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Fußball-Trainer Heynckes „Wenn es ernst wird, sage ich Ulrich“

 ·  Bayer Leverkusen eröffnet diesen Freitag als Spitzenreiter den 12. Bundesliga-Spieltag. Trainer Josef Heynckes spricht vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt über seinen Vorgesetzten „National-Rudi“ und seine Freundschaft zu Ulrich Hoeneß.

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Bayer Leverkusen eröffnet an diesem Freitag um 20.30 Uhr (FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) als Bundesligaspitzenreiter den 12. Spieltag. Im FAZ.NET-Interview spricht Trainer Josef „Jupp“ Heynckes vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt über die tollen Charaktere seiner Spieler, seinen Vorgesetzten „National-Rudi“ und seine Freundschaft zu Ulrich Hoeneß.

Herr Heynckes, Sie stehen mit Bayer Leverkusen vor dem zwölften Spieltag an der Tabellenspitze der Bundesliga. Haben Sie das für möglich gehalten vor Saisonbeginn?

So viel sagt das ja nicht aus, da es sehr eng zugeht in der Liga. Ich habe aber schon vor der Vertragsunterschrift geschaut, was mich erwartet in Leverkusen: Da stimmte alles vom Kader bis hin zur Philosophie des Vereins. Da habe ich schon erwartet, dass wir unter die ersten drei bis fünf kommen könnten.

In Leverkusen kommen Sie offenkundig sehr gut mit Ihrer Mannschaft zurecht. Hat der Verein die Charaktere, die Ihnen liegen?

Man muss das Leverkusener Scouting der vergangenen Jahre und auch die Arbeit meiner Vorgänger loben. Wir haben eine junge Mannschaft, in der die Typen und Charaktere zusammenpassen. Das überträgt sich aufs Spielfeld. Die Spieler verstehen sich dort genauso gut wie außerhalb.

Liegt es an Ihrer neuen Gelassenheit durch das Alter, dass Sie mit den jungen Spielern so gut zurechtkommen?

Ich hatte überall einen guten Draht. Vor allem aber habe ich nie einen Unterschied gemacht zwischen jungen Spielern und älteren. Ich wäre niemals auf die jungen losgegangen, nur um mir Autorität bei den alten zu erwerben.

Spielt es für die aktuelle Stärke von Bayer Leverkusen eine Rolle, dass Ihr Team so viele deutsche Spieler in den Reihen hat und dass viel Deutsch gesprochen wird?

Gute Kommunikation in einem Team hilft, um Missverständnissen vorzubeugen. Zudem legen die Leute bei Bayer wie vor allem Rudi Völler viel Wert darauf, dass wir Spieler aus eigenem Gewächs für die Profimannschaft aufbauen. Auch ein Verein wie Barcelona hat in den vergangenen Jahren bestimmt 12 oder 13 Spieler aus dem Nachwuchs herangezogen. So etwas ist wichtig, um die Identifikation mit dem Klub zu stärken.

An diesem Freitag spielen Sie gegen Eintracht Frankfurt, das vielleicht unerfreulichste Kapitel Ihrer erfolgreichen Trainerkarriere. Sie wurden 1995 entlassen, nachdem Sie zuvor Anthony Yeboah und Maurizio Gaudino suspendiert hatten. Blicken Sie noch im Groll zurück?

Ich lebe in der Gegenwart und nicht in der Vergangenheit. Eintracht Frankfurt ist ein Kapitel in meiner Laufbahn, mehr nicht. Mich interessiert nun vor dem Spiel nur die Eintracht von heute.

Und was ist die Eintracht von heute?

Das ist ein Klub, der sich entwickelt hat und in einem tollen Stadion mit fast immer 50.000 Zuschauern spielen darf. Die Mannschaft spielt vor allem auswärts sehr diszipliniert und aggressiv. Das wird für uns heute abend sehr schwer.

In Frankfurt gibt es die Anekdote, dass Sie während Ihrer Tätigkeit bei der Eintracht 1994 am Tag des Endspiels Ihren Spielern eine Freude bereiten wollten mit einem Konzertpianisten, der die Mannschaft aufs abendliche Endspiel einstimmen sollte. Angeblich sind alle Spieler auf ihren Zimmern verschwunden, sehr zu Ihrem Ärger. Würden Ihre jetzigen Spieler der Musik lauschen oder würden Sie solche eine Aktion nicht mehr durchführen?

Ich erinnere mich nicht mehr ganz genau an diesen Abend. Ich weiß nur, dass das etwas unglücklich lief. Ich habe aber auch bei anderen Vereinen wir Bayern München ähnliche Sachen gemacht und es kam bei den Spielern gut an. Sicher muss man sich das immer gut überlegen, wie das heute noch passt. Die Spielergeneration ist anders als die vor zehn oder 15 Jahren. Das muss ein Trainer in seine Arbeit einbeziehen.

In einem Interview mit dem Fußballmagazin „11 Freunde“ sprachen Sie kürzlich über Uli Hoeneß und nannten ihn Ulrich. Damit sind Sie wohl der einzige der ihn so nennt. Nennt er Sie auch Josef?

Das ist ganz ulkig. Immer dann, wenn es ernst wird, sage ich Ulrich. Und Uli sagt dann zu mir Josef. Das ist wie ein Flacks unter zwei sehr, sehr guten Freunden, die wir beide sind.

Wenn es bei Bayer dann mal ernst wird, merken wir das dann an einem Rudolf für Ihren Vorgesetzten Völler?

Nein, nein! Der Rudi ist der National-Rudi. Der bleibt immer der Rudi.

Das Gespräch führte Daniel Meuren.

Quelle: FAZ.NET
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