Ein einziger Transfer hebelt natürlich nicht die Gesetze der Bundesliga aus und bringt auch nicht die Vormachtstellung des FC Bayern ins Wanken. Dennoch besitzt der Wechsel von Marco Reus für 17 Millionen Euro von der einen zur anderen Borussia Symbolwert über den Tag hinaus. Dass sich die Dortmunder im Bieterkampf um den begehrtesten deutschen Profi, der noch nicht beim FCB und dem BVB gelandet war, gegen den deutschen Rekordmeister durchsetzen konnte, ist eine ähnlich überraschende Wende auf diesem Geschäftsfeld wie es die Meisterschaft im Vorjahr auf dem Spielfeld war.
Die Dortmunder Neujahrs-Botschaft ist klar: Der deutsche Meister kann mittlerweile - wenn auch nur für den Moment und nicht jede Woche wie auf dem Rasen - auch auf diesem Münchner Hoheitsgebiet mithalten, auf dem sich der deutsche Krösus viele Jahre unantastbar fühlen durfte.
Angriff mit Scheckheft
Der letzte Klub, der glaubte, die Bayern mit dem Scheckheft angreifen zu können, war Dortmund, was die Bayern damals ärgerte, die Borussia aber fast umgebracht hätte. Vor rund fünfzehn Jahren wurden Stars in der Hoffnung auf künftige Einnahmen hochriskant finanziert. Die neue solide Borussia jedoch zahlt Reus aus Rücklagen und Gewinnen. Als dauerhafter Gegenspieler auf dem Transfermarkt wird Dortmund mit den Bayern daher nicht konkurrieren können - und wollen.
Die Verpflichtung des 22 Jahre alten Aufsteigers aus Mönchengladbach ist für Dortmund neben der Aussicht auf zusätzliche sportliche Klasse vor allem eine strategische Investition. Ein Selbstschutz auch, um der alten und bewährten Masche des FC Bayern zu begegnen, der mit seiner Einkaufspolitik nicht nur den eigenen Kader stärkt, sondern die direkte Konkurrenz auch gezielt schwächen will. In dieser Saison haben die Münchner ihr Interesse nicht nur an Reus zu erkennen gegeben, sondern auch an Mario Götze, dem Symbol des jugendlichen Dortmunder Aufbruchs.
Zeichen auch an Götze?
Die teure Rückkehr des in der Jugend verlorenen Sohnes Reus mit einem Vertrag bis Sommer 2017 ist nicht zuletzt ein Zeichen an Jung-Nationalspieler Götze sowie seine begehrten Kollegen Hummels, Sven Bender oder Schmelzer, dass eine dauerhafte internationale Karriere auch in Dortmund unter Jürgen Klopp möglich ist, nicht nur bei den Bayern oder im Ausland.
Die Chancen, dass Götze seinen Vertrag über 2014 hinaus verlängert und mit Reus im Mittelfeld gemeinsame Sache macht, dürften damit deutlich gestiegen sein - und so auch die Hoffnung des BVB, eine Kettenreaktion zu verhindern, wie sie nun die andere Borussia in Mönchengladbach erlebt. Neben Reus wird sich auch Roman Neustädter aus dem Überraschungsteam verabschieden, vermutlich in Richtung Leverkusen. Das wird Signalwirkung auf die Kollegen haben, und es steht für den aktuellen Fohlenjahrgang zu befürchten, dass der Markt im Jahr 2012 beendet, was die Konkurrenz 2011 auf dem Platz nicht schaffte: den Aufstieg einer jungen Mannschaft zu stoppen.
das Signal an die Liga ist: Dortmund kann sich keinen weiteren Transfer
leisten, wenn ..
stefan pauly (stefano2051)
- 07.01.2012, 02:58 Uhr
Risiko
Michael Messerer (KritischerWuerger)
- 06.01.2012, 12:33 Uhr
Wenn solide Arbeit und Glück...
Thomas Kobler (ThomasKobler)
- 06.01.2012, 12:09 Uhr