Louis van Gaal hat seine Spieler ziemlich unverblümt dazu aufgefordert, das Fußball-Länderspiel gegen Dänemark zu boykottieren. Ein ungeheurer Vorgang, aber der niederländische Trainer von Bayern München hat recht. Seit Jahrzehnten beschwert sich die Bundesliga über unsinnig erscheinende Testspiele, aber noch nie war ein Termin dermaßen schlecht gewählt wie jener für dieses freundschaftliche Treffen mit den Dänen.
Natürlich könnte man sagen, es bringt nicht nur ein paar Millionen Euro Einnahmen, sondern es ist auch sportlich nötig, vor der am 3. September beginnenden Qualifikation für die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine einen Vorlauf zu haben, ein bisschen zu üben. Aber allen Ernstes: Was könnten die Nationalspieler am 11. August für die Begegnung mit Belgien drei Wochen später einstudieren?
Ein Monat nach dem Finale ein Testspiel - wer kam auf die Idee?
Neun Tage vor dem Bundesligastart sind nicht nur die WM-Helden des FC Bayern außerstande, Konstruktives zu leisten, sondern auch die der anderen Bundesligavereine. Denn sie werden dann erst eine gute Woche aus dem Urlaub zurück sein. In welchem körperlichen Zustand die deutschen Südafrika-Fahrer sich ihren Aufgaben widmen werden, kann sich jeder vorstellen.
Aber auch die Profis, die zu Hause bleiben mussten, befinden sich anderthalb Wochen vor dem ersten Bundesligaspieltag noch in der Aufbauphase. Der Test gegen Dänemark stört nicht nur die Saisonvorbereitung der Bundesliga, sondern ist auch für die Entwicklung der Nationalmannschaft sinnlos.
Wer nichts Besseres zu tun hat, darf gerne mitkommen
Dass überhaupt jemals jemand beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) auf die Idee gekommen ist, genau einen Monat nach dem Finale der Weltmeisterschaft ein Länderspiel auszutragen, kann nur mit dem tiefen Misstrauen gegenüber dem Leistungsvermögen von Löws Auswahl erklärt werden. Aus lauter Scham sollte es der DFB deshalb gar nicht erst auf eine Konfrontation mit den Bayern oder den anderen Bundesligaklubs ankommen lassen, sondern die Reise nach Kopenhagen zum freiwilligen Betriebsausflug erklären.
Wer nichts Besseres zu tun hat, darf gerne mitkommen. Ein paar ausgeruhte Nachwuchskräfte oder Spieler, die wegen Verletzung die Weltmeisterschaft verpasst haben. Michael Ballack zum Beispiel, René Adler, Heiko Westermann oder Christian Träsch.
DFB oder FIFA
Sascha Dettmar (ichhabdich)
- 16.07.2010, 13:18 Uhr
Zu spät für Protest
Jan Kuhlmann (jan.kuhlmann)
- 16.07.2010, 13:33 Uhr
Und der Löw geht doch
Kaus -Dieter Probst (kldipro)
- 16.07.2010, 13:47 Uhr