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Fußball-Bundesliga Zwölf gegen Elf ist Bayers Chance

28.09.2007 ·  Die Bayern-Jäger in der Bundesliga zeichneten sich in dieser Saison durch extreme Kurzatmigkeit aus. Jetzt hat Bayer Leverkusen im direkten Duell mit den Münchnern die Chance, sich an die Spitze zu spielen. Trainer Skibbe hofft auf die Unterstützung des Publikums.

Von Richard Leipold, Leverkusen
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Die sogenannten Bayern-Jäger zeichnen sich in jüngster Zeit durch Kurzatmigkeit aus. Kaum ist ein Spieltag vorüber, heißt es über den strauchelnden Verfolger schon wieder: Er tanzte nur eine Woche. So erging es binnen einer Woche erst den Bielefeldern, den Berlinern und auch den Frankfurtern. Alle, die es im Frühstadium der Saison mehr oder weniger zufällig in die Nähe der Spitze verschlagen hat, waren flüchtige Begleiter der Bayern, keine ernsthaften Rivalen.

Vor der achten Bundesligarunde hat sich Bayer Leverkusen dem Favoriten an die Fersen geheftet, fast wie in alten Zeiten, als die Rheinländer den Münchnern für einige Jahre den Titel streitig zu machen suchten, wenn auch am Ende stets ohne Erfolg. Bayer ist der bisher namhafteste Teilnehmer am aktuellen Verfolgungsrennen, das desillusionierte Beobachter schon als totes Rennen einstufen.

Wird aus Leverkusen ein Jäger

Bei allem Respekt vor der Spielkunst und der Wirtschaftskraft des FC Bayern wünscht sich das Publikum möglichst viel Spannung. Deshalb ist Leverkusen ein interessanter Kandidat für die Rolle des Jägers, zumal „natürliche“ Konkurrenten wie Stuttgart und Bremen sich zurückhalten. So wurde Bayer-Trainer Michael Skibbe mit der obligatorischen Frage konfrontiert: Wird aus Leverkusen ein Jäger oder erweist sich alles nach kurzer Zeit schon wieder als Jägerlatein?

Über Skibbes Gesicht huschte ein Lächeln, obwohl der Fußball-Lehrer in Leverkusen zuweilen weniger zu lachen hat, als die ordentlichen Platzierungen der zurückliegenden beiden Jahre vermuten lassen. Das Lächeln ist schnell wieder verschwunden; es ist ja kein Spaß, an den Bayern gemessen zu werden, sondern eine ernste Angelegenheit. Skibbe weist darauf hin, wie beliebig diese Frage sei, die in dieser Saison schon manch anderem Trainer vor ihm gestellt worden sei. Bayer sei ungefähr „die siebte Mannschaft“, der diese Rolle übergestülpt werde. Immerhin besitzt Leverkusen den Vorteil, die Münchner an diesem Samstag daheim im unmittelbaren Vergleich bezwingen zu können.

Junge Spieler und zwei, drei Häuptlinge

Aber auch das wäre für den rheinischen Klub kein Grund, übertriebene Ambitionen zu hegen; nur ein weiteres Indiz dafür, auf dem richtigen Weg zu sein. Skibbe steht im Begriff, die Mannschaft umzubauen, „zu entwickeln“, wie er sagt. Der sportliche Umbau sei parallel zum Umbau des Stadions geplant, der Ende Juni 2009 abgeschlossen sein soll. Bis dahin wolle das Bayerwerk wieder ein Fußballprodukt hervorbringen, das mit den Angeboten aus München, Schalke, Bremen oder Stuttgart konkurrieren könne.

Der Anfangserfolg dürfte Skibbes Strukturwandel stärken. Sein Fundament bilden junge Spieler „und dazu zwei, drei Häuptlinge“ wie der deutsche Bayer-Brasilianer Bernd Schneider, der zuletzt zweimal verletzt fehlte, gegen München aber wieder mitwirken könnte. Die Auswärtsspiele in Hannover und Nürnberg ohne ihn gewonnen zu haben, ist ein Zeichen von Qualität. Bayer hängt nicht mehr nur am Tropf der Kreativität eines Bernd Schneider, der im übrigen von Barbarez, einem älteren, nicht besonders beliebten Profi, als künstlerischer Leiter passabel vertreten wurde.

Geldverbrennung in der Ära Calmund

Dass die Leverkusener gediegenen Angriffsfußball spielen können, ist kein Geheimnis. Daran hat sich seit der zweiten Hälfte der neunziger Jahre nichts geändert, nicht einmal in den Jahren der wirtschaftlichen Konsolidierung nach der großen Geldverbrennung in der Ära Calmund.

Neuerdings aber ist die Mannschaft auch in der Lage, hinten Spiele zu entscheiden. Der Defensivverbund, wie Skibbe die Viererkette und die beiden davor postierten Mittelfeldspieler nennt, hat sich als Bollwerk erwiesen. Das Sicherheitssystem funktioniert besser und vor allem früher als erwartet. In sieben Partien hat Bayer noch keinen einzigen Treffer aus dem Spiel heraus zugelassen; allein zwei Elfmeter und ein Freistoß führten zu Gegentoren.

Forderung an die Fans

Nationalverteidiger Manuel Friedrich und Karim Haggui, sein ehemals konfuser Kompagnon im Abwehrzentrum, stehen hinten tadellos sicher und tragen dazu mit Toren – wie beim Heimsieg gegen Bochum – auch weiter vorn zum Erfolg bei. Im defensiven Mittelfeld hat sich neben Simon Rolfes der Chilene Arturo Vidal profiliert, der bei Bedarf auch als Verteidiger einspringen kann.

Aber trotz des Substanzgewinns sieht Skibbe sich vor dem Bayernspiel in der Rolle des Bittstellers. Er möchte diese tolle Herausforderung „mit leichter Überzahl beginnen“, also endlich einmal mit dem sogenannten zwölften Mann auf den Rängen im Rücken. „Das haben wir uns verdient“, sagt der Trainer und fängt fast an zu flehen: „Zwölf gegen Elf bis zur letzten Sekunde, bitte, dann haben wir eine gute Chance.“ Und was ist wenn Leverkusen doch wieder nur elf Mann aufbieten kann? „Dann wird es verdammt schwer.“ Aber einen Versuch sollte es wert sein, im Interesse der Bundesliga.

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