Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) rechnet für die Vergabe der nächsten Live-Übertragungsrechte der Bundesliga mit mindestens drei Bietern. „Unabhängig von Premiere und Arena gibt es nach den bisherigen Gesprächen noch mindestens einen weiteren Bieter“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Mittwochabend im Club Wirtschaftspresse München. Sowohl Premiere als auch Arena haben bereits angekündigt, sich um die Rechte ab der Saison 2009/10 bemühen zu wollen.
Seifert rechnet damit, dass mit dem Bieterwettbewerb noch Ende 2007 begonnen werden kann. Abhängig ist dies aber von Gesprächen mit der EU über die Modalitäten der Vergabe. Beim letzten Mal bestand die EU auf der Trennung von TV- und Internet-Rechten. Das führte zu Verwirrung, als die Deutsche Telekom als Inhaberin der Internet-Rechte mit Premiere bei der Übertragung kooperieren wollte. Die beiden wollten ihr Internetsignal auch über Kabel und Satellit auf entsprechende Set-Top-Boxen übertragen. Das hätte aber dem Fernsehrechte-Inhaber Arena geschadet. Die Parteien einigten sich dann auf einen Kompromiss.
Trennung von Fernseh- und Internetrechten aufgeben
Um diesen Konflikt zu vermeiden, spricht sich Seifert dafür aus, nicht mehr zwischen Fernseh- und Internetrechten zu unterscheiden. „Die Live-Rechte einmal zu vergeben entspricht mehr der Realität.“ In Großbritannien werde dies beispielsweise so gehandhabt. Die DFL wolle bei der EU-Kommission eine entsprechende Änderung erreichen. Die Gespräche befänden sich aber in einem frühen Stadium. Es gebe einen „Beginn des gegenseitigen Verständnisses“, sagte Seifert.
Seifert verteidigte die Entscheidung bei der letzten Bieterrunde Ende 2005, Arena den Vorzug vor Premiere trotz eines niedrigeren Gebots zu geben. Premiere habe aber eine Verschiebung der Sportschau am Samstag auf 22:00 Uhr verlangt. Das derzeitige Geschäftsmodell der Bundesliga basiere auf einem Mix von Medieneinnahmen und Sponsorengeldern, sagte Seifert. Letztere wären aber zurückgegangen, wenn die Bundesliga nicht mehr zeitnah im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen gewesen wäre, erläuterte er.
„Sportschau ist kein Naturgesetz“
Sollten eines Tages die entgehenden Sponsorengelder durch höhere Medieneinnahmen ausgeglichen werden können, könnte die DFL ihr Geschäftsmodell überdenken.
Seifert deutete an, dass die ARD, wenn sie ihre Rechte für die Sportschau halten wolle, tiefer in die Tasche greifen muss. „Die Sportschau ist kein Naturgesetz. Und es ist kein Naturgesetz, die Sportschau zu diesem Preis bekommen zu haben.“ Seifert ist die "Sportschau" der ARD zu kommerziell. Die samstägliche Zusammenfassung der Liga sei überfrachtet mit Werbung, kritisierte er in München. "Ob der Zuschauer das in einem öffentlich-rechtlichen Sender erwartet, ist zu diskutieren", sagte Seifert. "Unsere eigenen Marktforschungen zeigen jedenfalls, dass die Zuschauer das nicht wollen." Er verstehe nicht, wieso sich gerade die "Sportschau" über Werbung refinanzieren müsse. Die Öffentlich-Rechtlichen verfügten doch über jährliche Gebühreneinkünfte von sieben Milliarden Euro.
In der laufenden Saison hat die DFL über die Medieneinnahmen insgesamt 420 Millionen Euro eingenommen, 400 davon aus dem Inland, 20 Millionen aus dem Ausland. Dort will die DFL die Bundesliga gewinnbringender vermarkten. „Die Bundesliga verdient dort noch nicht das Geld, das sie verdienen kann.“