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Fußball-Schiedsrichter Gedanken über Headsets und Ballchips

28.01.2008 ·  Um das Zusammenspiel zwischen Schiedsrichtern und Assistenten zu verbessern, denkt der DFB über die Einführung eines Headsets nach. Einen Videobeweis nach strittigen Spielsituationen werde es aber nicht geben. Ein Chip im Ball wird derzeit weiterhin getestet.

Von Michael Wittershagen
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Verdeckte Ellenbogenschläge sind das Übel, dem die deutschen Fußballschiedsrichter für die Rückrunde den Kampf angesagt haben. „Dagegen werden wir schärfer vorgehen“, sagte Volker Roth, der Vorsitzende des DFB-Schiedsrichterausschusses, bei der Halbzeittagung der 19 Bundesliga- und 22 Zweitliga-Schiedsrichter am Wochenende in Mainz. Zudem drängte Roth auf die Einführung eines vierten Offiziellen auch bei Spielen in der zweiten Liga.

In den kommenden Wochen sind diesbezüglich weitere Gespräche mit den Verantwortlichen der Deutschen Fußball Liga (DFL) vorgesehen. Ähnliche Gespräche sollen fortan auch an einem Runden Tisch geführt werden, den Rainer Koch einführen möchte. Der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der dort für die Schiedsrichter zuständig ist, sagte: „Man muss gemeinsam und miteinander vorgehen und Regeln erstellen.“ Dafür wolle er werben.

Der Chip im Ball wird getestet

In welcher Form es diesen Runden Tisch geben wird und in welchen Abständen die Beteiligten zusammenkommen werden, steht noch nicht fest. Sicher ist aber, dass neben Koch auch DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus, Roth und DFB-Schiedsrichterlehrwart Eugen Strigel dabei sein sollen. Auch Trainer, Sportdirektoren oder Manager dürften hin und wieder zu den Treffen gebeten werden, um Probleme weniger öffentlich, dafür aber möglicherweise zielgerichteter zu lösen.

Streitigkeiten, Unzufriedenheit oder einfacher Ärger sollen nicht mehr länger auf den Spielfeldern ausgetauscht werden. Auch deshalb wird es womöglich einen vierten Offiziellen bald auch in der zweiten Liga geben. Herbert Fandel, der bei der Wahl zum Weltschiedsrichter des Jahres hinter Markus Merk auf den zweiten Platz gekommen ist, sprach sich dafür aus, weil sich der vierte Mann in der Bundesliga bewährt habe: „Wir haben ihn eingeführt, weil wir uns belästigt fühlten von der Art und Weise, wie der ein oder andere Trainer draußen herumgesprungen ist und versucht hat, Einfluss auf das Spiel zu nehmen. Wir fühlen uns jetzt sehr viel wohler.“

Videobeweis werde es nicht geben

Dass es Fehler, ob von Schiedsrichtern oder von Verantwortlichen der Vereine, auch in Zukunft geben wird, liege auf der Hand. „Das ist menschlich“, sagte Roth. „Aber die Fehler zu minimieren und vor allem die entscheidenden Fehler nicht zu haben, dafür lohnt es sich immer zu arbeiten.“ Mit der Leistung der Schiedsrichter in der Hinrunde sei er gleichwohl zufrieden - auch wenn es Entscheidungen gegeben habe, die man so besser nicht getroffen hätte.

Da war zum Beispiel das Spiel von 1860 München gegen den TuS Koblenz (2:2) in der Zweiten Bundesliga. Nach zwanzig Minuten und einem Foul des Koblenzers Bajic kurz vor der Strafraumgrenze verlor Schiedsrichter Stefan Lupp den Überblick. Er zeigte Matej Mavric die Rote Karte, obwohl dieser an der Szene überhaupt nicht beteiligt war. Diese Fehlentscheidung wussten auch seine beiden Assistenten nicht zu korrigieren - und das hat Lehrwart Strigel ganz besonders geärgert. Deshalb hat er den Schiedsrichtern in Mainz nun unter anderem diese Entscheidung auf einem Video gezeigt und ihnen gesagt, „dass so etwas nicht mehr passieren darf“.

Headset? - „Ich fühlte mich dadurch gestört“

Um das Zusammenspiel zwischen Schiedsrichtern und Assistenten zu verbessern, denkt der DFB über die Einführung eines Headsets für die Schiedsrichter nach - so wie schon jetzt bei einigen internationalen Spielen gepfiffen wird. Fandel, der als deutscher Schiedsrichter bei der Europameisterschaft in diesem Sommer dabei sein wird, ist allerdings skeptisch: „Ich habe es zweimal getestet, und ich fühlte mich dadurch gestört.“

Er habe sich nicht richtig mit den Spielern unterhalten können, die Umgebung ganz anders wahrgenommen und „das Ding verflucht“. Bei der deutschen Lösung, an der ein Ingenieur getüftelt hat, soll es indes kein Mikrofon geben. „Die Sprache wird über den Ohrknochen übertragen“, sagte Strigel. Michael Kempter habe dieses Gerät Ende des vergangenen Jahres getestet, das Ergebnis aber sei noch nicht so gut gewesen. „Die Linienrichter haben den Schiedsrichter prima verstanden, aber der hat nicht verstanden, was seine Assistenten gesagt haben.“ Funktioniert die Technik, sollen dadurch vor allem Fouls im Rücken des Schiedsrichters besser geahndet werden können.

Bei anderen technischen Hilfsmitteln sind die Meinungen weiterhin geteilt. Einen Videobeweis nach strittigen Spielsituationen werde es nicht geben, sagte Roth. „Er zerstört das Spiel. Fußball ist ein fließendes Spiel, und wenn man das laufend unterbricht, dann interessiert das keinen Zuschauer mehr.“ Ein Chip im Ball, der anzeigen soll, ob der Ball die Torlinie überquert hat oder nicht, wird derzeit weiterhin vom Internationalen Verband (Fifa) getestet. „Wenn das anständig funktioniert, dann sind wir selbstverständlich dafür“, sagte Roth.

Quelle: F.A.Z., 28.01.2008, Nr. 23 / Seite 30
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Jahrgang 1981, Sportredakteur.

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