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Fußball „Größter Wettskandal“ aufgedeckt

20.11.2009 ·  Mindestens 200 Fußball-Spiele, darunter 32 in Deutschland, sind offenbar manipuliert worden. Ein Uefa-Verantwortlicher spricht vom größten Betrugsskandal aller Zeiten, der sogar die Champions League erreicht hat. Und doch stehen die Ermittler erst am Anfang.

Von Richard Leipold, Bochum
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Das Szenario vor dem Eingang erinnerte an ein bedeutsames Fußballspiel oder einen großen Parteitag. Übertragungswagen des Fernsehens säumten die Straße. Das „Stadion“ war diesmal das Bochumer Polizeipräsidium. Wie schon so manches Mal, wenn die bundesweit renommierte Bochumer Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftkriminalität Ergebnisse vorgelegt hat, erschien auch am Freitag ein Medienaufgebot wie bei einem Länderspiel. In der Tat ging es um Fußball, allerdings um eine dunkle Seite dieses Geschäfts: um Wettbetrug.

Eine international arbeitende Bande soll in insgesamt neun europäischen Ländern, darunter auch Deutschland, Fußballspiele manipuliert haben, um auf diese Weise Wettgewinne in zweistelliger Millionenhöhe zu erzielen. Wie die Ermittler bekannt gaben, wird den Tätern zur Last gelegt, „sich zumindest seit Beginn des Jahres 2009 zusammengeschlossen zu haben, um auf Sportler, Trainer, Schiedsrichter, und Offizielle aus hochrangigen europäischen Ligen dahingehend einzuwirken, gegen unterschiedlich hohe Entgelte Ausgänge von Fußballspielen im Interesse der Täter zu beeinflussen“. Der Schwerpunkt der Ermittlungen verfolge den Vorwurf gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, sagte Staatsanwalt Andreas Bachmann, der die Ermittlungen leitet. „Teilweise geht es auch um Verabredung zum Verbrechen.“

Der Staatsanwaltschaft sind bisher etwa zweihundert Begegnungen im In- und Ausland aufgefallen, bei denen konkret der Verdacht besteht, dass es zu versuchten und vollendeten Manipulations- oder Betrugshandlungen gekommen ist. Der Arm des Verbrechens reicht offenbar bis in die bedeutendsten Klubwettbewerbe des europäischen Fußballs. So sollen mindestens drei Spiele der Champions League betroffen sein und sogar zwölf Partien der in dieser Saison neu eingeführten Europa League.

Gegen zwei deutsche Klubs liegen konkrete Verdachtsmomente vor

Peter Limacher, Leiter der Disziplinarabteilung der Europäischen Fußball-Union (Uefa), sprach in Bochum vom „bisher größten Skandal dieser Art im europäischen Fußball“. Darüber, ob Spiele der aktuellen Wettbewerbe wiederholt werden müssen, wollte Limacher „nicht spekulieren“. Der Uefa-Funktionär zeigte sich zufrieden über den Verlauf der Ermittlungen und über die Zusammenarbeit mit den Behörden, aber auch „zutiefst betroffen über das Ausmaß abgesprochener Spielmanipulationen internationaler Banden“.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hatte am Donnerstag mitgeteilt, das Frühwarnsystem des DFB und der Uefa für die Überwachung des Wettmarktes habe keine Beweise für etwaige Spielmanipulationen geliefert. Die Uefa hatte die Nationalverbände vor dem Termin in Bochum nicht informiert. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind auch vier Partien der zweiten Bundesliga, drei Spiele der dritten Liga und achtzehn Begegnungen der Regionalliga betroffen. Außerdem sind Profispiele aus der Türkei, der Schweiz, Belgien, Kroatien, Slowenien Ungarn, Bosnien und Österreich Gegenstand der Ermittlungen. Näheres wollte die Staatsanwaltschaft nicht sagen, um die laufenden Ermittlungen nicht zu gefährden.

Verdächtige Auswärtsspiele des VfL Osnabrück

Gegen zwei deutsche Klubs liegen nach Medienberichten konkrete Verdachtsmomente vor, gegen den VfL Osnabrück und den SSV Ulm. Nach Informationen der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ sollen Profis des Zweitliga-Absteigers VfL Osnabrück in die Affäre verstrickt sein. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt demnach einen 34-jährigen Mann aus Lohne, zwei Begegnungen des VfL in der vergangenen Zweitliga-Saison mit Hilfe von Osnabrücker Spielern manipuliert zu haben. Der Mann soll bereits verhaftet worden sein - wie mehr als ein Dutzend weiterer Verdächtiger, gegen die nach Angaben der Behörde Haftbefehle vollstreckt wurden.

Angeblich geht es um die beiden Auswärtsspiele der Niedersachsen beim FC Augsburg (0:3) am 17. April 2009 und beim 1. FC Nürnberg (0:2) am 13. Mai. Der 34-Jährige hatte, so die Staatsanwaltschaft, hohe Summen auf die beiden Partien gesetzt und sich dabei auf eine Tordifferenz festgelegt, die dann tatsächlich eintrat. Aus abgehörten Telefonaten der Polizei Bochum gehe hervor, dass der Verdächtige Kontakt zu mindestens einem VfL-Spieler aufgenommen habe. „Wenn das stimmt, wäre das eine Katastrophe - das könnte dann ein Grund für den Abstieg gewesen sein“, sagte der Osnabrücker Vereinspräsident Dirk Rasch. Die Ulmer sollen über ein Privatspiel gegen Fenerbahce Istanbul verwickelt sein. Am Freitag wurde außerdem ein Spieler des Landesligaklubs Würzburger Kickers verhaftet, der schon einmal in einen Wettskandal verwickelt war.

Unabhängig von solchen Einzelheiten stehen die Fahnder, die jetzt von den verdeckten zu den offenen Ermittlungen übergehen, offenbar noch am Anfang. Im Zuge der mutmaßlichen Betrügereien seien zehn Millionen Euro ausgezahlt worden, „aber das ist wohl nur die Spitze des Eisbergs“.

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