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Fußball-Kommentar Was will Hoffenheim?

Platz 16, akute Abstiegsgefahr, vier Niederlagen nacheinander - das waren gute Gründe für Hoffenheim sich von Trainer Markus Babbel zu trennen. Und doch ist das nur das Symptom eines viel tiefer liegenden Problems.

© dpa Vergrößern Platz 16, Abstiegsgefahr, Trainer Babbel entlassen - in Hoffenheim ist nichts, wie es mal war

Wenn es ein Datum gibt, das symbolisch stehen kann für alle Hoffenheimer Ambitionen und Träume, dann ist es der 5. Dezember 2008. An jenem Abend kulminierte eine der aufregendsten und zugleich umstrittensten Erfolgsgeschichten der Bundesliga in einem faszinierenden Spektakel.

Viel fehlte nicht, und der Aufsteiger aus der Provinz hätte, als Tabellenführer angereist, den großen FC Bayern in dessen eigener Arena aufs Kreuz gelegt - mit einem Spielstil, der damals seinesgleichen suchte, entworfen von einem Trainer, dessen kühner Plan geeignet schien, die Fußballwelt aus ihren Angeln zu heben. Es war der Moment, in dem der Makel der Künstlichkeit im Begriff war, sich aufzulösen unter dem Eindruck der Dynamik und der Schönheit des Hoffenheimer Spiels.

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Was damals surreal-märchenhaft anmutete, ist heute nicht mehr als eine blasse Erinnerung. Fast auf den Tag genau vier Jahre später steht der damalige Herbstmeister Hoffenheim an einem Tiefpunkt. Man könnte auch sagen: nicht mehr allzu weit vom Nullpunkt entfernt. Tabellenplatz 16, akute Abstiegsgefahr, zuletzt vier Niederlagen nacheinander - das waren gute Gründe sich von Markus Babbel zu trennen.

Der Trainer hatte es offenkundig nicht verstanden, aus einem Kader, den er in wichtigen Teilen selbst zusammengestellt hat, eine Mannschaft mit einem gewissen (Mindest-)Maß an Qualität und Verlässlichkeit zu formen. Vom selbstformulierten Anspruch - ein Platz in der Europa League - jedenfalls waren die Kraichgauer zuletzt so weit entfernt wie nur irgend möglich.

Fußballsachverstand auf höchster Führungsebene fehlt

Und doch ist die Trennung von Babbel nur das Symptom eines viel tiefer liegenden Problems: Das System Hoffenheim, mit all seinen finanziellen Möglichkeiten und seiner fabelhaften Infrastruktur, steht vor dem Absturz, weil es schlicht an zwei Dingen mangelt. Zum einen an einer Idee, wofür all das noch stehen soll, das da einst mit Abermillionen geschaffen worden ist: Ausbildungsklub? Spitzenteam? Keiner wusste das noch so genau in den Jahren nach Ralf Rangnick, als die Trainer (Pezzaiuoli, Stanislawski, Babbel) und Manager (Tanner, Babbel, Müller) kamen und gingen.

Vor allem aber fehlt dem Klub etwas, das sich auch mit viel Geld nicht ersetzen lässt: Fußballsachverstand auf höchster Führungsebene. Dass es kein Korrektiv zum allmächtigen Dietmar Hopp gibt, erweist sich als Konstruktionsfehler. Mit einer Folge, die auch den großen Gönner durchaus schmerzen dürfte: Hoffenheim im Winter 2012 ist den meisten einfach nur egal.

Quelle: F.A.Z.

 
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