Home
http://www.faz.net/-gtn-14ffj
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fußball-Wettskandal „Spielmanipulationen sind gefährlich wie Doping“

23.11.2009 ·  Wolfgang Feldner leitet das Fifa-Frühwarnsystem und ist weltweit den Manipulationsversuchen im Fußballwettgeschäft auf der Spur. Im F.A.Z.-Interview spricht er über die Ausmaße des Wettskandals, mögliche Lücken im Frühwarnsystem und den Markt in Asien.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Wolfgang Feldner leitet das Frühwarnsystem des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) in Zürich und ist weltweit den Manipulationsversuchen im Fußballwettgeschäft auf der Spur. Im F.A.Z.-Interview spricht Feldner über die Ausmaße des Wettskandals, mögliche Lücken im Frühwarnsystem und den Markt in Asien.

Wie beurteilen Sie diesen Wettskandal, der auch in Deutschland eine ganz neue Dimension erreicht haben soll?

Spielmanipulationen aufgrund von Sportwetten sind eine der größten Bedrohungen für den Fußball – vergleichbar gefährlich wie das Doping.

Sind die Sportverbände überfordert? Ist es zu viel verlangt, dass sie mit ihren Mitteln das Problem der Spielmanipulation in den Griff bekommen?

Es ist wie bei allen kriminellen Delikten, die können auch nur durch die Hilfe von Polizei und Ermittlungsbehörden bekämpft werden. Der Sport muss in dieser Hinsicht eng mit staatlichen Stellen zusammengebracht werden. In vielen Ländern ist man lange noch nicht so weit wie in Deutschland. Die Manipulation von Spielen ist eine Straftat und kein Kavaliersdelikt – es geht um dieses Bewusstsein.

Müssten nicht auch die großen, anerkannten Wettfirmen noch mehr – auch finanziell – eingebunden werden in die gemeinsame Gefahrenabwehr?

Das Bewusstsein, dass wir alle gemeinsame Interessen verfolgen, könnte noch geschärft werden. Wer den Sport gebraucht, sollte auch dafür sorgen, dass er nicht missbraucht wird.

Anscheinend haben im neuesten Fall auch die Frühwarnsysteme der Verbände keinen Alarm gegeben. Woran liegt das?

So gut die Warnsysteme sind, den Schwarzmarkt werden sie schwer überprüfen können. Von Wettunternehmen, die es offiziell gar nicht gibt, lassen sich schwierig Informationen bekommen. Das andere Problem sind die Live-Wetten. Durch ihre Existenz am Markt kann man auch bei uns nicht mehr nur von einem Frühwarnsystem sprechen. Wir können nach den Partien Fakten sammeln, auswerten und mit dem Spielverlauf vergleichen. Wir können dann bei Auffälligkeiten im Nachhinein eine Investigation veranlassen, aber nicht, wie ursprünglich gedacht, schon vor dem Spiel durch bestimmte Quotenentwicklungen eine Warnung herausgeben.

Wie sehr vereinfachen Live-Wetten Spielmanipulationen?

Ein typische Spielmanipulation läuft heute oft über eine Live-Wette. Eine Partie steht zur Halbzeit 0:0. Die Tendenz ist also, dass in den zweiten 45 Minuten nicht mehr so viele Tore fallen. Die meisten ehrlichen Wetter setzen auf zwei oder weniger Treffer, worauf die Quote auf der anderen Seite für drei oder mehr Tore attraktiv steigt. Plötzlich gibt es hier einen großen Einsatz. Dieser Antizyklus ist ein Indikator für Insiderinformationen. Auf dem Platz spielen dann nach der Pause vielleicht zwei Verteidiger und der Torwart mit angezogener Handbremse, oder der Schiedsrichter pfeift oft Freistöße. Das Spiel endet 4:0.

Es heißt, neun von zehn Manipulationsversuchen laufen über Buchmacher in Asien.

Für jemanden, der Böses im Sinn hat, ist der Wettmarkt dort sehr interessant. Das sind auch unsere Erfahrungen. Der Markt in Asien ist unser ganz großes Problem. Es gibt dort neben den seriösen Anbietern eine riesige Grauzone von illegalen Anbietern, es werden viel größere Geldmengen gesetzt, es wird meist über Agenten gearbeitet, die im Auftrag von Kunden Wetten sammeln und dann geschlossen anbieten. Diese sogenannten Läufer haben ein starkes Verhältnis zu ihrem Wettanbieter, hinzu kommt in vielen Teilen Asiens die Mentalität, dass eine angebotene Wette nicht abgelehnt werden darf. Außerdem unterscheiden sich die Wettangebote von denen in Europa. Es wird meist nur auf zwei Spielausgänge gesetzt – also fallen zum Beispiel in einer Partie zwei oder weniger Tore – oder drei und mehr. Auf dieser Grundlage lassen sich Spiele leichter beeinflussen. Es geht gar nicht darum, für das Abkassieren einer hohen Quote so zu manipulieren, dass der Favorit verliert. Der Außenseiter unterliegt einfach mit vier statt zwei Toren – das macht der Mannschaft nicht viel aus, aber für den Wettmarkt kann das ein sehr großer Unterschied sein.

In Europa tauchen selbst bei unbedeutenden Junioren- oder Amateurspielen immer öfter Wettinformanten aus Asien auf. Was hat das zu bedeuten?

Die stehen am Spielfeld und helfen entweder dem Wettanbieter, dass er bei den Live-Wetten seine Quoten aufgrund des aktuellen Ergebnisses verändern kann, oder „unterstützen“ die ominösen Gruppen. Vielen geht es allein um den Informationsvorteil, vor dem Wettanbieter zu wissen, ob in dem Spiel XY ein Elfmeter gegeben wird oder ein Tor fällt. Das hat wieder mit den Live-Wetten zu tun. Es geht hin bis zur Ausnutzung der Verzögerung des digitalen Fernsehsi-gnals über den Satelliten. Wenn in Europa ein Tor live fällt, kommt das vielleicht erst zwölf Sekunden später in Asien über die Bildschirme. Die Information eines Scouts am Spielfeldrand kann bei sekundenschnellen Wetteinsätzen enorme Unterschiede machen.

Wie schlecht ist dieser Wettskandal für den Fußball?

Solche Machenschaften bedrohen die Integrität des Sports. Aber es ist gut, dass es bekannt wird. Dies führt auch jedem einzelnen Spieler, Trainer, Funktionär oder Schiedsrichter vor, ab wann das Unrecht beginnt.

Die Fragen stellte Michael Ashelm.

Quelle: F.A.Z.
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel
Fußball
 Bundesliga 
 2. Bundesliga 
  Verein Sp Diff Pkt.  
1.  Logo: Borussia Dortmund
Borussia Dortmund   34  55   81 Gleichheit zur Vorwoche
2.  Logo: Bayern München
Bayern München   34  55   73 Gleichheit zur Vorwoche
3.  Logo: FC Schalke 04
FC Schalke 04   34  30   64 Gleichheit zur Vorwoche
4.  Logo: Bor. Mönchengladbach
Bor. Mönchengladbach   34  25   60 Gleichheit zur Vorwoche
5.  Logo: Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen   34  8   54 Gleichheit zur Vorwoche
6.  Logo: VfB Stuttgart
VfB Stuttgart   34  17   53 Gleichheit zur Vorwoche
7.  Logo: Hannover 96
Hannover 96   34  -4   48 Gleichheit zur Vorwoche
8.  Logo: VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg   34  -13   44 Gleichheit zur Vorwoche
9.  Logo: Werder Bremen
Werder Bremen   34  -9   42 Gleichheit zur Vorwoche
10.  Logo: 1. FC Nürnberg
1. FC Nürnberg   34  -11   42 Gleichheit zur Vorwoche
11.  Logo: 1899 Hoffenheim
1899 Hoffenheim   34  -6   41 Gleichheit zur Vorwoche
12.  Logo: SC Freiburg
SC Freiburg   34  -16   40 Gleichheit zur Vorwoche
13.  Logo: FSV Mainz 05
FSV Mainz 05   34  -4   39 Gleichheit zur Vorwoche
14.  Logo: FC Augsburg
FC Augsburg   34  -13   38 Verbesserung zur Vorwoche
15.  Logo: Hamburger SV
Hamburger SV   34  -22   36 Verschlechterung zur Vorwoche
16.  Logo: Hertha BSC
Hertha BSC   34  -26   31 Verbesserung zur Vorwoche
17.  Logo: 1. FC Köln
1. FC Köln   34  -36   30 Verschlechterung zur Vorwoche
18.  Logo: 1. FC Kaiserslautern
1. FC Kaiserslautern   34  -30   23 Gleichheit zur Vorwoche
Ergebnisse, Tabellen und Statistik