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Bundesliga-Relegation : Kiel will einfach nur genießen

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Die Mannschaft von Kiel jubelt nach einem Treffer gegen Ingolstadt. Bild: dpa

Ein Aufstieg in die Bundesliga wäre für Zweitliga-Aufsteiger Holstein Kiel eine große Überraschung und ein großer Erfolg zugleich. Dort bremst man die Euphorie, auch wenn es für die nächste Saison schon eine gute Nachricht zu vermelden gab.

          Bei der Kieler Sportvereinigung Holstein kommen gerade zwei Dinge zusammen, die die perfekte Grundlage einer möglichen Überraschung bilden: Die Kieler gehen am diesem Donnerstag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga-Relegation und im Eurosport-Player sowie bei Eurosport 2 HD Xtra) beschwingt in das erste Ausscheidungsspiel gegen den VfL Wolfsburg, und sie glauben, den Favoriten besiegen zu können. Ralf Becker, Holsteins Geschäftsführer Sport, sagt: „Für uns sind es die Highlight-Spiele Nummer 35 und 36. Wenn uns einer gesagt hätte, dass wir als Aufsteiger die Relegation erreichen, hätten ihn wohl alle als wahnsinnig bezeichnet. Auch mit ein wenig Abstand und unabhängig vom Ausgang der Relegation werden hier alle sagen: Unsere Saison ist einfach toll verlaufen.“

          Die vergangenen Wochen haben gezeigt, welche Moral in dieser Mannschaft steckt. Dem ernüchternden 1:3 gegen den 1. FC Nürnberg ließen die Kieler ein 5:1 in Ingolstadt, ein 1:1 in Düsseldorf und das abschließende 6:2 gegen Eintracht Braunschweig folgen – was für eine Offensive! 71 Tore sind Trainer Markus Anfangs Mannschaft gelungen; 18 Mal traf St.-Pauli-Leihgabe Marvin Ducksch, je zwölfmal die Mittelfeldspieler Dominick Drexler und Kingsley Schindler.

          Holstein hat die Zweite Bundesliga bereichert – weil es den mutigen Stil umgesetzt hat, den Anfang schon eine Liga drunter verordnet hatte. Becker sagt: „Es ist eine Kombination aus gutem Fußball und sympathischem Auftritt, die uns auszeichnet. Wir haben uns ein tolles Image erarbeitet, nicht nur wegen der Leistungen in dieser Saison.“

          Der Rang drei ist ein Ausreißer nach oben

          Der 47 Jahre alte Becker arbeitet seit Juni 2016 in Kiel. Gemeinsam mit dem Finanz-Geschäftsführer Wolfgang Schwenke ist der Motor der Professionalisierung. Aber er weiß auch, wo Holstein steht, wo Holstein herkommt. Deswegen gibt es weder von ihm noch vom Trainer starke Sprüche zum möglichen zweiten Aufstieg nacheinander: „Wir haben uns die ganze Saison nur von Spiel zu Spiel geäußert. So werden wir es beibehalten. Wir können unsere Lage sehr gut einschätzen. Wir haben den geringsten TV-Etat und das kleinste Stadion. Wir waren 36 Jahre nicht in der Zweiten Bundesliga.“ Deswegen ist dieser Rang drei ein Ausreißer nach oben – und natürlich will Holstein aufsteigen. Aber die Lichter gehen nicht aus, sollte sich der Volkswagen-Klub durchsetzen.

          Trainer Markus Anfang will mit Kiel den Aufstieg in die Bundesliga schaffen, wechselt nach der Saison jedoch zum Erstliga-Absteiger 1. FC Köln.

          „Unabhängig vom Ausgang der Relegation ist unser vorrangiges Ziel, dass wir uns in der zweiten Liga etablieren. Schon ein zweites Jahr im Profifußball der zweiten Liga hilft uns sehr weiter, was Strukturen und Organisation angeht“, sagt Becker. Der Kader ist originell zusammengestellt. Kronholm, Drexler, Ducksch, Czichos, Mühling oder Schindler sind Spieler, die sich nach der ersten Liga sehnen. Sie alle haben nach teilweise vielen Stationen ihr Glück bei Holstein gefunden. Becker sagt: „Viele sind auf dem zweiten Bildungsweg Fußballprofi in der zweiten Liga geworden. Wäre in ihren Karrieren alles super gelaufen, wären sie nicht bei uns – wir sind wirtschaftlich keine Konkurrenz für andere Vereine. Aber Spieler, die schon mal einen Bruch in ihrer Karriere hatten, wissen, dass sie hier bei uns weiterkommen können.“

          Das Leben ist momentan schön für Holstein. Doch es gibt auch Baustellen. Ein neuer Trainer wird gesucht; Anfang hat bekanntlich in Köln unterschrieben. Becker wird als Sportchef beim HSV gehandelt. Am Mittwoch kam aber noch eine gute Nachricht: Im Falle eines Aufstiegs dürften die Kieler nun doch in ihrem eigenen Stadion spielen. Die Deutsche Fußball Liga erteilte eine Ausnahmegenehmigung, für die noch Auflagen erfüllt werden müssen. Die KSV Holstein wird gewiss alles dafür tun.

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