mannschaft und Fans brauchen einen Leitwolf – Asamoah will es gern sein: „Deswegen bin ich hierher gekommen. Ich will meine Erfahrung weitergeben.“
Mit seiner lockeren Art ist Asamoah gut angekommen in Hamburg und war in den ersten Wochen der Liebling des Boulevards. Zum einen, weil er schlecht nein sagen kann, zum anderen, weil er verletzt war und genug Zeit für Fototermine und Interviews hatte. Doch bevor Gerald Asamoah in die Schublade des langzeitlädierten Spaßvogels geschoben werden konnte, war er zumindest so fit, dass er eingewechselt werden konnte.
Da konnte man dann sehen, dass er seinen Job weiterhin mit großer Ernsthaftigkeit ausübt. Stanislawski sagt: „Er ist immer gut drauf, immer positiv. Was man manchmal vergisst ist, dass dahinter eine absolut professionelle Einstellung steht.“ Allein mit den Meriten vergangener Tage könnte Asamoah beim ambitionierten Neuling auch nichts werden.