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Fußball-Wettskandal Rosen für den Staatsanwalt

23.11.2009 ·  Im Wettskandal wollen DFB und DFL den Ermittlern zur Seite stehen. Eine Task Force soll neues Licht in die dunkle Affäre um manipulierte Fußballspiele bringen. Mit fundierten Ergebnissen der Ermittlungen ist aber nicht schnell zu rechnen.

Von Michael Ashelm, Frankfurt
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Nach Tagen voller Spekulationen, erster großer Aufgeregtheiten und einiger Irritationen haben die Verantwortlichen des deutschen Fußballs den Weg zur Aufklärung des Wettskandals anerkannt; vor allem hoben sie die Bedeutung der in den Ermittlungen federführenden Staatsanwaltschaft in Bochum hervor.

„Ein Sportverband ist in einer solchen Sache völlig überfordert. Es wäre eine Katastrophe, wenn wir die Staatsanwaltschaft nicht an unserer Seite hätten. Ohne sie wären wir nicht in der Lage, diesen Sumpf aufzuklären. Wir wären dann ohnmächtig“, sagte am Montag in Frankfurt der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), Theo Zwanziger.

Ähnlich deutlich drückte es Christian Seifert, der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Deutschen Fußball Liga (DFL), aus. „Kein Verband und keine Liga kann allein gegen die organisierte Kriminalität angehen“, sagte Seifert und informierte, dass der Ligaverbandspräsident Reinhard Rauball sich derzeit um Akteneinsicht bei der Staatsanwaltschaft bemühe - wie auch der DFB.

32 Spiele in Deutschland von der zweiten Liga an abwärts stehen unter Manipulationsverdacht - dazu mehr als 200 von der Champions League an in Europa. Rauball war es, der am Wochenende bemängelt hatte, dass die Bochumer Ermittler vor der Veröffentlichung des Skandals am Freitag nicht die Ligaspitze informiert hätten. Dieser kleine Zwist scheint nun behoben.

Fundierte Ergebnisse wohl erst „in Monateabstand“

Von der Staatsanwaltschaft in Bochum war am Montag zu hören: „Bei verdeckten Ermittlungen muss der Kreis der Eingeweihten unbedingt klein gehalten werden. Sogar in unserer eigenen Behörde wussten das nur fünf bis sechs Leute.“ Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft mit, dass wohl erst „in Monateabstand“ mit fundierten Ergebnissen der Ermittlungen zu rechen sei.

Am Montag kündigten DFB und DFL an, fortan eine gemeinsame siebenköpfige Task Force unter der Leitung des DFB-Chefjustitiars Jörg Englisch mit dem Wettskandal zu betrauen. Sie soll engen Kontakt zu den ermittelnden Behörden sowie zur Europäischen Fußball-Union (Uefa) halten, welche aufgrund der internationalen Dimension des vermuteten Tatbestands den Bochumer Staatsanwälten von Anfang an zugearbeitet hat.

„Spielmanipulation kein Kavaliersdelikt, sondern kriminelles Delikt“

Um die Problematik weiter zu erörtern, werden DFB-Sportdirektor Wolfgang Niersbach und Robert Weise, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, den deutschen Fußball am Mittwoch beim Krisengipfel der Uefa in Nyon vertreten, wo die betroffenen Verbände des Wettskandals zusammenkommen. Niersbach sprach von einer „unseligen Thematik“, hob aber gleichzeitig hervor, dass die Uefa den DFB schon vor einigen Wochen für seine kompromisslose Haltung gegenüber der Wettbetrügerei gelobt habe. „Wir wären so ziemlich das einzige Land, wo Spielmanipulationen kein Kavaliersdelikt, sondern ein kriminelles Delikt seien“, sagte Niersbach.

Eine Kritik am Frühwarnsystem, das Spielmanipulationen durch die Prüfung der Quotenentwicklung bei den Wetten aufdecken soll, wiesen DFB und DFL derweil zurück. „Wir haben ein Warnsystem aufgebaut, das uns in den letzten Jahren geholfen hat. Wir haben in der Vergangenheit doch gezeigt, dass wir die Dinge nicht bagatellisieren“, sagte Zwanziger. Das Problem sei vor allem der völlig unübersichtliche Wettmarkt in Asien, der oft aus der Illegalität wirke.

DFB und DFL geben 200.000 Euro im Jahr für Sportradar aus

„Wir reden über die organisierte Kriminalität und Leute, die Unsummen von Geld einsammeln. Das können wir nicht alles erfassen“, sagte Carsten Koerl von der Sportradar AG in der Schweiz, die unter anderem für Uefa, DFB und DFL ein Frühwarnsystem aufgebaut hat. In Deutschland werden alle Spiele der A- und U-21-Nationalmannschaft sowie die von der Bundesliga an bis zu den Regionalligen und im DFB-Pokal überwacht.

Insgesamt geben die beiden deutschen Fußballorganisationen nach eigenen Angaben rund 200.000 Euro im Jahr für das System von Sportradar aus. Bei den jüngsten Fällen waren keine Auffälligkeiten vermeldet, geschweige denn ein Alarm für eine der verdächtigten Partien ausgelöst worden.

„Wir haben in den letzten Monaten einige auffällige Partien gehabt“

Was einige europäische Spiele angeht, habe das Vorwarnsystem „in einigen Fällen sogar funktioniert“, sagte Koerl. „Wir haben in den letzten Monaten einige auffällige Partien gehabt.“ DFB und DFL streben allerdings eine weitere Optimierung des Vorwarnsystems an. Keineswegs sehe man sich machtlos gegenüber der Gefahr von Spielmanipulationen durch illegale Wetten und organisierte Kriminalität. „Wir haben weiterhin Optionen und werden unsere Systeme immer weiter entwickeln“, sagte Sportradar-Mann Koerl.

Zwanziger warnte davor, Spieler, Offizielle oder Schiedsrichter vorzeitig zu verurteilen, bevor es eine klare Beweislage gebe. Bereits vor Wochen war der frühere Nationalspieler Mario Basler, Trainer des Regionalligaklubs Eintracht Trier, für seine Ankündigung einer persönlichen Wette auf seine Mannschaft vom DFB schriftlich gerügt worden. „Wir haben Mario Basler vor zwei Wochen darauf hingewiesen, dass sein Wettverhalten ganz eindeutig nicht statutengemäß ist“, sagte Zwanziger: „Das zeigt, dass wir sehr wohl ein Auge auf alles haben, auch wenn wir das nicht jedesmal publik machen.“

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