Werder Bremen ist in der Münchner Arena eine kleine Macht. In den sechs Spielen seit 2005 kam der FC Bayern München zu keinem Sieg, und auch am Samstag musste sich der deutsche Meister mit einem Unentschieden zufrieden geben. Die Münchner reihten sich mit dem 0:0 zwar nicht ein in die Reihe der ambitionierten Klubs wie Schalke oder Stuttgart, die sich einen Fehlstart in der Bundesliga leisteten, aber mit vier Punkten aus drei Partien blieben sie hinter den Erwartungen. „Wir haben viele Chancen kreiert, aber sie nicht genutzt“, sagte Bayern-Trainer Louis van Gaal. „Es ist das Wichtigste im Fußball, aus einer Chance ein Tor zu machen. Dazu braucht man auch Glück, das haben wir im Augenblick nicht.“
Vor 69.000 Zuschauern gab es nur vor der Partie etwas zu feiern: den 65. Geburtstag des Ehrenpräsidenten Franz Beckenbauer. Das Ständchen für den „Kaiser“ war am Samstag der einzige Anlass für die Münchner Fans, ein Lied anzustimmen. Während van Gaal keinen Grund für eine Rotation sah, weil auch der einen Tag zuvor noch müde wirkende Thomas Müller wieder bei Kräften war, musste sein Kollege Thomas Schaaf improvisieren.
Zwar gaben die beiden Neuzugänge Wesley und Silvestre ihr Pflichtspieldebüt im Bremer Trikot, aber dennoch trat der Pokalfinalist mit Pasanen und Prödl statt Naldo und Mertesacker in der Innenverteidigung und vorne ohne Pizarro arg geschwächt in München an. Und da ist es keine schlechte Taktik, den Ball möglichst weit weg zu halten vom eigenen Strafraum.
Prödl und die lange Reise des Balles in Butts Arme
In den ersten Minuten gelang dies den Bremern hervorragend. Fast ein bisschen überrumpelt wirkten die Bayern in der Anfangsphase, als sie kaum aus der eigenen Hälfte herauskamen - und Prödl beinahe die Führung geköpft hatte. Der Freistoß von Marko Marin in der vierten Minute landete genau auf dem Kopf des Österreichers. Der Ball unternahm eine längere Reise, ehe er in den Händen von Jörg Butt landete: Vom Pfosten sprang er zunächst an des Torhüters Fuß und dann an die Latte, erst dann bekam ihn Butt zu fassen.
Den ersten ernsthaften Vorstoß für die Münchner unternahm Franck Ribéry in der siebten Minute. Mit neuer schnittiger Kurzhaarfrisur umspielte er Clemens Fritz, sein Flachschuss bereitete Werders Torhüter Tim Wiese allerdings keine Probleme. Es war der Auftakt zur besten Münchner Phase in der ersten Halbzeit, die allerdings nur eine gute Viertelstunde anhielt. Müller bekam nach Contentos Flanke den Ball nicht unter Kontrolle und vergab somit die beste Bayern-Chance in der ersten Halbzeit.
Später verzückte Olic das Publikum kurz mit einem sehenswerten Hackentrick, mit dem er den Ball auf den davoneilenden Ribéry weiterleitete. Der Franzose zögerte vor dem Tor allerdings zu lange mit dem Abschluss, und der Ball landete bei Wiese. Bremens neuformierte Abwehr hatte erstaunlich wenige Schwierigkeiten mit der Münchner Offensivabteilung, auch weil die Münchner die Defensive nicht ernsthaft unter Druck setzte. Vom Schwung, den Müller und vor allem Klose aus den Länderspielen mitgenommen hatten, war nicht viel zu sehen.
Die eingewechselten Kroos und Gomez treffen nicht
Werder wurde deshalb nach einer kurzen Schaffenspause wieder mutiger, spielten aber nicht konsequent und genau genug, um die Bayern ernsthaft in Verlegenheit zu bringen. Klose muss weiter auf seinen erstes Tor im Bayern-Trikot gegen seinen ehemaligen Verein warten, denn zur Pause wechselte van Gaal den Stürmer gegen Toni Kroos aus. Der Rückkehrer aus Leverkusen hatte den Bayern-Trainer bei seinen bisherigen Auftritten noch nicht ganz überzeugt, und mit den beiden Szenen in der 53. und 54. Minuten sah sich van Gaal wohl bestätigt. Da agierte Kroos allein vor Wiese arg lässig und vergab die beiden bis dahin besten Chancen der Münchner fahrlässig.
Das Spiel wurde dank der Bayern, die offensichtlich die sieglose Serie gegen Bremen vor heimischem Publikum endlich beenden wollten. Allerdings gingen Müller (56.) und Ribery (63.) ähnlich unkonzentriert zu Werke wie zuvor Kroos. Und weil die Münchner nun den Blick konzentriert nach vorne richteten, kamen die Bremer immer wieder mal zu gefährlichen Kontern, meist über den unermüdlichen Marin und dem fleißigen Arnautovic. Die beste Gelegenheit für Werder vergab der kurz zuvor eingewechselte Tim Borowski in der 70. Minute, als er aus kurzer Distanz den Ball am Tor vorbeischob. Den Schlusspunkt in der Halbzeit der verpassten Gelegenheiten vergab Mario Gomez, ebenfalls erst ein paar Minuten auf dem Platz, zehn Minuten vor dem Ende.