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Fußball-Kommentar Gegen die Harmonielehre

01.06.2009 ·  Pokalfinale, Relegation, Länderspiele - die Fußball-Saison verabschiedet sich an diesem Wochenende in Häppchen. Mit Bruno Labbadia könnte sich nachträglich in Leverkusen ein weiteres Trainerkapitel schließen. Sein Projekt bei Bayer war noch tollkühner als das der Bayern mit Jürgen Klinsmann.

Von Michael Horeni
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Abschied in Häppchen: Am Samstag der Pokalsieg von Werder Bremen (siehe auch: Nach dem Pokalfinale: Partywellen bei Werder, Fruststau in Leverkusen). Am Sonntag die Bundesliga-Rückkehr des 1. FC Nürnberg und der Abschied von Energie Cottbus (siehe auch: 1. FC Nürnberg: Anti-Depressivum Marke Oenning). Am Pfingstmontag das nächste Relegationsduell um den Aufstieg zweiter Klasse für den SC Paderborn (siehe auch: 1:0 beim VfL Osnabrück - Paderborn steigt in die zweite Liga auf) und an diesem Dienstag das Länderspiel von Jogi Löws Restauswahl gegen die Vereinigten Arabischen Emirate (20.00 Uhr / Live im ZDF und im FAZ.NET-Länderspiel-Liveticker).

Der deutsche Fußball macht einer Saison, die so viel Spannung und gescheiterte Projekte mit sich brachte wie selten zuvor, scheibchenweise ein Ende. Und es passt dazu, dass in Leverkusen nachträglich das letzte Trainerkapitel der nun schon vergangenen Spielzeit vor dem Ende steht. Bruno Labbadia wäre nach dem mit Cottbus abgestiegenen und sich am Wochenende schon verabschiedenden Bojan Prasnikar der zehnte Trainer von achtzehn Bundesligaklubs, die in dieser Spielzeit ihre Sachen und Ideen wieder einpacken – und in ein paar Wochen bestimmt wieder mit großen Erwartungen woanders neu präsentieren dürfen.

Von der Fortsetzungsgeschichte zur betriebsinternen Revolution

Labbadia hatte dabei eines der hoffnungsvollen und kaum zu bewältigenden Projekte in Angriff genommen: Er will, obwohl man vielleicht schon besser sagen sollte, wollte, aus Bayer einen Siegerklub formen. An dieser Aufgabe sind vor ihm schon alle möglichen Trainer-Charaktere wie Vogts, Daum, Toppmöller oder Skibbe gescheitert. Labbadias Projekt mit Bayer war daher eigentlich sogar noch etwas tollkühner als das Bayern-Projekt. Der Trainer hatte sich vorgenommen, eine neue Mentalität bei Bayer zu prägen, die sich mit Niederlagen nicht länger brav abfinden sollte (siehe auch: Bayer Leverkusen: Auf Abstand zum eigenen Trainer).

Und als Torhüter Adler nach der Winterpause genauso in der Öffentlichkeit die Mängel ansprach, wie sich der Trainer dies wünschte, wurde der selbstbewusste und selbstkritische Profi von Rudi Völler zurückgepfiffen. Statt des Bayern-Sieger-Gens hatte sich mal wieder die Bayer-Harmonielehre durchgesetzt – und den Spielern fiel plötzlich auf, dass ihr tatsächlich fordernder und fördernder Trainer zu hart trainiere. Wie Labbadia daher schon vor der Finalniederlage auf Distanz zum Leverkusener Wohlfühlklima ging, würde aus der Fortsetzungsgeschichte eine echte betriebsinterne Revolution machen.

Der Bremer Pokalsieg könnte wie eine Verjüngungskur wirken

Labbadia hatte mit seiner Kritik keine arbeitsplatzerhaltende Maßnahme im Sinn. Er wollte seine Identität als junger, ehrgeiziger und von seinen Ideen überzeugter Trainer nach all den Rückschlägen bewahren und verteidigen und kann sich diese für Bayer unbequeme Haltung auf einem ausgedorrten Trainermarkt auch locker leisten. Bei einem Abschied hat er genauso wenig zu verlieren wie Felix Magath oder Martin Jol, die sich den üblichen Gesetzen auf ihre Weise ohnehin ganz aktiv entzogen (siehe auch: Zwei Verlierer - ein Kommentar zum Abschied von HSV-Trainer Jol).

Dass im Pokalfinale von Berlin nun ausgerechnet mit Schaaf der dienstälteste Ligatrainer den letzten Titel der Saison nach zehn Jahren auf demselben Posten gewonnen hat, könnte auf die in die Jahre gekommene Bremer Arbeitsbeziehung vielleicht auch noch mal wie eine Verjüngungskur wirken – als Kontrastmittel zur Bundesliga-Wechselmanie taugt diese ganz besondere Beziehung in jedem Fall.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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