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Bundesliga-Fehlentscheidungen : Und es gibt den Bayern-Bonus doch!

Ein ganz aktuelles Beispiel: Bayerns Arturo Vidal bekommt nach einer Schwalbe einen Elfmeter. Bild: dpa

Der Stammtisch wusste es schon immer, nun ist es auch erforscht: Der Schiedsrichter pfeift gegen die Kleinen, die Großen haben einen Bonus. Dabei könnte die Lösung des Problems so simpel sein.

          Der Mann, der dafür gesorgt hat, dass sich in Frankfurt Wirtschaftswissenschaftler hingesetzt haben und der Frage statistisch auf den Grund gegangen sind, ob es den oft zitierten Bayern-Bonus tatsächlich gibt, heißt Yuichi Nishimura. Der Japaner pfiff am 12. Juni 2014 das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft, Brasilien gegen Kroatien.

          Und Nishimura, das war das weltweite Urteil, pfiff schlecht, schenkte den Brasilianern einen sehr zweifelhaften Elfmeter, schien den Gastgeber dieser Weltmeisterschaft auch in weiteren Szenen zu bevorzugen. Das sorgte für Empörung, nicht zuletzt bei Niko Kovac, vor zwei Jahren Trainer der Kroaten und mittlerweile bei Eintracht Frankfurt tätig. Er habe Nishimuras merkwürdige Entscheidungen „irgendwie erwartet“, sagte Kovac damals. „Es hat damit zu tun, dass wir als Erste gegen Brasilien spielen mussten.“

          Dieser Auftritt Nishimuras also sorgte dafür, dass sich Eberhard Feess, Volkswirtschaftsprofessor an der Frankfurt School of Finance and Management, einen Datensatz aus der Bundesliga-Datenbank schicken ließ. Der Inhalt: Daten zu Schiedsrichterentscheidungen zwischen 2000 und 2014, aus 4248 Erstliga-Spielen. „Die Schiedsrichterentscheidungen in der Datenbank sind kategorisiert“, erklärt Feess, „in richtig, strittig und falsch. Wir haben uns bei unserer Erhebung nur auf die Kategorie falsch konzentriert.“

          Also auf 200 Tore, die fälschlicherweise nicht gegeben wurden, etwa, weil der Schiedsrichter wegen Abseits abpfiff, obwohl niemand im Abseits stand. Auf 666 Elfmeter, die hätten gepfiffen werden müssen, aber nicht gepfiffen wurden. Zum Vergleich: Zu den 666 zu Unrecht nicht gegebenen Elfmetern kommen weitere 1290, bei denen die Datensammler - trotz der Hilfe von Fernsehaufzeichnungen - zum Urteil strittig kamen. Und 2433 vermeintliche Strafstöße wurden in diesem Zeitraum zu Recht nicht gegeben.

          „Ich habe gedacht, dass wir gar nichts finden“

          In gut jedem sechsten Bundesliga-Spiel wurde also ein Elfmeter nicht gepfiffen, der hätte gegeben werden müssen. „Ich beschäftige mich mit Rechtsökonomie“, sagt Feess. „Wir kamen durch den Fall Hoeneß auf die Frage, ob Personen durch ihren sozialen Status vor Gericht profitieren. Die Schwierigkeit ist: Man weiß nicht, was die richtige Entscheidung ist. Im Fußball dagegen hat man Daten, von denen man erstens sagen kann: Ist die Entscheidung richtig oder falsch? Und zweitens: Der Status sollte keine Rolle spielen. Ob eine Mannschaft gut ist, sollte nichts damit zu tun haben, ob ein Elfmeter berechtigt oder unberechtigt ist.“ Der Fußball ist also ein ideales Forschungsfeld zur Statuswirkung. „Offen gestanden“, sagt Feess, „habe ich gedacht, dass wir gar nichts finden. Das wäre ja auch ein interessantes Ergebnis gewesen, dass das, was immer erzählt wird an Thesen, nicht stimmt.“

          Dabei war der Chilene gar nicht getroffen worden, sondern hob freiwillig ab im DFB-Pokal-Halbfinale.

          Es kam aber anders. Stattdessen ist das Ergebnis der Studie der Frankfurter Wissenschaftler nämlich frappierend: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Mannschaft von Fehlentscheidungen hinsichtlich nicht gegebener Tore und Elfmeter benachteiligt wird, steigt, wenn der Bundesliga-Spielplan eine Partie vorsieht, in der sich Mannschaften mit ähnlich unterschiedlichem Status gegenüberstehen wie vor knapp zwei Jahren in São Paulo beim WM-Eröffnungsspiel.

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