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Fußball : Auf dem Weg zum Daten-Spiel

Analyse zum Lrrnen: Programmierbar ist der Fußballspieler aber nicht Bild: Jan Bazing

„Eine Wunderwaffe“: Mit gigantischen Datensammlungen und Algorithmen will der Softwarekonzern SAP den Zufall im Sport außer Kraft setzen. Die deutsche Nationalelf hat schon bei der WM in Brasilien davon profitiert.

          Die neue Sportwelt wächst hinter Sicherheitsschleusen im Hauptquartier des Softwarekonzerns SAP im badischen Walldorf. Stefan Wagner steht am Laptop in seinem Büro und gibt einen Einblick in das, was einer Revolution gleicht. Ein paar Mausklicks, und vor seinen Augen öffnet sich eine riesige Datensammlung, die das Prinzip Zufall im Fußball außer Kraft setzen soll. Kameras zeichnen auf den Fußballplätzen Laufwege auf, die Passwege, die Präzision von Pässen, die Zeit zwischen Ballannahme und Weitergabe, die Geschwindigkeit von Spieler und Ball – längst sind Fußballer zu gläsernen Athleten geworden, wird das Spiel, werden die neunzig Minuten auf dem Rasen in Echtzeit in ihre Einzelteile zerlegt. Wagner schaut zufrieden.

          Früher war er Rugbyspieler und passionierter Skifahrer, heute arbeitet der Siebenundvierzigjährige als General Manager of Media, Sports and Entertainment bei SAP. Sein Geschäft sind die Daten und ihre Aufbereitung. „Wir geben dem Trainer ein Werkzeug in die Hand, das ihn bei der Entscheidungsfindung unterstützt. Viele Entscheidungen, die er früher vielleicht aus dem Bauch heraus treffen musste, können heute auf Basis von Daten validiert werden“, sagt Wagner.

          Brasilien im Sommer 2014. Im Campo Bahia haben die Spezialisten von SAP eine eigene Analysestation für die Nationalmannschaft aufgebaut. Vor jeder WM-Begegnung konnten die deutschen Spieler ihre Gegenspieler beobachten, sich Stärken und Schwächen zeigen lassen, kurze Videosequenzen schauen. „Match Insights“, nannte SAP dieses Analyse-Tool, das – glaubt man Bundestrainer Joachim Löw und Oliver Bierhoff, dem Manager der Nationalmannschaft – durchaus einen gewissen Anteil am Gewinn der Weltmeisterschaft hatte. „Die Spieler von heute wollen Informationen – und Lösungen. Sie werden ganz anders ausgebildet als früher, sie sind keine Befehlsempfänger mehr, sie sind aktiv beteiligt, um sich selbst weiterzubilden“, sagt Löw: „Die Spieler wollen etwas über den Gegner erfahren, aber auch über eigene Laufwege, die optimale Raumaufteilung bei verschiedenen Spielsituationen. Es gibt sehr viele Erkenntnisse, die man früher nicht hatte.“

          77,7 Millionen Positionsdaten

          Das Training der Nationalmannschaft wurde schon vor der WM digitalisiert. Sensoren, die in den Stutzen der Spieler versteckt waren, übertrugen 4200 Positionsdaten pro Sekunde auf eine Datenbank, das entsprach etwa 77,7 Millionen Positionsdaten pro Trainingseinheit. Löw und sein Team nutzen diese Daten für die technisch-taktische Analyse. Einige Monate nach dem WM-Turnier besuchte Luiz Felipe Scolari das Labor von SAP in Porto Allegre. Scolari stand als Nationaltrainer an der Seitenlinie, als die Seleção im WM-Halbfinale beim 7:1 von den Deutschen deklassiert wurde. Nun wollte er wissen, wie es dazu kam.

          Eine „Wunderwaffe“ nennen die Verantwortlichen von SAP dieses Programm, und ihre Softwareentwickler haben längst neue Tools geschaffen. Vor der Europameisterschaft 2016 in Frankreich entstand „Penalty Insights“, das so etwas wie der digitale Spickzettel von Jens Lehmann ist, den er bei der WM 2006 vor dem Elfmeterschießen gegen Argentinien aus seinem Schienbeinschoner geholt hat. Darauf hatte Torwarttrainer Andreas Köpke mit Bleistift vermerkt:

          • Riquelme links hoch.

          • Crespo langer Anlauf, rechts, kurzer Anlauf, links.

          • Heinze 6 links flach.

          • Ayala 2 lange warten, langer Anlauf, rechts.

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