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Fußball Torhüter am Rotieren

16.04.2008 ·  In der Fußball-Bundesliga ist in dieser Saison zwischen den Pfosten ungewöhnlich viel in Bewegung geraten. Der Stuttgarter Raphael Schäfer könnte als Nächster profitieren und den Posten von Sven Ulreich wieder übernehmen.

Von Oliver Trust, Stuttgart
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Zuletzt gab Raphael Schäfer meist nur einen Satz von sich. „Das muss der Trainer entscheiden“, sagte er und meinte die Aussicht, an diesem Mittwoch gegen den 1. FC Nürnberg ins Tor zurückzukehren. Sonst schweigt der „zweite“ Torwart des VfB Stuttgart, der seit dem 19. Spieltag seinen Platz zwischen den Pfosten Tor an Sven Ulreich verlor. Ulreich ist Amateurtorwart und 19 Jahre alt. Schäfer ist 29, Pokalsieger und ein erfahrener Profi.

Seit Anfang Februar spricht Schäfer kaum noch, nur einmal teilte er in einem Interview mit, schwer in seiner „Ehre gekränkt“ worden zu sein. Er könne sich mit den Umständen nicht einfach abfinden und macht schlechte Stimmung im Vereinsumfeld und Teile der Medien für seine Degradierung mitverantwortlich. Ob das besonders klug war, sei dahingestellt. Es zeigt jedoch, wie tief der Frust bei Torhütern sitzt, wenn sie der Bannstrahl des Trainers trifft und sie verdrängt werden.

Wer ein Großer werden will, muss Druck aushalten

Schäfer kam mit großen Erwartungen vom Pokalsieger Nürnberg als Nachfolger von Timo Hildebrand nach Stuttgart. Was dann passierte, zeigt, wie problematisch das Torwartleben sein kann. Schäfer geriet in eine Krise des Meisters, die ihn mit erfasste. Einen Torwart tauscht man nicht einfach aus, sagen die Trainer, was bedeutet, wer einmal seinen Platz verloren hat, hat es schwer, ihn zurückzuerobern. Mit einem Kurzeinsatz ist es nach dem „harten Schlag“ (Schäfer) nicht getan.

Nicht immer läuft es so wie bei Schäfers früherem Klub in Franken. Der Tscheche Jaromir Blazek hielt schlecht und legte sich mit dem Nürnberger Publikum an. Konkurrent Daniel Klewer erkrankte, kaum dass er des Tschechen Platz eingenommen hatte, und seit dem „Denkzettel“ hält Blazek tadellos.

Zwei verunsicherte Torhüter

In Nürnberg wurde Cheftrainer Thomas von Heesen zum abermaligen Wechsel gezwungen. In Stuttgart steckt dagegen Armin Veh in der Klemme. Den verunsicherten Ulreich noch einmal aufbieten oder doch dem beim Publikum nicht übermäßig geschätzten Schäfer vertrauen? Stellt er Schäfer zwischen die Pfosten und dem Routinier unterlaufen Patzer, verstärken sich die Probleme weiter. Die Schwaben hätten dann zwei verunsicherte Torhüter.

Im Fall Schäfer scheint dem Klub sogar eine Art Imagekampagne nötig, um das gestörte Verhältnis des Torwarts zum VfB-Anhang zu entspannen. Schon im vergangenen Sommer musste er sich Rufe nach seinem Vorgänger Hildebrand gefallen lassen. Veh vertritt hinsichtlich des Drucks auf Schäfer und Ulreich eine eindeutige These: Wer ein Großer werden wolle, müsse den Druck aushalten, Stimmungen und Gefühle ignorieren und Souveränität ausstrahlen.

Bei Arsenal spielt sogar Hass eine Rolle

Wie turbulent Positionskämpfe auf der Torwartposition ausfallen können, zeigt sich bei Arsenal London. Dort sagte jüngst Manuel Almunia über sein Verhältnis zum deutschen Nationaltorhüter Jens Lehmann, der seit Monaten zur Nummer zwei zurückgestuft ist: „Ich weiß, dass er mich hasst.“ Lehmann lässt keine Gelegenheit aus, zu zeigen, „dass ich unglaublich wütend bin“, wie er sagt.

Wie souverän fiel da die Reaktion des Münchners Oliver Kahn aus, der vom damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann zur WM 2006 auf die Bank gesetzt wurde. Kahn fügte sich in seine Rolle als Ersatztorwart, gewann an Größe und Sympathie. Unvergessen seine Geste vor dem Elfmeterschießen gegen Argentinien, als er Lehmann auf dem Rasen Glück wünschte.

Schwierige Torwartstandorte in Cottbus, Dortmund, Bielefeld

In diesem Jahr ist in der Bundesliga auf der Torhüterposition ungewöhnlich viel in Bewegung geraten. Der erfahrene Tomislav Piplica geht gelassen mit seinem persönlichen Torwartproblem bei Energie Cottbus um und sitzt hinter Gerhard Tremmel auf der Bank. Marc Ziegler zog in Dortmund von der Ersatzbank an der Nummer eins Roman Weidenfeller vorbei.

Jetzt bewahrt ihn nach einigen Unsicherheiten nur eine abermalige Verletzung Weidenfellers vor der Rückversetzung. In Bielefeld sitzt die langjährige Nummer eins Mathias Hain draußen und Rowen Fernandez hütet das Tor. Auch in Bochum und Frankfurt stellt sich immer wieder aufs Neue die Torwartfrage.

Nur zweiter Mann zu sein erscheint wie eine Selbstaufgabe

Manch Verbanntem bleibt nur ein Vereinswechsel, wenn es keine Hoffnung auf Besserung gibt. So im Fall von Simon Jentzsch in Wolfsburg, den erst Andre Lenz und dann Diego Benaglio ablösten und der nicht mal die Nummer zwei sein darf, weil ihn Trainer Magath aus dem Kader warf. In Leverkusen flüchtete einst die abgesetzte Nummer eins Jörg Butt nach Lissabon, als René Adler die Bühne betrat.

Mit einer Nebenrolle will sich auch Raphael Schäfer nicht abfinden. Nur zweiter Mann zu sein erscheint ihm wie eine Selbstaufgabe. „Ich will allen zeigen: So, da bin ich, da, wo ich immer war, im Tor. Was ihr gedacht habt, ist falsch. Ich bin besser, als ich teilweise dargestellt wurde“, sagte Schäfer und fügte an: „Meine Gedanken drehen sich nur darum: Ich will die Nummer eins werden.“ Es sieht so aus, als habe er heute die Gelegenheit dazu.

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