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Fußball-Bundesliga „Es gibt keine Verrohung der Sitten“

17.11.2008 ·  Nach den letzten Turbulenzen in der Bundesliga rückte das Treffen von Schiedsrichtern und Klubvertretern in den Fokus. Am runden Tisch des Profifußballs herrschte Einvernehmen: Bitte keine härtere Bestrafung für Übeltäter.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Eugen Strigel hat in den vergangenen Tagen wohl eine Extraschicht einlegen müssen, um seine Sammlung auf den neuesten Stand zu bringen. Der Schiedsrichter-Lehrwart des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) war beauftragt worden, für den „runden Tisch“ mit Unparteiischen und Bundesliga-Vertretern am Montag in München eine DVD mit strittigen Szenen zusammenzustellen. Der Spieltag vor gut einer Woche hatte reichlich Anschauungsmaterial zu bieten.

Allerdings sei es „reiner Zufall“, sagte der Initiator der Veranstaltung, der für das Schiedsrichterwesen zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch, dass das Treffen eine gute Woche nach jenen Vorfällen stattgefunden habe, die für viel Diskussionsstoff in der Öffentlichkeit und ein sportgerichtliches Nachspiel gesorgt hatten. Es sei „eine turnusmäßige Veranstaltung, die seit ungefähr drei Monaten vereinbart ist“, sagte Koch. „Das war kein Krisengipfel.“ Mit der glücklichen Terminierung zog die Veranstaltung des umtriebigen Präsidenten des Bayerischen Fußballverbandes allerdings großes öffentliches Interesse auf sich.

Den Respekt hatten die Schiedsrichter zuletzt vermisst

Die Premiere des „runden Tisches“ hatte es Ende März an gleicher Stelle gegeben, weil seinerzeit der Ton zwischen Schiedsrichtern und Bundesliga-Vertretern mal wieder rauher geworden war. Damals war vereinbart worden, sich regelmäßig zu treffen. Dazu waren sich alle Beteiligten einig, auch in schwierigen Situationen respektvoll miteinander umzugehen. Den Respekt aber hatten die Schiedsrichter zuletzt vermisst.

Der Bremer Pizarro hatte sich am 12. Spieltag massiv via Fernsehen über den Unparteiischen beschwert, der Dortmunder Robert Kovac den Schiedsrichter einen Tag später gleich nach dem Abpfiff des Spiels der Borussia beim Hamburger SV verbal attackiert, und sein Trainer Jürgen Klopp war ebenfalls höchst erbost auf den Schiedsrichter zugesprintet. Alle drei wurden mit Geldstrafen belegt, Kovac obendrein für die Rote Karte, die ihm Schiedsrichter Drees nach der Verbalattacke gezeigt hatte, mit zwei Spielen Sperre.

„Einzelne Vorfälle sollte man nicht hochstilisieren“

Erstaunlich ist deshalb das Ergebnis nach gut zweistündiger Debatte des hochkarätig besetzten Gremiums. „Das Verhältnis zwischen Schiedsrichtern und Klubs ist wesentlich besser geworden“, sagte Manager Uli Hoeneß vom FC Bayern München, der neben Klaus Allofs, Felix Magath, Andreas Müller, Heribert Bruchhagen und Rudi Völler die Bundesligavereine vertrat.

„Einzelne Vorfälle sollte man nicht hochstilisieren. Es gibt keine Verrohung der Sitten.“ Früher habe es viel schlimmere Ausraster gegeben, „aber da waren nicht 150 Kameras am Platz“, sagte Hoeneß. Er selbst sei ja schon seit Jahren „nicht mehr auffällig geworden, weil ich eingesehen habe, dass man mit einer HB-Männchen-Positionierung nichts erreicht“.

„Der runde Tisch ist nach wie vor rund und nicht eckig“

Schärfere Sanktionen gegen Verbalrandalierer sind, so das wichtigste Ergebnis des Münchner Treffens, nicht vorgesehen. „Härtere Strafen haben in der Regel nicht Einsicht zur Folge“, sagt Koch. Der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, Holger Hieronymus, sieht die Protagonisten „auf einem guten Weg. Der runde Tisch ist nach wie vor rund und nicht eckig. Und er wird auch rund bleiben.“

Ob rund oder eckig, der Sinn dieser Treffen ist zwar fragwürdig, aber immerhin wurde mal wieder miteinander geredet, in respektvollen Ton. Höchstwahrscheinlich.

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