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Fußball-Glosse : 99,9 Prozent

Wer fühlt sich hier etwa nicht sicher? Bild: dpa

Viele Fangruppen und Vereine äußern ihren Unmut über das DFL-Sicherheitskonzept. Sie begründen es damit, dass mit Kanonen auf Spatzen geschossen würde. 47 Prozent der Zuschauer in Bundesliga-Stadien fühlen sich aber derzeit nicht sicher.

          99,9 Prozent aller Fluggäste planen keinen Anschlag, durchschreiten aber die Sicherheitsschleusen am Flughafen, lassen sich mit Metalldetektoren untersuchen und ihr Gepäck durchleuchten. 99,9 Prozent aller Deutschen planen keinen Diebstahl oder eine andere Schandtat, trotzdem gibt es ein Strafgesetzbuch. 99,9 Prozent der Autofahrer sind keine alkoholisierten Geisterfahrer, dennoch akzeptieren sie Verkehrskontrollen, in denen die Fahrtüchtigkeit überprüft wird.

          Alle Vorkehrungen samt drohender Sanktionen dienen zum Schutze der Allgemeinheit, zur Abschreckung und zur Lektion. Wenn viele Fangruppen und Vereine in diesen Tagen ihren Unmut über das Sicherheitskonzept der Deutschen Fußball Liga damit begründen, dass mit Kanonen auf Spatzen geschossen würde, weil 99,9 Prozent der Stadionbesucher unbescholten und friedlich seien, dann verkehren sie dieses Schutz-Argument ins Gegenteil.

          Bei den Personenkontrollen an den Stadioneingängen, die „verhältnismäßig“ zu sein haben, oder bei der möglichen Reduzierung von Gästetickets geht es nicht um die „kleine Minderheit von Randalierern“, wie es oft heißt, sondern um die Sicherheit genau der 99,9-prozentiger Mehrheit, die gewährleistet werden muss.

          Nach einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts „puls“ fühlen sich 47 Prozent der Zuschauer in deutschen Bundesliga-Stadien derzeit nicht sicher. Das ist die Zahl, die man sich merken sollte.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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          Quelle: F.A.S.

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