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Fußball-Kommentar Talent und Größe

16.02.2009 ·  Als von Toni Kroos noch niemand redete, galt Lars Ricken als größtes Talent des deutschen Fußballs. Jetzt hat der Dortmunder leise, als unvollendeter Spieler Abschied genommen. Kroos sei ein Blick auf Rickens sportliche Laufbahn empfohlen.

Von Roland Zorn
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Als von Toni Kroos noch niemand redete, galt er als das größte Talent des deutschen Fußballs: Lars Ricken, schon mit 17 in der Bundesliga-Mannschaft von Borussia Dortmund eingesetzt. Drei Jahre später schoss der Westfale sein „Tor für die Ewigkeit“: ein Schuss ins Glück, der dem BVB den 3:1-Erfolg im Münchner Champions-League-Finale über Juventus Turin bescherte.

Danach wurde peu à peu aus dem größten das ewige Talent, aus dem dreimaligen deutschen Meister und sechzehnmaligen Nationalspieler ein Ersatzmann bei der Borussia und schließlich ein gern gesehener Vertragsamateur bei der zweiten Mannschaft seines Stammvereins. Am Montag hat der 32 Jahre alte Dortmunder seine aktive Laufbahn beendet. Ricken bleibt seinem Verein als Nachwuchskoordinator treu.

Toni Kroos sei der Blick auf Rickens sportliche Vita empfohlen

Die ihn jahrelang erlebt haben, wissen, dass er viel mehr aus seiner Karriere hätte machen können, wären ihm nicht Verletzungen und andere Widrigkeiten in die Quere gekommen. Vieles fiel diesem eleganten und stürmischen Mittelfeldspieler wohl zu leicht, um sein Potential ganz auszuschöpfen. So aber suchte und fand er, gesegnet mit Eloquenz und Intelligenz, manchmal auch den zweitbesten Weg, um sich in seinem Beruf zu behaupten – bis er den Anschluss an weniger begabte, aber hungrigere Profis verlor.

Ricken hätte also ein Großer in seinem Klub wie in der Nationalelf werden können. Dass er letztlich seine Möglichkeiten etwas zu oft knapp verfehlte, teilt er mit vielen anderen verheißungsvoll gestarteten und aus unterschiedlichsten Gründen gescheiterten Spielern wie Karl Del‘Haye, Michael Sternkopf oder Sebastian Deisler. Kickern mit dem gewissen Etwas wie zum Beispiel Kroos sei ein Blick auf die sportliche Vita des Dortmunder Champions-League-Helden Ricken empfohlen. Talent allein führt nicht zwangsläufig zu dauerhafter Größe.

Beide starteten zeitgleich - im Gegensatz zu Ricken erreichte Raúl alles

Wie man in vertrauten Gefilden zu einem Weltstar reifen kann, führte am Sonntag Raúl dem großen Publikum nicht nur in Spanien vor Augen. Der Stürmer ist erst 31, also ein Jahr jünger als Ricken, und stellte beim 4:0-Sieg von Real Madrid bei Sporting Gijón einen Vereinsrekord auf, der von ihm auch noch laufend verbessert werden kann. Mit nun 309 Toren für den spanischen Rekordmeister übertraf er den großen Alfredo di Stefano, der es zwischen 1953 und 1964 auf 307 Treffer gebracht hatte. „Ein Mythos ist geboren“, schrieb die Sportzeitung „Marca“, „Don Raúl ist jetzt eine lebende Real-Legende.“

Raúl begann seine Profilaufbahn bei Real wie Ricken bei Borussia Dortmund 1994, mit 17. Beide starteten als Ausnahmetalente in ihren Traumberuf Profifußballer. Raúl hat darin alles erreicht, Ricken dagegen vieles nur versprochen. Am Ende kickte er in der Dritten Liga: Nicht schlecht für Durchschnittsbegabungen, aber viel zu wenig für einen, der als ein großer Unvollendeter leise Abschied genommen hat.

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