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Fußball als Gewalt-Event „Hooltras“ als die neue Problemgruppe

18.03.2009 ·  Die Gewaltbereitschaft im Fußball nimmt wieder zu - vor allem außerhalb der Stadien. Diesem unliebsamen Phänomen kann man nur mit gemeinsamer Kraft entgegenwirken. Doch die Polizei beklagt Engpässe, die DFL Stimmungsmache.

Von Peter Heß, Frankfurt
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Die Gewaltbereitschaft im Fußball nimmt wieder zu. Nicht in den Arenen, die durch professionelle Sicherheitsdienste und eine durchdachte Infrastruktur so sicher wie nie zuvor geworden sind. Aber auf dem Weg zum und vom Stadion, auf Plätzen, Straßen und Bahnhöfen. Diesen Trend machen alle Experten aus, die sich mit dem Thema beschäftigen. Am Dienstag beleuchteten in der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) sechs Fachleute aus ihren verschiedenen Blickwinkeln, wie sie unliebsamen Phänomenen begegnen.

DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach, DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus, DFB-Vizepräsident für Rechtswesen, Rainer Koch, DFB-Sicherheitsbeauftragter Helmut Spahn, Fan-Forscher Gunter Pilz und der Leiter der Koordinationsstelle Fan-Projekte, Michael Gabriel, waren sich einig, dass nur mit dem Zusammenspiel aller Kräfte der Herausforderung Herr zu werden ist. Ein Zusammenspiel, das so gut wie nie zuvor sei, das aber noch verbessert werden kann.

„Wir haben mittlerweile Engpässe bei den Polizeikräften“

Über die Bezahlung der Polizeieinsätze ist zuletzt ein Streit entbrannt. Politik und Polizei hatten nach den schweren Krawallen beim Punktspiel der Zweiten Bundesliga zwischen dem FC St. Pauli und Hansa Rostock (3:2, siehe auch: St. Pauli gegen Rostock: Nie mehr an einem Freitagabend) vor knapp zwei Wochen Kritik wegen der hohen Kosten des Einsatzes sowie der Ansetzung des Spiels an DFB und DFL geübt. „Diese Krawalle haben in den letzten Jahren enorm zugenommen. Von 127 Länder-Großeinsätzen im vergangenen Jahr entfielen allein 40 Prozent auf den Fußball. Das ist zu viel. Wir haben mittlerweile Engpässe bei den Polizeikräften“, sagt Konrad Freiberg, Chef der GdP.

Geschäftsführer Hieronymus erteilte für die Deutsche Fußball-Liga der Forderung nach einer Beteiligung an den Einsatzkosten der Beamten eine Absage: „Dies ist immer wieder aufs Neue eine populistische und unbegründete Stimmungsmache. Damit diskreditieren die Polizei-Gewerkschaften nur sich selbst. Die Bundesligaklubs haben das gleiche Recht wie alle gesellschaftlichen Gruppierungen, dass die Polizei bei öffentlichen Veranstaltungen ihren dienstlichen Verpflichtungen nachkommen muss.“

Hervorragende Ergebnisse bei Modellversuch in Hannover

Hieronymus fügte an: „Und dafür zahlt der Fußball bei Bundesliga- und auch bei Länderspielen in beachtlicher Höhe Steuern. Allein die 36 Profiklubs haben in der Saison 2007/08 insgesamt 665 Millionen Euro Steuern gezahlt.“

Zudem haben manche Einsätze der Polizei Kritik des Fan-Forschers Pilz und des Fanbeauftragten Gabriel herausgefordert. Kommunikative und respektvolle Polizeiarbeit würden die größte Sicherheit hervorrufen, weil dann Fans, die Gewalt ablehnen, auf die Gewaltbereiten Einfluss nehmen würden. Ein Modellversuch in Hannover habe hervorragende Ergebnisse geliefert. Bei repressiven Einsätzen allerdings solidarisierten sich sofort alle Fußballfans gegen die Polizei.

Hochsicherheitstrakt Stadion unterbricht die Action

DFB-Generalsekretär Niersbach indes möchte diese Gewalttäter gar nicht erst Fußballfans genannt wissen, weil sie Kriminelle seien und den Fußball nur als Plattform nutzten. Dieser Darstellung widersprach Pilz zum Teil. Außer diesen Hooligans gäbe es eine neue Gruppe, er nennt sie „Hooltras“. Abgeleitet von den „Ultras“, die sich als Hüter und Fans des wahren Fußballs verstehen, die die fortschreitende Kommerzialisierung in ihrem Sport ablehnen.

Manche dieser „Hooltras“, die in der „Ultras-Szene“ beheimatet sind, sähen ein Fußballwochenende nur als Gewaltevent, wobei das Spiel im Hochsicherheitstrakt Stadion die Action für 90 Minuten unterbricht. Pilz machte aber deutlich, dass andere schon an Fußball interessiert und sogar an Fan-Choreographien beteiligt seien. Für Pilz und Gabriel ist es wichtig, dass die Polizei nicht mehr das Feindbild Nummer eins bei den Fans bildet. Dann wäre auch die Forderung der Verbände nicht mehr utopisch, dass die Fans die Gewalttäter zügeln.

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