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Fußball-Training „Muskelkater existiert nicht mehr“

15.07.2007 ·  Die Zeiten sind vorbei, in denen Profi-Fußballer im Gleichschritt über den Platz gehetzt wurden. Die Tendenz geht zur Individualisierung. 137 Trainingsspezialisten sind rund um die 18 Bundesligateams im Einsatz.

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Als Jürgen Klinsmann vor der Fußball-WM seine drei Fitnesstrainer um Mark Verstegen einfliegen ließ, da machte sich die halbe Bundesliga lustig über Bilder von Nationalspielern mit Gummibändern. Keine zwei Jahre später haben die meisten Vereine zum Teil hochwissenschaftliche Betreuerteams aufgebaut.

Einer der Spitzenreiter im deutschen Profifußball - was die Personalstärke angeht - ist der zahlungskräftige Zweitliga-Aufsteiger 1899 Hoffenheim mit gleich sieben Trainern. „Wir haben jetzt noch einen Mann eingestellt für den Bereich Video“, sagt Chefcoach Ralf Rangnick. „Noch nie“ hatte er so viele Assistenten zur Verfügung - „egal ob beim VfB Stuttgart, in Hannover oder bei Schalke 04.“ Unter anderem stehen Rangnick der Psychologe Hans-Dieter Hermann, der auch zum Stab der Nationalmannschaft gehört, Co-Trainer Achim Sarstedt, jahrelang Assistent von Volker Finke beim SC Freiburg, und der frühere Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters zur Seite.

„Alles viel professioneller“

Joachim Löw sieht mit Genugtuung, dass die Zeiten vorbei sind, wo die Fußballer im Gleichschritt über den Trainingsplatz gehetzt werden und mit der stets selben Schlagzahl ihre Gymnastikübungen absolvieren. „Die Tendenz geht dazu, noch individueller zu trainieren“, sagt der Bundestrainer. Die Spieler werden zwar mehr gefordert, aber in der Regel nicht mehr überfordert.

„Muskelkater existiert nicht mehr“, erklärt Hannovers Ersatztorwart Richard Golz (39), der vor 20 Jahren erstmals in der Bundesliga zwischen den Pfosten stand, im Fachmagazin „kicker“ den Wandel der Trainingsmethoden. Auch sein Vereinskollege Michael Tarnat (36) lobt: „Heute läuft alles viel professioneller im Training ab. Da ist nichts mehr mit Medizinball und Entengang.“

„Der Trend geht zur Individualisierung“

Dennoch fordert Löw die Vereine dazu auf, mehr in die Trainerstäbe zu investieren. „Im Basketball gibt es Trainer für Technik, Offensive und Defensive. In England und Italien sind im Fußball Spezialisten gang und gäbe. Das ist die Zukunft.“

Wer sich das neue Mannschaftsfoto des Deutschen Meisters VfB Stuttgart anschaut, weiß, dass nicht einmal die Schwaben an Personal sparen: Die obere und untere Reihe bilden die Spieler in den weißen Trikots, die komplette mittlere Reihe (Maskottchen Fritzle einmal ausgenommen) die Betreuer und Trainer um Armin Veh: ein Dutzend Personen, darunter zwei Zeugwarte und drei Physiotherapeuten.

137 Spezialisten für 18 Mannschaften

Stuttgart hat in Günter Kern einen Schnelligkeitstrainer, Eintracht Frankfurt in dem früheren Handball-Nationalspieler Holger Löhr einen Mentaltrainer, Schalke in Christian Frank einen Ernährungswissenschaftler. 137 Spezialisten, hat der „kicker“ ausgerechnet, sind rund um die 18 Mannschaften im Einsatz. So hat Rangnicks Ex-Verein Schalke 04 sein Betreuerteam kontinuierlich ausgebaut. Mirko Slomka stehen neben seinen Co-Trainern Oliver Reck und Nestor El Maestro noch die Konditions- und Reha-Spezialisten Christos Papadopoulos, Elliot Paes Alves Junior und Rouven Schirp zur Verfügung.

Dazu kommt Jürgen Freiwald als Berater: Der Lehrstuhlinhaber für Bewegungswissenschaft von der Universität Wuppertal koordiniert Leistungsdiagnostik, Bewegungstraining und die Integration von verletzten Spielern. Die Einstellung von Assistenten war ein wichtiger Punkt bei Slomkas Vertragsverlängerung. „Somit können wir eine noch bessere Betreuung der Profis gewährleisten, auf ihre individuelle Bedürfnisse, Stärken und Schwächen noch besser eingehen. Es geht auch darum, den Genesungsprozess verletzter Spieler zu beschleunigen“, erklärt der Schalker Chefcoach.

„Ich mache aus den Spielern gläserne Profis“

Auch der große Rivale FC Bayern München hat mächtig aufgerüstet. Vier neue Helfer wirbeln um Ottmar Hitzfeld herum. „Der Trend geht zur Individualisierung. Um das umzusetzen, brauchen wir auch die nötige Man-Power“, sagt Co-Trainer Michael Henke. Manager Uli Hoeneß beobachtet derzeit zufrieden die Schwitzkur seiner Stars in Donaueschingen: „Vieles ist anders, vieles ist neu. Das neue Trainerteam bringt frischen Wind in den Verein.“

Allen voran der italienische Sportwissenschaftler Riccardo Proietti. Der 38-Jährige hat schon den AC Mailand und den FC Barcelona fit gemacht hat und durfte seine Methode sogar in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ erklären: „Ich mache aus den Spielern gläserne Profis.“ Er überwacht die Körperwerte auf seinem Laptop und entwickelt mit dem Trainerstab ein Programm für einzelne Spieler. „Wir wollen Praxis und Wissenschaft kombinieren“,

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