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Fußball-Bundesliga : Das Rätsel Schalke 04

  • -Aktualisiert am

Schalkes Trainer Jens Keller (links) will die Abwehr stärken Bild: AFP

Vor der Winterpause erlebte Schalke 04 einen Einbruch, den auch der neue Trainer Jens Keller nicht stoppen konnte. Die Gelsenkirchener geben sich wieder zuversichtlich - ob sie ihre Mängel tatsächlich behoben haben, bleibt jedoch diffus.

          Wenn der Siebte gegen den Elften der Tabelle antritt, klingt das nicht unbedingt nach einer Auftaktpartie der Premiumklasse, ausgetragen zur besten Sendezeit. Dennoch liefert das Eröffnungsspiel zwischen Schalke 04 und Hannover an diesem Freitagabend (Anstoß: 20.30 Uhr, live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) genug Spannung, um Millionen Fußballfans auf die Rückrunde der Bundesliga einzustimmen. Die Partie bezieht ihren Reiz aus der Schalker Vorgeschichte. Als die Tage immer kürzer wurden, verfinsterte sich die Lage des Revierklubs zusehends; die Königsblauen gaben sich und ihren Fans das vielleicht größte Rätsel des ersten Halbjahres auf. Vorübergehend als aussichtsreichster Verfolger des Spitzenreiters Bayern München gehandelt und plaziert, erlebte Schalke einen Einbruch.

          Gewollt, aber nicht gekonnt

          Ob die Gelsenkirchener dessen Ursachen inzwischen kennen, bleibt diffus. Auch mit dem Abstand von gut dreißig Tagen Vorbereitungszeit formuliert die Sportliche Leitung ihre angeblich gewonnenen Erkenntnisse so vage und schwammig wie möglich. Manager Horst Heldt und Trainer Jens Keller belassen es bei Befunden und bei guten Vorsätzen. Zudem beklagen sie eine lange Verletztenliste, die in den vergangenen Tagen allerdings deutlich kürzer geworden ist. Heldt etwa spricht noch einmal aus, was in Gelsenkirchen fast jedes Kind weiß: „Wir haben fahrlässig Punkte liegenlassen.“ Der neue Fußball-Lehrer schwärmt davon, wie gut die Mannschaft vorbereitet sei, wie „viele Inhalte“ er mit ihr erarbeitet habe, „in physischer wie taktischer Hinsicht“. Wer diese Inhalte näher beleuchtet sehen möchte, tappt aber weiter im Dunkeln.

          Keller hält es für wichtig, „weniger Gegentore zu bekommen“, also die Abwehr zu stärken, die in der Hinrunde oft nachlässig und seltsam fahrig wirkte. Daran hat sich offenbar noch nicht allzu viel geändert, mit Ausnahme der Tatsache, dass es inzwischen eine klare Nummer eins im Tor gibt: Timo Hildebrand. In keinem der drei Testspiele blieb Schalke ohne Gegentor. Beim 0:5 gegen Bayern München in Qatar war immerhin der Mut zu taktischer Innovation zu erkennen, der untaugliche Versuch mündete allerdings in das Fazit: Gewollt, aber nicht gekonnt. „Wir haben etwas probiert, was gegen die Bayern nicht spielbar ist“, sagte Kapitän Benedikt Höwedes. Ob es gegen andere Mannschaften „spielbar ist“, weiß niemand. Ebenso wenig, ob der Mut dazu weiterhin vorhanden ist.

          Auch wenn die Verantwortlichen Einzelheiten ihrer angeblichen Mängelbeseitigung nicht nennen können oder wollen, stimmt der Stand der Vorbereitungen sie derart zuversichtlich, dass sie den Anspruch weiter verfolgen, den sie vor der Saison formuliert hatten. „Wir halten an unserem Ziel fest, die Champions League zu erreichen“, sagt Heldt. Dafür hat der Manager vor zwei Tagen den brasilianischen Mittelfeldspieler Raffael von Dynamo Kiew verpflichtet. Der technisch hochversierte Stratege, bekannt aus vier Berliner Jahren, spielt zunächst auf Leihbasis bis Ende der Saison für Schalke; sollte er den erhofften Qualitätsschub bewirken, dürfte im Sommer aus der Leihe ein Kauf werden. Von Raffael verspricht Keller sich mehr Kreativität im zentralen Mittelfeld. „Er kann den tödlichen Pass in die Schnittstelle der Abwehr spielen.“

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          Das ist Lewis Holtby, dem viel redenden und manchmal vielversprechenden Talent, zuletzt immer weniger gelungen, bis er schließlich auf der Reservebank landete. Jetzt, da Raffael zur Verfügung steht, dürfte es den Schalkern noch leichter fallen, Holtby schon in der Winterpause abzugeben, falls sein künftiger Arbeitgeber Tottenham Hotspur bereit ist, eine angemessene Ablöse zu zahlen. „Abwarten“, sagt Heldt. Von Juli an steht Holtby ohnehin bei den Londonern unter Vertrag. Sein Wunsch, Schalke zu verlassen, dürfte ihn auf der Beliebtheitsskala der Fans weit nach unten gedrückt haben.

          Den Trainer hatte der Verein schon kurz vor der Winterpause ausgetauscht. Heldt beförderte Keller, einen Günstling aus Stuttgarter Zeiten, zum Cheftrainer. Der Fehlstart im Pokal gegen Mainz und das Testspieldebakel gegen Bayern haben die Aufbruchstimmung gedämpft, ehe sie überhaupt aufkommen konnte. Nicht nur das: Wenn Keller erläutern soll, was er vorhat, was er von seinen Mitarbeitern oder auch von sich selbst erwartet, wirkt er nicht sonderlich mitreißend. In den ersten Wochen hat er Diagnosen gestellt, die weitgehend bekannt waren, sich mit Therapievorschlägen aber zurückgehalten, zumindest in der Öffentlichkeit. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder Keller und sein Förderer Heldt halten ihren Plan geheim, um das Publikum und die Gegner zu überraschen - oder sie haben gar keinen.

          Quelle: F.A.Z.

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