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Mittwoch, 19. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Fußball-Kommentar Trend zur Kurzarbeit

 ·  Kam, sah und siegte, so stellen sie sich bei Armina Bielefeld das Kennenlern- und Abschiedsspiel ihres neuen Trainers vor. „Jörg Berger hätte sogar die Titanic gerettet“, hieß es einst bei Eintracht Frankfurt.

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Jupp Heynckes ist am 28. April nach München zurückgekehrt. Sein Auftrag für fünf Spiele: Retten, was zu retten ist mit den Bayern. Der 64 Jahre alte Rheinländer verfolgt im Vergleich zum gleichaltrigen sächsischen Kollegen Jörg Berger geradezu ein Langzeitprojekt. Dieser studierte Fußballlehrer und gelernte „Feuerwehrmann“ heuerte am Dienstag als Nachfolger des entlassenen Michael Frontzeck in Bielefeld an und soll dort am Samstag die Arminia vor dem Schlimmsten bewahren: dem Abstieg in die Zweite Bundesliga.

Trainer für ein Spiel – und vielleicht noch für die folgenden zwei Relegationsbegegnungen gegen den Dritten der zweiten Klasse –, das ist Bergers im Trend der Zeit liegende Kurzarbeitsmission. Ein deutlicher Sieg über Hannover 96 und der Auftrag des furchtlosen Mannes mit dem Red-Adair-Renommee wäre vielleicht schon erfüllt, sollte gleichzeitig Borussia Mönchengladbach daheim gegen Borussia Dortmund verlieren.

„Berger hätte sogar die Titanic gerettet“

Kam, sah und siegte, so stellen sie sich in Ostwestfalen das Kennenlern- und Abschiedsspiel von Jörg Berger vor, der mit den Bielefeldern ein Kunststück vollbringen kann wie weiland 1999 mit der Frankfurter Eintracht: Die war damals fast schon untergetaucht und kämpfte sich dann doch noch am letzten Spieltag mit einem 5:1-Triumph über den 1. FC Kaiserslautern in die Bundesliga zurück. „Berger hätte sogar die Titanic gerettet“, schwärmte Jan-Åge Fjørtoft, der Torschütze zum entscheidenden 5:1 über den Frankfurter Steuermann mit den stählernen Nerven.

Trainer für fünf Spiele, Trainer für ein Spiel, so kurz und bündig wie in dieser Saison waren die Erfahrung und die Tatkraft zweier bewährter Fußballpraktiker noch nie gefragt. In München waren schnelle Lösungen vonnöten, nachdem Heynckes‘ Vorgänger Jürgen Klinsmann sein Langzeitprojekt in den Sand gesetzt hatte und die Titelverteidigung wie auch das Minimalziel Platz zwei im Höchstmaß gefährdet schienen; in Bielefeld führte die blanke Angst vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit zum Griff nach dem Rettungsring auf den letzten Drücker.

Feuerwehrhelm auf und durch

Berger, der auf ein bewegtes Leben im Osten und im Westen des jahrzehntelang geteilten Deutschlands zurückblickt, wird in Ostwestfalen all seine Courage, seine positive Energie und seine Zuversicht, Unmögliches möglich machen zu können, in ein einziges Spiel packen. Keine Panik auf der Titanic: Die im Abstiegskampf erprobte Arminia soll nach Wochen ohne Sieg endlich wieder an sich glauben und selbstbewusst das Klassenziel erreichen.

Gelingt dem eisernen Berger, der einst die DDR fluchtartig verließ und seit sechs Jahren einen heroischen Kampf gegen den Krebs führt, sein Trainer-Comeback mit Glanz und Gloria, kann er demnächst überall auch bei Halbzeit des letzten Saisonspiels verpflichtet werden. Feuerwehrhelm auf und durch: Einer wie er braucht für seine Hilfsdienste keinen Vorlauf, um Fußballvereine zu retten.

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