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Kommentar : Stimmungstöter Bundesliga

Seine Mannschaft etwa blieb am Sonntag gegen den FC Bayern München ohne Tor: Freiburgs Trainer Christian Streich. Bild: dpa

Der Fußball-Alltag in Deutschland vermittelt keinen Glanz und keine Freude mehr. Die Zuschauer verdienen Mitleid. Gäbe man der Bundesliga Schulnoten, wäre sie versetzungsgefährdet.

          So viel Jammern war lange nicht – über das Niveau der Bundesliga. Die deutsche Lust, Dinge schlechtzureden, ist es diesmal nicht. Das Gebotene lässt sich einfach nicht mehr schönreden. Dabei geht es nicht allein um Ergebnisse. Das schwache Abschneiden deutscher Klubs in Europa wäre kein Stimmungstöter – wenn der Alltag der Bundesliga etwas mehr Glanz und Freude am Spiel vermittelte, als er es derzeit tut.

          Die Reporter des Fachmagazins „Kicker“ bewerten an jedem Spieltag die Bundesliga, indem sie nicht nur jedem Spieler eine Note von 1 bis 6 geben, sondern auch jedem Spiel. Ihre Durchschnittswertung der neun Partien vor einer Woche entsprach einer Note, mit der jeder Schüler die Saison wiederholen müsste: 4,11. Solche Wertungen sind subjektiv, doch aus ihrer Summe ergibt sich eine halbwegs objektive Erkenntnis: Die Bundesliga ist versetzungsgefährdet.

          Auch der aktuelle Spieltag konnte das Bild nicht entscheidend verbessern. Immerhin erwies sich die Partie zwischen Leipzig und Dortmund als ansehnlich. Aber da spielten der Zweite und der Dritte der Vorsaison. Ein solches Duell gibt es in der Bundesliga nicht mehr oft: Dass zwei Mannschaften aufeinandertreffen, die a) den Ball wollen und b) dann auch etwas mit ihm anzufangen wissen. Meistens jedenfalls.

          Die Spielweise vieler Erst- und Zweitligaklubs ist nicht mehr auseinanderzuhalten. Für Aufsteiger ist es immer leichter geworden, mitzuhalten. Seit Paderborn 2015 musste keiner mehr gleich wieder zurück – nicht mal Darmstadt und Ingolstadt, die sich 2016 gegen jede Prognose in ihrer ersten Erstligasaison behaupteten. Sie schafften das mit unterschiedlichen, aber effizienten Defensivstrategien und dem gemeinsamen Nenner, Ballbesitz zu meiden. Seitdem hat dieses Nichtabstiegskonzept bei mehr als der Hälfte der Bundesligaklubs Nachahmer gefunden. Wenn Teams mit einer solchen Spielanlage aufeinandertreffen, was jeden Spieltag unvermeidlich ist, verdient der Ball oft Mitleid. Der Zuschauer auch.

          Defensiv denken ist legitim. Erst recht für Aufsteiger, die kein Geld für teure Offensivspieler haben. Doch nun hat außer den Bayern und einigen von denen, die man früher „Bayernjäger“ nannte (wären sie Jäger, sie wären längst verhungert), kaum noch jemand ein erkennbares Offensivkonzept. Keines, das darüber hinausgeht, das Spiel des Gegners zu zerstören und auf Tore durch gegnerische Fehler und durch Standards zu hoffen. Damit kann man bis auf Platz zwei kommen. Dort steht nun Schalke 04, für den Klub ein Erfolg.

          Zugleich ist dieses Bild eine triste Momentaufnahme der Liga. Sie hat, nach Punkten gerechnet, den schlechtesten Zweiten ihrer Geschichte seit Einführung der Dreipunkteregel. Und den aktuell deutlich schlechtesten Zweiten in Europas Top-Ligen. Das ist nicht die Schuld der Schalker allein. Die Dürftigkeit gilt für alle Zweiten, seit die Bayern Ende Oktober die Tabellenführung übernahmen. Zehnmal wechselten sich Dortmund, Leipzig, Leverkusen, Schalke mit stets wachsendem Rückstand auf Platz eins ab. Nur an einem von seitdem 15 Spieltagen konnte ein Tabellenzweiter ein Spiel gewinnen.

          Wer sich bewusst ist, dass die Attraktivität jedes sportlichen Wettkampfes von der Qualität des Zweitbesten abhängt, kann nur sagen: armes Deutschland. Im Fußball jedenfalls. Im Eishockey hatte Deutschland vor einer Woche die besten Zweiten der Welt.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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