Home
http://www.faz.net/-gtm-74jz9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 24.11.2012, 11:56 Uhr

Fürth gegen Nürnberg Großmutter aller Derbys

Wo die fränkische Gemütlichkeit endet: Kein Nachbarschaftsduell fand häufiger statt als das zwischen Nürnberg und Fürth. Nun treffen die beiden Rivalen erstmals in der Bundesliga aufeinander.

© picture-alliance / M.i.S.-Sportp Fürther Freude: Die Spielvereinigung hatte das Vergnügen des letzten Derbysiegs

So ziemlich den ganzen Mittwoch haben Dieter Hecking und Mike Büskens zusammen verbracht. Was man für etwas merkwürdig halten kann, schließlich treffen ihre beiden Mannschaften an diesem Samstag in der Fußball-Bundesliga aufeinander. Es wird aber noch merkwürdiger. Die Interviews, die sie gemeinsam gegeben haben, waren nicht etwa wie üblich von den Redaktionen angefragt. Hecking und Büskens haben sich vielmehr praktisch selbst eingeladen. Es ging darum, ein Zeichen zu setzen. Und so drehten sich die Gespräche weniger um die Herren Hecking und Büskens selbst - was in gewisser Weise schade war, weil beide sehr unterhaltsam von der Kollision ihrer zupackenden westfälischen Mentalität mit dem fränkischen Fußball-Fatalismus hätten berichten können. Die Botschaft der beiden Trainer ans Publikum aber war diesmal wichtiger: Seht her, Nürnberger und Fürther setzen sich an einen Tisch und reden miteinander, wie vernünftige Menschen das eben tun.

Christian  Kamp Folgen:

In Franken fürchtet man, dass es Menschen gibt, die anderes vorhaben an diesem Wochenende. Die das 255. fränkische Derby zum Anlass nehmen könnten, die Hierarchie in der Region auf unsportliche Weise zu klären. Die Sicherheit rund um den Fürther Ronhof, das kleinste Erstliga-Stadion und mitten in einem Wohngebiet, ist in diesen Tagen das Thema Nummer eins. Wenn man Martin Bader, den Sportvorstand des 1. FC Nürnberg, darauf anspricht, erntet man schon eine ziemlich genervte Reaktion. „Ich werde langsam müde, mich immer wieder über diese Sache zu unterhalten“, sagt er.

Lebensgefühl mit schwarzen Mützen

Immer werde nur das Negative gesucht, nie das Positive - wie am vergangenen Wochenende, als die Nürnberger Fans mit ihrer Choreographie des ungarischen Trainers Jenö Konrád gedachten, der in den dreißiger Jahren als Jude von den Nazis verjagt worden war. Ein Zeichen, das „nirgendwo Beachtung gefunden“ habe, schimpft Bader. Aber natürlich weiß auch er um die spezielle Vorgeschichte zu diesem Derby. Und die kann man nicht rosarot sehen. Vor dem Zweitligaduell 2004 zogen rund 2500 teils vermummte Nürnberger Fans durch die Fürther Innenstadt Richtung Stadion, und auch wenn das Wort „marodierend“ danach vielen etwas leicht von den Lippen ging - es wurde weder verheert noch gebrandschatzt -, weckte der „Marsch auf Fürth“ ein unangenehmes und bis dato unbekanntes Gefühl der Bedrohung in der sonst so beschaulichen Stadt.

Fußball: Deutsche Meisterschaft 1920 - 1. FC Nürnberg - SpVgg Fürth 2:0 © picture-alliance/ dpa Vergrößern Große Vergangenheit: Der „Club“ (dunkle Trikots) gewinnt 1920 mit einem 2:0 gegen Fürth den ersten seiner neun Meistertitel

Unter Nürnberger Fans ist es ein Lebensgefühl, „Anti Fü“ zu sein und das offensiv zur Schau zu stellen. Die schwarzen Mützen mit dem Slogan sind ein Renner, aber auch im Straßenbild, auf Aufklebern oder in Graffiti, kann man das sehen. Was man noch als Derby-Folklore abtun könnte - wären da nicht zwei andere Vorfälle in ebenso frischer wie unangenehmer Erinnerung. Nach dem Fürther Sieg im Pokalspiel im vergangenen Dezember in Nürnberg stürmten „Club“-Fans den Platz und schienen Jagd auf alles Weiß-Grüne machen zu wollen. Und vor ein paar Wochen fiel eine Horde Nürnberger mit finsteren Absichten in ein Lokal ein, in dem gerade Fürther Fans saßen und, so heißt es, über konstruktive Ansätze in der Gewaltdebatte brüteten. Beide Male ging es glimpflich aus. Aber man spürte, dass das nicht immer so bleiben muss.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zweite Bundesliga Leipzig enteilt der Konkurrenz

Nach einem Heimsieg über Braunschweig ist RB auf dem Weg in die Bundesliga. Auch St. Pauli mischt kräftig oben mit nach einem Erfolg in Fürth. Keinen Sieger gibt es dagegen in Karlsruhe. Mehr

07.02.2016, 15:34 Uhr | Sport
Umstrittene Einführung Torlinientechnik kommt auch zur Fußball-EM

Die Torlinientechnik wird bei der Fußball-Europameisterschaft in diesem Jahr eingesetzt. Uefa-Sprecher Pedro Pinto verkündet den Einsatz in Nyon. Welches System zum Einsatz kommen soll, wird jedoch erst noch bekanntgegeben. Mehr

23.01.2016, 09:55 Uhr | Sport
VfL Wolfsburg Die Kluft zwischen Schein und Sein

Beim VfL Wolfsburg greifen in dieser Saison die Rädchen nicht ineinander. Dazu macht sich der Klub im Bundesliga-Alltag unnötig klein. Manager Allofs bleibt zwar ruhig – doch das Lächeln von Trainer Hecking wird schon seltener. Mehr Von Christian Otto, Wolfsburg

31.01.2016, 13:40 Uhr | Sport
Spiel, Spaß und Spannung Weltmesse für Spielwaren in Nürnberg eröffnet

In Nürnberg hat die Weltmesse für Spielwaren eröffnet. Der Markt wächst. Vor allem Online-Spiele und Lizenzprodukte wie Star Wars boomen. Mehr

27.01.2016, 17:15 Uhr | Wirtschaft
Zweite Bundesliga Die Löwen rennen und rennen – treffen aber nicht

Die Sorgen von 1860 München in der zweiten Liga werden größer: Im Derby gegen den Club aus Nürnberg erspielt sich der TSV zahlreiche Chancen, verliert aber dennoch 0:1. Einen wichtigen Sieg im Abstiegskampf erringt dagegen Heidenheim. Mehr

06.02.2016, 15:01 Uhr | Sport
Umfrage

Wie weit kommt das DFB-Team bei der EM 2016?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.