http://www.faz.net/-gtm-7gva7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 26.08.2013, 13:28 Uhr

Fußball-Bundesliga-Satire Alles noch viel toller

Groß, größer, größenwahnsinnig? Ach, woher! Die Bundesliga hat ihre fetten Jahre noch vor sich - und in fünfzig Jahren ist schon wieder Jubiläum. Hier lesen Sie die Festrede zum Hundertjährigen 2063, ein Rückblick auf die Zukunft des Fußballs.

von
© Greser & Lenz

Exzellenzen, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Fußballfreundinnen, liebe Fußballfreunde,

Michael Horeni Folgen:

ich freue mich außerordentlich, Sie an diesem Tag, dem 24. August 2063, dem hundertsten Geburtstag der Fußball-Bundesliga, hier in der Uli-Hoeneß-Football-World in München begrüßen zu dürfen. Lassen Sie mich an dieser Stelle, stellvertretend für viele unserer Freunde in der Fußballwelt, einige der hier anwesenden Exzellenzen aus dem In- und Ausland ganz herzlich begrüßen: unseren langjährigen Weggefährten in Europa, den ehemaligen Präsidenten des südamerikanischen Staatenbundes, Lionel Messi; den ehemaligen europäischen Kulturminister Pep Guardiola; den langjährigen europäischen Integrationsminister Kevin-Prince Boateng; den ersten deutschen und europäischen Fußballminister Philipp Lahm - und natürlich unseren hochverehrten Bundespräsidenten a. D., unseren guten Freund Jürgen Klopp.

Mehr zum Thema

Wir blicken heute auf eine einzigartige Erfolgsgeschichte zurück, an die bei unserer Gründung vor hundert Jahren niemand dachte - und an die auch wir Ältere, die wir nun hier stehen, selbst nach unseren bescheidenen Anfängen nach fünfzig Jahren Bundesliga, kaum zu träumen wagten. Die Bundesliga, wie wir sie damals kannten, ist heute längst Geschichte. Es war ein langer und schwieriger Weg, der uns zu dem gemacht hat, was wir heute sind.

Wer wüsste sich nicht etwa an jenen Rückschlag zu erinnern, der unseren Fußball nur wenige Jahre nach unserer 50-Jahr-Feier der Bundesliga ereilte? Im Zuge der siebenjährigen Verhandlung gegen den großen Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß wegen angeblicher Steuerhinterziehung, die bekanntlich mit einem Freispruch endete, hatte sich herausgestellt, dass auf zahlreichen anderen Konten für uns heute lächerliche Millionensummen der Bayern lagerten. Strafrechtlich war das selbst damals nicht zu beanstanden, und wie Sie alle wissen, hatten zu dieser Zeit ja nicht nur beim FC Bayern zahlreiche Sponsoren über Jahrzehnte hinweg umfangreiche Aktienpakete auf Auslandskonten bei den jeweiligen Klubs geparkt - und nach der jährlichen Ausschüttung der Dividende wieder in ihr Unternehmen zurückgeführt. Die Dividende verblieb bei den Vereinen, die - zumindest bei den Bayern - auch ordnungsgemäß versteuert wurde. Das war noch Financial Fair-Play (Gelächter im Saal).

Uli Hoeneß © dpa Vergrößern Jeden Tag ein Spiel: Danke, Uli!

Ich ahnte, dass Sie diese Geschichte vom zweiten Bundesliga-Skandal, der dann zum ersten Champions-League-Skandal wurde, erheitern würde. Aber damals hielt man das tatsächlich noch für einen Skandal. Die Bayern konnten damals nur mit Mühe, aber ganz im Sinne des Fußballs glaubhaft machen, dass diese Form der Finanzierung unumgänglich war, um gegenüber internationalen Mitbewerbern, die ganz andere Möglichkeiten der Finanzierung besaßen, in Europa konkurrenzfähig zu bleiben. Außerdem sei niemand ein materieller Schaden entstanden, argumentierten die Münchner damals, und wo kein Kläger, da gäbe es auch keine Klage (großes Gelächter im Saal).

Damals wurde noch unabhängig über Fußball berichtet

In der Öffentlichkeit erhob sich seinerzeit noch ein Sturm der Entrüstung, angeführt von Willi Lemke, dem Sonderberater des UN-Generalsekretärs für Sport. Damals wurde in den Medien noch unabhängig und unkontrolliert über Fußball und Sport berichtet, was dem Erfolg und der Glaubwürdigkeit unseres Sports bekanntlich nicht zuträglich war. Das änderte sich glücklicherweise später durch kooperierende Unternehmen, die sich darauf verpflichteten, sich im Sinne des Sports in ihrer Berichterstattung entsprechend zu engagieren und nun längst zu einem wertvollen und unverzichtbaren Teil unseres Unternehmens geworden sind.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Schweinsteigers Abschied Wunderbare Jahre

Bastian Schweinsteiger gibt am Mittwoch sein Abschiedsspiel als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft. Ans Aufhören mit dem Fußball denkt er trotz der aktuellen Misere in Manchester aber noch lange nicht. Mehr Von Michael Horeni, Düsseldorf

30.08.2016, 13:22 Uhr | Sport
Video-Kanal Alle Tore und Spiele der Premier League

Hier finden Sie die Zusammenfassungen aller Spiele der englischen Premier League. Dazu gibt es weitere Videos aus der Liga von Klopp, Guardiola, Mourinho, Ibrahimovic und Co. Mehr

31.08.2016, 13:30 Uhr | Sport
Der Tag Merkel zu Besuch bei Italiens Premier Renzi

Merkel erneut zu Besuch bei Italiens Premier Renzi. Spaniens Parlament stimmt über Wiederwahl Rajoys ab. Theresa May berät mit Kabinett über Brexit-Fahrplan. Historische Friedenskonferenz startet in Myanmar Mehr

31.08.2016, 07:24 Uhr | Wirtschaft
Kriegsende Frankfurt in Trümmern

In Frankfurt ist der Krieg früher zu Ende als in Berlin und vielen anderen Städten. Ohne auf Widerstand zu stoßen, besetzen amerikanische Truppen am 29. März ein Frankfurt in Trümmern. Eine interaktive Zeitreise zwischen damals und heute Mehr

31.08.2016, 13:19 Uhr | Politik
Dubiose Gesundheitsratschläge Simulanten des Sports

Sport ist anstrengend, steigert aber die Lebensqualität. Doch woher die Überwindung und Motivation nehmen? Die neuen Bequemlichkeitsversprechen sollen da helfen. Mehr Von Joachim Müller-Jung

30.08.2016, 22:24 Uhr | Wissen