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Fußballfans Muntermacher oder Außenseiter?

13.11.2008 ·  In den Stadien bringen die Fußballfans derzeit ihren Unmut über Folgen der Kommerzialisierung ihres Sports zum Ausdruck - ohne Chance auf Antwort. Bei einer Tagung der Fanprojekte in Mainz stellte sich DFL-Präsident Reinhard Rauball den Kritikern.

Von Daniel Meuren, Mainz
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Kommunikation zwischen Fans und Funktionären ist im deutschen Fußball oft eine eindimensionale Angelegenheit: Die Anhänger geben ihre Meinung zu den aus ihrer Sicht negativen Folgen der fortschreitenden Kommerzialisierung über große Distanz im Stadion lautstark zum Besten - ohne Hoffnung auf eine Antwort. Am Wochenende machten die Fans beispielsweise in fast allen Arenen ausdauernd ihrer Wut über die kürzlich verkündeten neuen Anstoßzeiten für die kommenden Spielzeiten Luft.

Dass es noch mehr Meinungsverschiedenheiten gibt, machte die ausgerechnet in den VIP-Räumen am Mainzer Bruchweg organisierte Jahrestagung der 44 deutschen Fanprojekte deutlich - bei der Podiumsdiskussion zum Thema „Faninteressen unerwünscht“ saßen sich dabei vermeintliche Gegner direkt gegenüber. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) schickte mit ihrem Präsidenten Reinhard Rauball gleich den prominentesten ihrer Vertreter ins Rheinhessische, „um ein Zeichen für unser Interesse an den Fans zu setzen“.

Stimmung erwartet, Fahne verboten

Dieses Zeichen ist wohl nötig, da sich manch Fußballfreund mehr und mehr als unbeachteter Außenseiter im großen Spiel empfindet. „Wenn das Wort Fan in den Konzepten der DFL auftaucht, dann wird an den Premiere-Abonnenten gedacht und nicht an den Fan in der Kurve“, sagte Udo Seyfarth, Vorsitzender der Mainzer Fanvereinigung Supporters. Julius Neumann, Mitglied der Nürnberger Ultras, ergänzte, „dass bei den Vereinen und den Sponsoren kaum Verständnis dafür vorhanden ist, wie sehr sie dem Fan weh tun mit den Veränderungen im Stadion“.

Er kritisierte außerdem, dass die Fans gerne als Muntermacher für die Inszenierung eines Bundesligaspiels akzeptiert würden, auf der anderen Seite aber kaum Mitspracherecht hätten. „Von uns wird erwartet, dass wir im Stadion für Stimmung sorgen, weil die Fans auf der Haupttribüne das so gerne anschauen“, sagte Neumann, „wenn wir aber auswärts unsere Zaunfahne aufhängen wollen, wird uns das verboten.“ Der 27 Jahre alte angehende Ingenieur warf den Vereinen weiter vor, dass ohne Rücksicht auf die Fans „die Gewinnmaximierung das Handeln“ bestimme. (siehe auch Interview: „Ultra“ Julius Neumann: „Herr Rauball möchte unterhalten werden, ich möchte Unterhaltung machen“)

Rauball: Der Fußball weiß um seine Verantwortung

„Die Liga will nicht immer mehr Geld erwirtschaften, um Millionäre immer reicher zu machen, wie es die Politik gerne polemisch anmerkt“, wehrte sich Rauball, der auch Präsident von Borussia Dortmund ist, gegen diese Beanstandungen: „Der deutsche Fußball hat vielmehr ein großes Bewusstsein für seine soziale Verantwortung.“ Dies manifestiere sich beispielsweise in vergleichbar niedrigen Eintrittspreisen und der Beibehaltung der 50-plus-1-Regel, die den Einstieg rein profitorientierter Investoren verhindere. (siehe auch Interview: DFL-Präsident Reinhard Rauball: Ich erwarte, dass alle Seiten kompromissbereit sind)

Erich Hieronimus betonte als Vertreter des Wirtschaftsunternehmens Coface, das von 2010 an Namensgeber des neuen Mainzer Stadions sein wird, dass auch Sponsoren den Fan nicht ignorierten. „Es wäre auch dumm von uns, wenn wir diese Interessen nicht respektieren würden.“ Aus solchen Erwägungen heraus käme für seine Aktiengesellschaft unter anderem der Erwerb der Namensrechte am Kaiserslauterer Stadion nicht in Frage: „Wenn jemand den Mut aufbringt, Fritz Walter aus dem Stadionnamen zu kegeln, dann ist ihm mein Respekt sicher.“

Der Trend zu gesponserten Stadienbezeichnungen störte „Ultra“-Mitglied Neumann dagegen erstaunlich wenig. „Easy Credit hatte in Nürnberg nur zwei Wochen Freude“, sagte er. „Dann haben wir die Arena offiziell in der Fanszene in Max-Morlock-Stadion umbenannt.“ Wenn sich Probleme doch immer so leicht lösen ließen. (siehe auch: Fußballfans: Unterhalten werden, oder Unterhaltung machen?)

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