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Gerald Asamoah Der Vorkämpfer

27.08.2007 ·  Wer Gerald Asamoah anschaut, blickt meist in ein grinsendes Gesicht, das gute Laune verrät. Es ist das prägnanteste Gesicht von Schalke 04. Ein Gesicht aber auch, das zur Fratze werden kann. Ein Porträt des Gelsenkirchener Fußball-Stars von Richard Leipold.

Von Richard Leipold, Gelsenkirchen
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Wer Gerald Asamoah anschaut, blickt zumeist in ein breit grinsendes Gesicht, das gute Laune verrät. Es ist das prägnanteste Gesicht von Schalke 04. Ein rundes Gesicht, das für Spaß steht, für Kontinuität und für bedingungslosen Einsatz; lauter Vorzüge, die im Berufsfußball nur noch selten in einer einzigen Person vereinigt sind.

Ein Gesicht aber auch, das zur Fratze werden kann wie beim Derby gegen Dortmund, als Asamoah sich voller Ingrimm mit der Hand am Hals entlangfuhr, um eine durchgeschnittene Kehle als Zeichen des Triumphes zu symbolisieren. Nach dieser Partie bezichtigte er zudem den BVB-Torwart Weidenfeller, ihn als „schwarzes Schwein“ beleidigt zu haben (Siehe auch: Nach Beleidigung von Asamoah: Sperre für Weidenfeller), ohne den rassistischen Teil der Äußerung letztlich beweisen zu können.

Erst harte Arbeit macht Sport und Spiel zum Spaß

Auch eine Frohnatur wie Asamoah hat also mehrere Gesichter, aber das großformatige Grinsen ist das, was ihn heraushebt aus der Masse der Fußballprofis; ebenso wie seine Spielweise, in der sich seit mehr als acht Jahren die althergebrachten Ideale des Arbeitervereins spiegeln. Der Stürmer pflegt seinen Körper stets mit voller Wucht in den Kampf zu werfen. Das ist nicht immer eine Augenweide für die Zuschauer, aber Ausdruck eines Lebensgefühls: Erst harte Arbeit macht Sport und Spiel zum Spaß. Die Arbeit hat Asamoah als einen Schalker geadelt, der zur Familie gehört, als stammte er nicht aus Ghana, sondern aus Gelsenkirchen. Er ist einer der Profis, denen das Publikum noch glauben mag, dass sie sich mit einem Klub und seinen Fans identifizieren, wenigstens ein bisschen.

Warum ist dieser Mann so fest verwurzelt mit einem Verein, der voller Sehnsucht seit fast fünfzig Jahren vergeblich dem Meistertitel nachjagt und darunter immer mehr leidet? Vermutlich nicht weil Asamoah ein besserer Mensch wäre als all die anderen, die mit großen Ambitionen nach Schalke gekommen und bald wieder gegangen sind, sondern weil er dort offenbar seinen Platz gefunden hat. Wenn Asamoah erläutert, warum Schalke, das am Sonntag nur zu einem 1:1 in Wolfsburg kam (Siehe auch: FAZ.NET-Spezial: 3. Bundesliga-Spieltag), zu seinem Revier geworden ist, faselt er nicht mit den Floskeln der Söldner daher, die heute hier, morgen dort ihr Herz verlieren und jedes Mal behaupten, es sei die große Liebe. Asamoah vermag das Erlebnis genau zu benennen, das Heimatgefühle bei ihm, dem Hannoveraner aus Schwarzafrika, geweckt hat.

„Ich liebe diesen Verein“

Es war im Mai vor sechs Jahren, Schalke hatte ein paar Tage zuvor in der Nachspielzeit des letzten Spieltags die deutsche Meisterschaft an Bayern München verloren, und dennoch erfuhr die Mannschaft so viel Zuspruch wie selten ein Verlierer. „Nach dem Training standen fünfzehntausend Menschen Spalier, um uns zum Pokalfinale zu verabschieden“, sagt Asamoah. „Da wurde mir klar: Ich liebe diesen Verein.“ Asamoah und Schalke, das ist eine fast natürlich anmutende Bindung - und ein Geschäft auf Gegenseitigkeit: Der Profi stellt sein Gesicht und seine Körperkraft in den Dienst des Klubs und macht ihn damit ein wenig sympathischer, manchmal sogar ruhmreicher: Asamoah ist der einzige Schalker, der je in einem WM-Finale mitgespielt hat. Im Gegenzug bekommt er viel Geld - und: viel Respekt.

Diese Kombination ist für ihn mehr wert als ein Paket mit noch mehr Geld, aber vielleicht weniger Respekt. Im Sturm ist er weder als Techniker noch als Torschütze ein Vorbild, sondern als Kämpfer und als Vorbereiter. „Deshalb haben die Leute mir hier immer großen Respekt entgegengebracht“, sagt Asamoah. „Für Respekt würde ich immer wieder auf das Geld verzichten, das ich anderswo mehr verdient hätte.“ Vor ein paar Jahren, als er mit Hertha BSC verhandelte, habe sogar seine Frau Linda, auch eine Afrikanerin, mit bangem Unterton gefragt: „Gerald, wir gehen doch nicht wirklich weg aus Schalke, oder?“ Sie sind geblieben.

Eine ungewöhnliche Konstante

Asamoah hat Gelsenkirchen immer als Komfortzone für seinen Fußballkampf gesehen. Deshalb ist er im Schalker Kommen und Gehen eine ungewöhnliche Konstante geblieben. Nach diversen Verletzungen hat er sich seinen Platz in der Elf stets zurückerobert, trotz der vielen namhaften Stürmer, die seit seiner Ankunft für den Ruhrgebietsklub spielten und spielen.

Jüngst beim Derby haben sich alle Profis in Königsblau nach Kräften angestrengt, die Schmach der Niederlage auszumerzen, die Schalke drei Monate zuvor in Dortmund den Meistertitel gekostet hatte. Aber Asamoah war in seiner Mannschaft der Erste unter Gleichen. Wie eine Lokomotive zog er den Zug der Leidenschaftlichen und führte vor, was Emotionen für eine starke Antriebskraft erzeugen können. Asamoah pflegt einen Arbeitsstil, der typisch deutsch ist, aber er macht es auf charmante Art, ohne sich verstellen zu müssen. „Der steht morgens auf und lacht, der geht abends ins Bett und lacht, der lacht den ganzen Tag, und du siehst nur seine weißen Zähne“, hat der frühere Schalke-Manager Rudi Assauer einmal gesagt.

Asamoahs Art, Zähne zu zeigen, tut gerade einem Klub wie Schalke gut, der nach Rückschlägen dazu neigt, in Selbstmitleid zu verfallen, was nicht ganz unverständlich ist nach all den zweiten Plätzen. Aber das Grinsen in Größe XXL ist es nicht allein, was diesen Profi unverwechselbar macht. Asamoah sagt, was er denkt und was er will. Das hat auch der Trainer schon zu spüren bekommen. Anders als viele seiner Kollegen lässt er sich nicht in ein verbales Korsett zwängen, das beim Publikum Langeweile hervorruft. Auch das macht ihn besonders.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.08.2007, Nr. 34 / Seite 15
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