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Fußball-Bundesliga Wundersame Wolfsburger Wendung

Dieter Hecking wird überraschend neuer Trainer beim VW-Klub - und doch nicht die Reizfigur Bernd Schuster. Der kurzfristige Weggang des Fußballlehrers aus Nürnberg sorgt bei den Franken für Enttäuschung.

© dpa Vergrößern Den Arm ausgestreckt hat Dieter Hecking - die Wolfsburger haben ihn genommen

Seiner schnellen Übereinkunft mit dem neuen Trainer ließ Klaus Allofs nur wenige Worte folgen. „Wir haben uns geeinigt“, sagte der neue Geschäftsführer des VfL Wolfsburg, der kurz vor der Abreise in den Weihnachtsurlaub ein Rätselraten der besonderen Art aufgelöst hat. Nicht der frühere Nationalspieler Bernd Schuster, sondern Dieter Hecking bekommt den am Mittellandkanal freigewordenen Posten des Cheftrainers. Beide Seiten, das bestätigten die beteiligten Vereine am Samstagnachmittag, haben sich darauf verständigt, dass Hecking mitten in der Saison wechselt. Sein bis 2014 gültiger Vertrag beim 1. FC Nürnberg wird dank einer Ausstiegsklausel vorzeitig aufgelöst. In Wolfsburg erhält der 48-Jährige eine Beschäftigungszusage bis 2016 und hat damit Schuster am Tag seines 53. Geburtstages doch noch ausgestochen.

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Die öffentliche Aufmerksamkeit, für die die letzte große Personalie in der Fußball-Bundesliga vor dem Weihnachtsfest gesorgt hat, muss sich Hecking kurioserweise mit Schuster teilen. Tagelang war nur darüber spekuliert worden, wann Schuster zu welchen Konditionen eingestellt wird und warum er seine Premiere in der ersten Liga geben sollte. Dass am Ende doch keine Einigung zustande kam, dürfte nicht nur an Differenzen bei der Vertragsausgestaltung gelegen haben. Allofs hatte rund um den angedachten Schuster-Deal, um den er sich tatsächlich bemüht hat, auch tüchtigen Gegenwind zu spüren bekommen. Ein Mann wie Schuster, der 2008 immerhin mit Real Madrid spanischer Meister geworden war, steht nach Meinung vieler VfL-Fans nicht für das, was mit Hecking jetzt deutlich wahrscheinlicher wird. Die Sehnsucht in Wolfsburg ist groß, dass endlich wieder mehr Ruhe einkehrt und eine Basis für erfolgreichere Arbeit gelegt werden kann. Seit dem Titelgewinn 2009 eilt der VfL Wolfsburg von einer Verlegenheit in die andere und war ständig in den Abstiegskampf verwickelt.

Sanz legt Wert auf Kontinuität und Nachhaltigkeit

Mit der Verpflichtung von Hecking folgt Allofs jenen Vorgaben, die er kurz nach seinem Wechsel von Werder Bremen zum VfL Wolfsburg selbst mit auf den Weg bekommen hat. Francisco Javier Garcia Sanz, der als Vorstandsmitglied der Volkswagen AG den Aufsichtsrat der vom Automobilkonzern finanzierten VfL Wolfsburg Fußball GmbH anführt, ist zwar mit Schuster befreundet. Aber er legt mit Blick auf den bezahlten Sport mittlerweile auch großen Wert auf Ruhe, Kontinuität und Nachhaltigkeit. Werte wie diese sind beim VfL seit kurzem und auf lange Sicht gefragt. Kurzfristig heißt das: Allofs schickt den bisherigen Interimstrainer Lorenz-Günter Köstner zurück zur Amateurmannschaft des VfL, erspart sich die Debatten rund um die Reizfigur Schuster und bekommt mit Hecking einen soliden Arbeiter an seine Seite, der bei seinem Job in Nürnberg sehr positiv auffiel.

Bild Bernd Schuster © dpa Vergrößern Weiter in der Warteschleife: Bernd Schuster

Der neue Wolfsburger Trainer war nach seiner Entlassung bei Hannover 96 im August 2009 drei Jahre lang beim 1. FC Nürnberg der Garant für erfolgreiche Arbeit - und das, obwohl die Franken ihre besten Profis immer wieder an die zahlungskräftigere Konkurrenz abgeben mussten. Heckings Karrieresprung, so muss man seinen Wechsel zu einem in der Bundesliga-Tabelle schlechter plazierten Verein wohl bezeichnen, hinterlässt in Nürnberg eine schmerzhafte Lücke. Martin Bader, der als Sportvorstand des „Clubs“ in kürzester Zeit eine neue Lösung präsentieren muss, steht vorerst mit leeren Händen da und macht aus seiner Enttäuschung kein Geheimnis. Man könne jetzt nicht mehr das gemeinsam vollenden, was vor drei Jahren mit Hecking eingeleitet worden sei. Bader versuchte erst gar nicht, Verständnis aufzubringen für den plötzlichen Aufbruch seines Trainers. „Wir werden nichts Schlechtes über ihn sagen. Aber ich kann keine Beweggründe nachvollziehen, wenn man vom 1. FC Nürnberg weggeht“, so Bader über Hecking.

Signal für einen Neuanfang

In Wolfsburg dagegen ist die Verpflichtung eines Trainers, dessen Arbeitsstil und Auftreten stark an den von Thomas Schaaf bei Werder Bremen erinnern, das Signal für einen Neuanfang. Vor allem die Versuche des in Wolfsburg gescheiterten Trainer-Egos Felix Magath, mit Hilfe von Neuzugängen aus aller Welt den Erfolg zu erzwingen, haben tiefe Kratzer im Image des Vereins hinterlassen. Allofs steht jetzt ein besonnener Mann zur Verfügung, der es gewohnt ist, auf Amateurspieler zurückgreifen zu müssen und der lieber mit beiden Armen tief in die Arbeit greift, als nach weiteren Neuzugängen zu verlangen und große Töne zu spucken.

Die schnelle Einigung zwischen Allofs und Hecking beendet eine kuriose Zeit der Ungewissheit für die Wolfsburger Spieler. Als die Mannschaft am Donnerstag in den Weihnachtsurlaub geschickt wurde, war noch völlig unklar, wer mit ihr am 4. Januar ins Trainingslager nach Belek (Türkei) fliegt. Zur ersten Übungseinheit auf dem Gelände des VfL Wolfsburg einen Tag zuvor kann Hecking aus dem Kreise seiner Familie anreisen. Von seinem Wohnort in Bad Nenndorf bis nach Wolfsburg sind es gerade einmal 110 Kilometer. Wie lange es dauern wird, bis Hecking eine kunterbunt zusammengewürfelte Mannschaft mit egozentrischen Stars wie dem Brasilianer Diego in den Griff bekommt - das dürfte zweifellos eine der spannendsten Fragen sein, welche die Rückrunde der Fußball-Bundesliga zu bieten hat. Für Heckings schnelle Eingewöhnung beim VW-Klub ist es eine entscheidende Frage.

Fußballtrainer Dieter Hecking

- Geburtsdatum: 12. September 1964
- Geburtsort: Castrop-Rauxel
- Familienstand: verheiratet
- Heimatverein: Westfalia Soest

Karriere als Spieler:

1983-1985 Borussia Mönchengladbach, 1985-1990 Hessen Kassel, 1990-1992 SV Waldhof Mannheim, 1992-1994 VfB Leipzig, 1994-1996 TuS Paderborn-Neuhaus, 1996-1999 Hannover 96, 1999-2000 Eintracht Braunschweig

Karriere als Trainer:

01.07.2000-29.01.2001: SC Verl
27.03.2001-30.06.2004: VfB Lübeck
01.07.2004-07.09.2006: Alemannia Aachen
11.09.2006-19.08.2009: Hannover 96
22.12.2009-22.12.2012: 1. FC Nürnberg
01.01.2013-          : VfL Wolfsburg

Erfolge als Trainer:

Bundesliga-Aufstieg mit Alemannia Aachen 2006

Quelle: F.A.S.

 
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Veröffentlicht: 22.12.2012, 15:14 Uhr

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