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Fußball-Kommentar Neue Fragen, neue Antworten aus Hoffenheim

15.12.2008 ·  Die Hobby-Psychologen aus München bauen aufs Scheitern der Hoffenheimer an den eigenen Nerven. Doch bislang hatte Ralf Rangnick immer die passende Antwort auf dem Spielfeld. Zündet er nun die neue Entwicklungsstufe?

Von Michael Eder
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Die große Frage ist: Wie wird es weitergehen? Wie wird 1899 Hoffenheim in der Rückrunde abschneiden? Kann der Aufsteiger, der als Tabellenführer in die Winterpause geht, im neuen Jahr einfach so weiter spielen und weiter siegen wie bisher? So unverkrampft, so sorglos, so angriffslustig?

Die Konkurrenz, allen voran die Hobbypsychologen aus München, wird nicht müde, das Gegenteil vorherzusagen. Als Gejagter, sagen sie, werde der Aufsteiger in eine Situation geraten, die andere Qualitäten nötig mache, Qualitäten und Erfahrungen, über die ein Aufsteiger nicht verfügen könne. Die Luft wird dünner, das ist die Botschaft der Zurückliegenden, und sie wird Hoffenheim nicht bekommen. Außerdem würden sich alle Gegner besser auf die Spielweise der Hoffenheimer einstellen.

Forderung nach der nächsten Entwicklungsstufe

Wunsch oder Wirklichkeit? Für den Aufsteiger, dessen Management nach der Winterpause mit den Profis eine Europapokalprämie aushandeln wird, spricht, dass er sich mit diesem Thema auseinandersetzt, dass sie es nicht kleinredet, dass sie sich ihm stellt. „Klar“, sagt Marvin Compper, Kapitän und Kopf der Mannschaft, „die anderen wissen jetzt, wie wir spielen, das Überraschungsmoment ist dahin.“

Auch Trainer Ralf Rangnick leugnet das nicht. Doch wie Compper leitet er daraus die Forderung nach der nächsten Entwicklungsstufe ab. Wenn die Gegner Antworten auf unser Spiel finden, so die Hoffenheimer Philosophie, dann müssen wir ihnen im neuen Jahr eben neue schwierige Fragen stellen. Stillstand ist Rückschritt – diese oft nur plakative Einsicht mit Leben zu erfüllen, ist die Hoffenheimer Stärke. Ständig in Bewegung bleiben, Erfolgsrezepte nicht konservieren, sondern fortwährend weiterentwickeln, darum geht es Rangnick, und die ganze Mannschaft hat dieses Prinzip verinnerlicht.

Neues gewagt

Selbst gegen Schalke hatte Rangnick Neues gewagt. Statt im Mittelfeld, wie gewohnt, mit drei defensivstarken, auf einer Linie agierenden „Sechsern“ aufzulaufen, zog er Weis nach vorn, was ein 4-2-1-3-System ergab. Es war ein Versuch, und als er sich nicht bewährte, stellte Rangnick nach zwanzig Minuten wieder um. Den Versuch war es wert, es wird andere, gelungenere geben, Rangnick hat in der Winterpause genügend Zeit, sich Neues einfallen zu lassen.

Zwar weiß auch er, dass ein so riesiger Entwicklungssprung wie im letzten halben Jahr nicht zu wiederholen sein wird („es geht nicht mehr mit Siebenmeilenstiefeln“), doch darauf ist die Mannschaft nicht angewiesen, weil sie längst auf einem Niveau angekommen ist, das genügt, um auf Dauer um einen der vorderen Plätze mitspielen zu können.

Nicht nur Schönspieler

Ein großer Vorzug: Die Hoffenheimer sind nicht nur Schön- und Schnellspieler, sie können auch kämpfen – und sie wirkten am Sonntag auch kühler, überlegter als eine so routinierte Mannschaft wie der FC Schalke 04. Spielstark, kampfstark, abgeklärt, auch von Rückschlägen wie dem 1:2 in München nicht zu beeindrucken – Hoffenheim hat viele Qualitäten, viel mehr jedenfalls als der Konkurrenz lieb sein kann.

Mit Worten und Prognosen wird man diese Mannschaft nicht besiegen, da werden Münchner, Hamburger, Berliner, Bremer und Schalker schon Taten sprechen lassen müssen.

Mit Worten und
Prognosen wird man
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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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