22.09.2008 · Weil Trainer wie Klopp und Klinsmann zu den Lieblingen des Geschäfts geworden sind, finden Männer wie Klaus Toppmöller, Peter Neururer und Klaus Augenthaler in der Bundesliga keinen Job mehr. Sie leben zwischen Trotz und Hoffnung.
Von Michael Wittershagen, MünchenEr geht nicht mehr ins Stadion. Sagt, dass ihm die Suche nach einem Parkplatz zu aufwendig sei und er keine Lust habe auf die immer gleichen Fragen. Auf dieses: Klaus, was machst du jetzt eigentlich? Klaus Augenthaler ist arbeitslos, ein Fußballtrainer a. D., ein Mann in der Warteschleife. Die letzte Partie, die der Fünfzigjährige im Stadion erlebt hat, war das Spiel zwischen dem VfL Wolfsburg und Werder Bremen.
Es war der 19. Mai des vergangenen Jahres - und Augenthaler stand noch einmal als Trainer an der Kreidelinie. Danach war Schluss. „Als Trainer führst du ein Zigeunerleben“, sagt der Oberbayer. „Nach jeder Entlassung ziehst du weiter.“ Zumindest ist das im Idealfall so.
Inzwischen hofft Augenthaler seit fast eineinhalb Jahren auf ein Angebot
Seit mehr als zehn Jahren arbeitet Augenthaler als Trainer - länger als dreieinhalb Monate war er dabei nie ohne einen Verein. Irgendeine Möglichkeit tat sich immer auf: Auf Graz folgte Nürnberg, von dort ging er nach Leverkusen und landete letztlich in Wolfsburg. Eine ungeschriebene Regel im deutschen Fußball lautete schließlich: Ein entlassener Trainer wird immer durch einen davor entlassenen Trainer ersetzt - und der Kandidatenkreis glich dabei einer geschlossenen Gesellschaft.
Inzwischen aber hofft Augenthaler seit beinahe eineinhalb Jahren auf das passende Angebot, vertreibt sich die Zeit mit Angeln oder Gartenarbeit, macht viel mit der Familie und sagt ein wenig trotzig: „Ich brauche mir nichts mehr beweisen. Ich habe als Spieler alles erreicht, auch als Trainer erfolgreich gearbeitet - und ich werde jetzt sicher keine Bewerbungsschreiben abschicken.“
Namen wie Toppmöller und Wolf erscheinen als Inbegriff einer vergangenen Zeit
Zumal es in der Zwischenzeit genügend Anfragen gegeben habe, aber die kamen meistens aus dem Ausland. „Ganz Europa war dabei.“ Aber Deutschland immer seltener. Und genau das ist das Problem einiger deutscher Trainer der Generation „Ü 50“. Die Bundesliga setzt mehr und mehr auf junge Männer oder solche, die aus den Niederlanden oder der Schweiz kommen. „Das ist momentan so ein Trend“, sagt Augenthaler. „Aber ich stelle mir nicht die Frage, warum ich derzeit auf dem Abstellgleis stehe.“ Ändern könne er an seiner Situation ohnehin nichts.
Für die Moderne stehen derzeit Trainer wie Jürgen Klinsmann, Jürgen Klopp oder Fred Rutten, sie symbolisieren den Fortschritt, den sie ja auch selbst immer wieder betonen, wenn sie auf neue Trainingsmethoden, große Trainerstäbe und Analysen in allen Facetten hinweisen. Andere Namen erscheinen hingegen beinahe schon als der Inbegriff einer vergangenen Fußballzeit: Klaus Toppmöller etwa, Willi Reimann, Jörg Berger, Eduard Geyer, Horst Ehrmantraut, Wolfgang Wolf oder Peter Neururer.
Das Ausland ist für Augenthaler keine Lösung
Sie alle wurden früher immer dann gerufen, wenn ein Verein kurz vor dem Abstieg stand. Mittlerweile sind ihre Fähigkeiten entweder nicht mehr gefragt, oder aber sie sagen selbst: „Ich übernehme keine unrealistischen Sachen mehr.“ Wie Peter Neururer, den aber doch die Sehnsucht beherrscht, möglichst schnell wieder auf die Trainerbank zurückzukehren: „Jede Minute ohne Fußball ist eine verlorene Minute.“
Einer hat seine Konsequenzen aus der Arbeitslosigkeit gezogen und ist gleich nach Russland geflüchtet. Ende August hat Jürgen Röber bei Saturn Ramenskoje einen Vertrag unterschrieben und lebt seither in dieser Vorstadt Moskaus. Einst führte der Vierundfünfzigjährige Hertha BSC in die Champions League, aber acht Spiele bei Borussia Dortmund haben ausgereicht, um vorläufig uninteressant zu sein für den deutschen Trainermarkt. Also hat Röber diesen Umweg gewählt, wie er es schon einmal gemacht hatte, als er nach Belgrad wechselte. Für Augenthaler ist das keine Lösung: „Wenn man im Ausland Trainer ist, egal wo, dann ist der Weg zurück sehr schwierig.“ (Siehe auch: Deutsche Trainer im Ausland: Von der Karibik bis in den Kaukasus.)
Augenthalers Leben hat eine neue Dimension gewonnen
Mehr als drei Jahrzehnte hat der Fußball den Lebensrhythmus von Augenthaler bestimmt. Mit Bayern München hat er siebenmal die deutsche Meisterschaft gewonnen, er wurde Nationalspieler und Weltmeister, Assistenz- und Cheftrainer. Und natürlich tat es ihm nach der Entlassung in Wolfsburg auf eine Art gut, nicht immer nur den Gedanken an Aufstellungen, Verletzungssorgen und den nächsten Spieltag nachzuhängen. Den Alltag der Familie zu erleben, wieder ein bisschen Abstand zu gewinnen und sich frei zu machen von dem Druck, den er zuletzt gespürt hatte, als öffentlich nur noch über seinen Nachfolger spekuliert wurde.
Das muss man aushalten können. Vor allem, wenn der eigene Weg lange Zeit immer nur nach oben geführt hat. Erst nach der Entlassung in Wolfsburg hat sich Augenthaler deshalb gefragt, warum in der Tiefgarage unter der Oper in München eigentlich nur Autos stehen, die 40.000 Euro und mehr kosten. Sein Leben hat eine andere Dimension gewonnen. „Natürlich habe ich auch früher Nachrichten geschaut. Und ich habe auch kurz registriert, wenn der Ölpreis explodiert ist und irgendwo eine Naturkatastrophe war“, sagt Augenthaler. „Aber eigentlich war ich nur mit Fußball beschäftigt.“
„Meistens bist Du nur der Feuerwehrmann“
Klaus Augenthaler wollte nie Fußballtrainer werden, trotzdem ist er es geworden und vor allem: Er will es jetzt bleiben. Aber innerlich, so scheint es, hat sich dieser Mann, der im Herbst 2004 mit Leverkusen 3:0 gegen Real Madrid gewann, von der großen Fußballbühne schon verabschiedet. „Wenn ein vernünftiges Angebot kommt, dann würde ich auch in die zweite oder dritte Liga gehen. Die Hauptsache ist, dass es mir Spaß macht.“
Er wolle wieder mit jungen Spielern arbeiten, sehen, wie sie Fortschritte machen, und einmal eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen formen. Die Realität sieht oft anders aus: „Meistens bist du nur der Feuerwehrmann und springst ein, wenn andere entlassen worden sind. Das ist jedes Mal wieder eine schwierige Situation.“
„Man darf sich keine Gedanken machen, wie das System funktioniert“
In ein paar Wochen wird die Rotationsmaschine wieder Schwung aufnehmen. Dann, wenn die Verantwortlichen bei den Vereinen in Panik geraten, weil der Abstieg droht oder die Saisonziele gefährdet sind. Es ist nicht sicher, ob Klaus Augenthaler dann eine neue Stelle findet. Ob seine Fähigkeiten dann irgendwo gefragt sein werden.
„Man darf sich keine Gedanken machen, wie das System funktioniert. Das darf man nicht an sich rankommen lassen“, sagt er. „Ich frage mich eher, ob es wieder wärmer wird - dann beißen die Fische nämlich nicht mehr.“ Denn eines hatte immer Bestand bei Augenthaler - ob als Trainer oder Trainer a. D. „Beim Angeln konnte ich schon immer abschalten, dabei treffe ich ja niemanden.“
Man darf sich also keine Gedanken machen ......
Falk Hammer (FalkHammer)
- 22.09.2008, 19:40 Uhr
Sie leben zwischen Trotz und Hoffnung...
Tobias Kammerer (Count_Token)
- 22.09.2008, 20:37 Uhr
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |