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Fußball-Bundesliga Teurer Abstiegskampf

12.05.2007 ·  Die Fans hoffen bis zur allerletzten Minute, dass ihre Mannschaft nicht aus der Bundesliga absteigen muss. Doch die bedrohten Vereine können nicht so lange warten, sondern müssen schon vorher Weichen stellen - ein Drahtseilakt um Millionen.

Von Alex Westhoff
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Glaubt man den Lautsprechern der Branche, läuft in der Fußball-Bundesliga der „spannendste Abstiegskampf aller Zeiten“. Zwölf der 18 Klubs fühlten sich zeitweise vom Abstieg in die zweite Liga bedroht, an diesem Samstag, dem vorletzten Spieltag der Saison, sind immerhin noch vier Vereine in den Klassenkampf verwickelt - für die Betroffenen ein Millionenspiel. Denn die wirtschaftlichen Auswirkungen des Sturzes in die Zweitklassigkeit sind immens. „Für die Planungssicherheit trifft uns die Situation hart. Der Unterschied zwischen erster und zweiter Liga ist gewaltig“, sagt Heribert Bruchhagen, Vorstandsvorsitzender der Eintracht Frankfurt Fußball AG.

Der Gesamtetat der Absteiger schrumpft in der Regel beträchtlich, bis zu 50 Prozent. Bei der Eintracht zum Beispiel wird in der Bundesliga mit einem Umsatz von 55 Millionen Euro kalkuliert, im Unterhaus werden nur noch 32 Millionen veranschlagt. Bei Alemannia Aachen und dem VfL Wolfsburg spricht man von einer Halbierung des Etats im Abstiegsfall. „Der Abstieg würde für uns einen dramatischen Einbruch bedeuten“, sagt Klaus Fuchs, Geschäftsführer der Wolfsburger VW-Tochtergesellschaft. „Zweigleisig planen“ lautet das Gebot für die Manager; es gilt den sportlichen Absturz zumindest wirtschaftlich abzufedern.

„Wir haben viele Ideen im Kopf - für die Bundesliga“

Schon an der Höhe der Zuwendungen lässt sich die Kluft zwischen der Beletage und dem zweiten Glied im deutschen Fußball ablesen. Von den Fernsehgeldern in Höhe von 450 Millionen Euro gehen nur 21 Prozent an die Zweitligaklubs. In der laufenden Spielzeit erhielten die Wolfsburger zum Beispiel gut 16 Millionen Euro an Fernseheinnahmen - wenn die Niedersachsen das sportliche Klassenziel im Saisonfinale verfehlen, werden es nur noch rund 7 Millionen sein.

Die Absteiger der vergangenen drei Bundesligarunden erwirtschafteten in ihrem letzten Erstligajahr im Durchschnitt ein Plus von 565.000 Euro, das erste Jahr in der zweiten Liga schlug indes mit einem durchschnittlichen Minus von 1,7 Millionen Euro zu Buche. Die Erträge gingen um 28,7 Prozent zurück, aber die Absteiger reduzierten auch ihre Kosten um 21 Prozent. „Wir haben viele Ideen im Kopf, die sich allerdings nur in der Bundesliga verwirklichen lassen“, beschreibt der Aachener Sportdirektor Jörg Schmadtke das Dilemma.

„Die schwerste Zeit in meinem Leben gewesen“

Das gilt besonders für Mannschaften wie Borussia Dortmund - der Kurs des einzigen an der Börse notierten deutschen Klubs fiel während dieser Saison auf einen neuen Tiefstand - und den Hamburger SV. Die Klubs rutschten unverhofft in die Abstiegszone, obwohl sie sich ob ihrer Finanzkraft und ruhmreichen Vergangenheit höheren Gefilden der Tabelle zugehörig fühlen. Die vergangenen Monate seien die „schwerste Zeit in meinem Leben gewesen“, gestand der Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, nachdem die Westfalen erst am vergangenen Samstag den Klassenverbleib gesichert hatten.

Weniger Werbe- und Sponsoreneinkünfte, geringere Zuschauereinnahmen, die besten Spieler sind kaum zu halten, betriebsbedingte Kündigungen im Verwaltungsapparat oft nicht zu vermeiden - dies können die Folgen der Unwägbarkeiten des professionellen Spiels elf gegen elf sein. Dazu kommt die Anschlussfrage, mit welchem finanziellen Risiko der direkte Wiederaufstieg angepeilt wird. „Der Abstieg wirft einen Verein in seiner Gesamtentwicklung sehr zurück“, sagt Bruchhagen.

Transfermarkt als Resterampe für Abstiegskämpfer

Kleinere Vereine wie der VfL Bochum, Arminia Bielefeld oder Mainz 05, die sich stets auf ein Dasein an der Schwelle zwischen erster und zweiter Liga einstellen, tun sich dagegen mit der (gewohnten) Situation im Abstiegskampf leichter. „Ich mache seit 16 Jahren in Mainz nichts anderes als zweigleisig planen - ob in der Bundesliga oder in der zweiten Liga“, sagt der Mainzer Manager Christian Heidel. Mainz, Aachen, Frankfurt und Wolfsburg sind die Fußballstandorte, wo man eine Woche vor Saisonende noch immer nicht weiß, in welcher Umgebung die Mannschaft zwischen August 2007 und Mai 2008 Fußball spielt. Eine Ungewissheit, die sie teuer zu stehen kommt.

Während die Konkurrenz schon im laufenden Spielbetrieb längst am Kader für die nächste Saison bastelt, sind die Abstiegskämpfer in einer denkbar schlechten Verhandlungsposition. Spieler mit erstklassigen Ambitionen unterschreiben nicht bei einem Wackelkandidaten, ehe der Klassenverbleib gesichert ist. Je länger das dauert, desto mehr wird der Transfermarkt zur Resterampe, ablösefreie Kicker sind kaum noch zu bekommen.

„Wenn wir absteigen, dann wärst du einer für uns“

„Ein klarer Wettbewerbsnachteil“, sagt Heidel. „Ich kann schließlich keinem Spieler sagen: ,Wenn wir absteigen, dann wärst du einer für uns.'“ Die Verantwortlichen bei der schon abgestiegenen Mönchengladbacher Borussia haben nach einer für sie desaströsen Saison nun wenigstens einige Wochen Planungsvorsprung vor den Mitabsteigern.

Erzgebirge Aue statt Bayern München, DSF statt ARD - auf die neue Wirklichkeit hat man sich am Niederrhein schon eingestellt. „Immerhin haben wir nicht 15 Millionen Euro Schulden, so wie bei unserem ersten Abstieg 1999“, sagt der Gladbacher Geschäftsführer Stephan Schippers. „Trotzdem müssen wir den Cent nicht nur umdrehen, sondern auch noch röntgen, ehe wir ihn ausgeben.“

Quelle: F.A.Z., 12.05.2007, Nr. 110 / Seite 20
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