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Fußball-Kommentar Das Ende der Einheit

 ·  Beim 1. FC Nürnberg haben sie schon Spieler suspendiert und den Trainer gewechselt. Und langsam müssen sie sich vor den eigenen Fans fürchten.

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© dpa Vergrößern Fußball-Tristesse in Nürnberg: Angst vor der aufgebrachten Fan-Menge

Für viele gilt der Job eines Bundesligaprofis als Traumberuf. Die Spieler haben ihr Hobby zur Profession gemacht, und sie werden dafür ansprechend entlohnt, sprunghaft steigende Gehaltserhöhungen bei guten Leistungen eingeschlossen. Aber da ist auch die andere Seite, die am Samstag in Nürnberg wieder sichtbar wurde. Alles ganz normal, bemühten sich die Offiziellen des Vereins, die Situation zu entschärfen und sagten, dass die Fans nach elf Spieltagen ohne Sieg natürlich enttäuscht seien.

Wenn es denn nur Enttäuschung darüber wäre, dass der 1. FC Nürnberg nach dem 0:3 gegen Freiburg als einziger Bundesliga-Verein ohne Sieg da steht. Zu sehen waren allerdings die Wut einer aufgebrachten Menge und von Fans, die mit weit aufgerissenen Augen schimpften und beleidigten. Ein Traumjob also? Wer aber möchte das an seinem Arbeitsplatz erfahren, wenn etwas schief gelaufen ist?

Es ist leicht, das mit der Bemerkung abzuhaken, wer so viel Geld einstecke, müsse wissen, dass ein Teil des Gehaltes eben auch Schmerzensgeld sei. Aber reicht das? Dass die Spieler mitunter ausreichend Abstand zum trennenden Zaun halten, hat gute Gründe, wie sich an diesem Wochenende beim Regionalliga-Verein Alemannia Aachen zeigte. Dort soll ein Zuschauer gegenüber dem Torhüter der eigenen Mannschaft handgreiflich geworden sein.

Es geht ja auch anders. In Freiburg hatte Torwart Oliver Baumann vor einer Woche beim 0:3 gegen den HSV dreimal daneben gegriffen und war zur Hauptfigur der Niederlage geworden. So mancher sorgte sich, wie Trainer Christian Streich ihn bis zum Spiel in Nürnberg wieder aufbauen könnte, aber das hatten die Freiburger Fans schon nach Spielschluss erledigt. Baumann, der in der erfolgreicheren Vergangenheit oft der entscheidende Mann gewesen war, wurde mit Sprechchören aufgemuntert. Beifall werden die Nürnberger Spieler nun zwar nicht erwartet haben, vielleicht aber etwas mehr Anerkennung und Verständnis. Die Niederlage gegen Freiburg war nämlich kaum nachvollziehbar, der „Club“ war besser, nutzte aber seine Chancen nicht und scheiterte - an Baumann.

Verdrängungswettbewerb Bundesliga

Nach drei Jahren stehen die Nürnberger nun erstmals wieder auf einem Abstiegsplatz. Vermutlich sind die Anhänger der Franken deshalb nicht mehr an den Gedanken gewöhnt, dass bei Vereinen dieser Preisklasse im Verdrängungswettbewerb Bundesliga eine gute Vorsaison kein Indiz für einen ähnlich erfolgreichen Verlauf der nächsten Spielzeit bietet. In Freiburg und in Augsburg ist das anders, auch in Braunschweig, wo in der ersten Saison nach 28 Jahren Bundesliga-Abwesenheit jeder gewonnene Zweikampf Jubelstürme auslöst. Freiburg und Augsburg aber, in der Vergangenheit häufiger in ähnlich schwierigen sportlichen Situationen wie nun Nürnberg, sind gute Beispiele, wie der Ausweg zu finden ist.

Beim „Club“ indes deuten alle Hinweise derzeit nur in eine Richtung: Sie haben schon Spieler suspendiert, den Trainer gewechselt. Und langsam müssen sie sich vor den eigenen Fans fürchten, die offenbar über eine gewisse Macht verfügen und es ablehnten, sich von Kapitän Raphael Schäfer beruhigen zu lassen. Dass Mannschaft und Manager dies zuließen, lässt den Gedanken an die dringend nötige geschlossene Einheit gar nicht erst aufkommen.

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04.11.2013, 16:53 Uhr

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