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Fußball-Bundesliga Konkurrenzfähig dank Krise

04.04.2009 ·  Viele Fußballklubs im Ausland haben derzeit ihre Mühe mit der Wirtschaftslage. Während in Premier League, Primera Division und Serie A die Klubs zittern, wittert die Bundesliga ihre Chance. Die deutschen Topteams sind solider finanziert.

Von Til Huber
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Sponsorenpleiten, Bilanzdefizite, Rekordschulden: Mancher verfolgte die Nachrichten aus den europäischen Fußball-Ligen in den vergangenen Monaten mit Sorge. Die Wirtschaftskrise trifft auch das Geschäft rund um den Rasenplatz immer stärker. In der Bundesliga trifft man allerdings eher auf Zuversicht, denn die Bilanzen der deutschen Spitzenvereine sind gut. Und nachdem man Engländern, Italienern und Spaniern jahrelang sportlich hinterherhinkte, hofft nun mancher, der deutsche Fußball könne sogar zum Gewinner der Krise werden.

Die Bundesliga werde die schwere Zeit besser verkraften als andere Profiligen, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), Christian Seifert, kürzlich bei der Präsentation der Branchenbilanz Bundesliga-Report (siehe: Fußball-Kommentar: Stärker aus der Krise). Die 36 Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga verbuchten 2008 den Rekordumsatz von 1,93 Milliarden Euro, die Schulden gingen zurück. Der Vorstandsvorsitzende des Bundesligaklubs FC Schalke 04, Josef Schnusenberg, sagt: „Die Liga hat nun die große Chance, international wieder ranzukommen.“

Lizenzierungsverfahren schützt die Bundesliga

Das strenge Lizenzierungsverfahren der DFL zwingt die Klubs zur Disziplin. Wer zu hohe Schulden hat, darf in den Profiligen nicht mitspielen. Während die Ausgaben für Spielergehälter international bis zu 90 Prozent des Umsatzes betragen, sind sie in der Bundesliga durchweg halb so hoch. „Mehr als 70 Prozent sind definitiv ungesund“, sagt Stefan Ludwig von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. In der „Football Money League“, in der Deloitte die 20 umsatzstärksten Fußballklubs analysiert, tauchen vier deutsche auf: Bayern München (Platz 4), Schalke 04 (13.), der Hamburger SV (15.) und der VfB Stuttgart (18. Platz). Und im Gegensatz zu vielen Konkurrenten machen die meisten Bundesligaklubs auch Gewinn.

Durch Neubau und Modernisierung der Stadien vor der Weltmeisterschaft 2006 haben die Klubs sich zusätzliche Erlöse gesichert. Die Hospitality-Bereiche, in denen Geschäftskunden für viel Geld dauerhaft Logen mieten, wurden stark erweitert, „Steine statt Beine“ war das Motto. Die Klubs seien absolut solide finanziert, sagt der Geschäftsführer der Hamburger Sportvermarktung Sportfive, Philipp Hasenbein: „Im Moment spricht wenig für Wachstum, aber sehr viel für Stabilität.“ Hinzu kommt, dass der DFB nach der „50+1-Regel“ keine großen Investitionen von außerhalb zulässt. Jeder Verein muss die Mehrheit seiner Anteile selbst halten. So sollen gewagte Finanzmodelle verhindert werden. Andernorts geht es weniger zurückhaltend zu.

3,85 Milliarden Euro Verbindlichkeiten in England

In der Premier League, der ersten englischen Liga, sind Großinvestoren gang und gäbe. Die Übernahme des FC Chelsea durch den russischen Ölmilliardär Roman Abramowitsch vor sechs Jahren war nur der Anfang. Kürzlich übernahm ein Scheich aus Abu Dhabi Manchester City. Die Anteile erwarb er vom ehemaligen thailändischen Premierminister Thaksin Shinawatra, der den Klub 2007 gekauft hatte. Mit ihrem Vermögen lassen die reichen Männer Stars aus aller Welt kaufen. Spieler wie Michael Ballack bekommen in England sechs bis sieben Millionen Euro im Jahr. Die Ausgaben stehen dann als Schulden in den Büchern der Klubs. Und die haben Rekordwerte erreicht.

Der Vorsitzende des englischen Fußballverbandes, Lord David Triesman, taxierte die Verbindlichkeiten englischer Profiklubs Ende des vergangenen Jahres auf 3,85 Milliarden Euro und mahnte zur Mäßigung: Er mache sich Sorgen, weil die Vereine Investoren ausgeliefert seien, die nun unter der Finanzkrise litten.

Manchester United durch AIG-Rückzug getroffen

Wie der eher mittelmäßige Verein West Ham United: Vor zwei Jahren hatte der Isländer Bjorgulfur Gudmundsson den Klub übernommen. Leider war Gudmundsson Eigentümer der isländischen Bank Landsbanki, die kürzlich insolvent ging und verstaatlicht wurde. Sein Vermögen reduzierte sich drastisch. Nun müssen teuer erstandene Stars wieder verkauft werden - mit Verlust. Auch der britische Marktführer Manchester United bekommt die Krise zu spüren. Der Trikotsponsor AIG kündigte nach mehreren Finanzspritzen vom Staat an, den Vertrag über 15 Millionen Euro jährlich nicht verlängern zu wollen.

Auch United hat Schulden, seitdem der amerikanische Milliardär Malcolm Glazer den Klub vor einigen Jahren übernahm. Allerdings sind die nur begrenzt problematisch, wenn die Erlöse stimmen. Und die sprudeln, zumindest bei den erfolgreichen Klubs, trotz Wirtschaftskrise. In der Deloitte-Rangliste stehen allein sieben englische Vereine. Trotz Schulden sei etwa Manchester United „ein hochprofitabler Club“, sagt Arnd Hovemann von der Wirtschaftsprüfung Ernst & Young, die einmal jährlich die Studie „Bälle, Tore und Finanzen“ über die wirtschaftliche Lage im Profifußball veröffentlicht. Neue Sponsoren stünden schon Schlange. Hinzu kommt, was ein Manager aus der Bundesliga das „Grundrauschen des englischen Fernsehvertrags“ nennt: Für die TV-Rechte an den Spielen bekommt die Premier League in den kommenden drei Spielzeiten etwas mehr als zwei Milliarden Euro - beinahe doppelt so viel wie die Bundesligavereine für ihren TV-Vertrag mit Premiere und ARD. Bei allen Risiken, die mit den hohen Schulden und der Abhängigkeit von Großinvestoren verbunden sind, halten Experten die Premier League für zukunftsfähig.

Italiens alte Stadien

Weniger gefestigt seien die Klubs in Italien und Spanien, glaubt man in der Branche. Auch dort sind viele Vereine hochverschuldet - was aber nicht ihr einziges Problem ist. Die italienischen Stadien etwa gelten als völlig veraltet. Erlöse aus Eintrittskarten und der Vermietung von Logen sind nach Ansicht von Experten viel zu gering. Und Kredite für die Modernisierung sind nun kaum mehr zu bekommen. Anders als in England macht man sich in Italien auch durchaus Sorgen um Investoren und Sponsoren. Der Geschäftsführer des AC Mailand, Adriano Galliani, brachte die Notlage auf den Punkt: „Italiens Fußballklubs finanzieren sich nicht selbst.“

Das Defizit in den Bilanzen werde bisher stets von den Besitzern gedeckt. Diese seien nun jedoch weniger reich und hätten Schwierigkeiten, die Klubs wie gewohnt zu finanzieren. Ähnlich sieht es in Spanien aus, wo viele Klubs lokalen Bauunternehmern gehören. Nach einer Rezession auf dem Immobilienmarkt sind sie nun der Finanzkrise ausgesetzt. Außer Real Madrid und dem FC Barcelona, die mit eigenen Fernsehverträgen horrende Summen verdienen, bangen alle Klubs um ihre Zukunft. Dagegen sind die Sorgen der deutschen Klubs überschaubar.

Beim Hamburger SV etwa, dessen Stadion nach der krisengebeutelten HSH Nordbank benannt ist, sieht man die Situation gelassen. Selbst wenn der Sponsorenvertrag nicht verlängert werde, seien lediglich 2 bis 3 Prozent des Umsatzes betroffen, sagt der Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann. Große Hoffnungen, sportlich als Gewinner aus der Krise hervorzugehen, hat er allerdings nicht. Allenfalls „im Mittelbau“ der Ligen könnten seiner Meinung nach deutsche Klubs profitieren. Die Marktführer würden weiter genügend Geldgeber finden. „Wirtschaftlich“, sagt Hoffmann, „waren wir ja schon immer konkurrenzfähig.“ Aber was heißt das schon in einer Branche, in der es vielen extrem reichen Männern gar nicht darum geht, Geld zu verdienen.

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