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Fredi Bobic Kaum Zeit für eine Orientierungsphase

27.07.2010 ·  Elf Jahre war er weg, jetzt kehrt Fredi Bobic als Sportdirektor zum VfB Stuttgart zurück. Doch den Wechsel von Nationalspieler Sami Khedira wird er nicht verhindern können. Und Trainer Christian Gross will neue Spieler.

Von Oliver Trust, Stuttgart
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Gesungen hat Fredi Bobic an seinem ersten Arbeitstag nicht. Dabei besteht auf dem Gebiet eine gewisse Vorbildung. 1997, als Bobic neben Krassimir Balakov und Giovane Elber als tragende Säule des „magischen Dreiecks“ gefeiert wurde, gab der Stürmer mit den damaligen VfB-Profis Marco Haber und Gerhard Poschner als „tragisches Dreieck“ den Song „Steh auf“ zum Besten.

Der Erfolg hielt sich in überschaubaren Grenzen. Auch das wird ein Grund dafür gewesen sein, dass Bobic eine andere Richtung einschlug, nämlich Manager wurde und nun für mindestens zwei Jahre Sportdirektor des VfB Stuttgart ist. Am Dienstag erschien der Neue im grauen Anzug und schicken Hemd und stellte sich als Nachfolger des zu Schalke 04 abgewanderten Horst Heldt an seinem ersten Arbeitstag gleich auf Rückschläge im neuen Job ein.

Der erste könnte ihn tatsächlich noch diese Woche treffen. Während sich die VfB-Profis und Trainer Christian Gross zum Qualifikationsspiel für die Europaliga gegen Molde FK in Norwegen aufmachen, muss Bobic seinen ersten schweren Job erledigen. Sami Khedira kehrt aus dem WM-Urlaub zurück und wird wohl seinen Wechsel zu Real Madrid verkünden. Dass er den Nationalspieler überreden kann, zu bleiben und seinen Vertrag zu verlängern, glaubt Bobic nicht ernsthaft.

„Ich war elf Jahre weg. Manches hat sich verändert“

„Wir würden gerne verlängern“, sagte der Achtunddreißigjährige bei seiner Vorstellung in der Mercedes-Benz-Arena. „Es liegt an ihm. Aber es wäre schade, wenn er nächstes Jahr gehen würde und wir nichts bekommen“, gab sich Bobic pragmatisch. Dieses Jahr kann der VfB eine Ablöse für Khedira einstreichen, von zwölf bis 15 Millionen Euro ist die Rede. 2011 läuft Khediras Vertrag aus, der Deutsch-Tunesier könnte ohne Entschädigung gehen. Daran hat Bobic kein gesteigertes Interesse, denn die Millionen aus Madrid braucht der frühere Profi, um Verstärkungen einzukaufen.

Als der ehemalige Stürmer am späten Vormittag zur ersten Pressekonferenz erschien, war von Aufregung angesichts der kommenden Aufgaben allerdings wenig zu spüren. „Ich war elf Jahre weg, und manches hat sich verändert, aber ich hatte immer engen Kontakt zum VfB“, sagte Bobic, der von 1994 bis 1999 148 Bundesligaspiele (69 Tore) für die Stuttgarter machte und zuletzt beim bulgarischen Klub Burgas als Geschäftsführer arbeitete. „Ich freue mich auf den Job, der VfB war der Verein, für den ich am liebsten gespielt habe.“

Trotz aller Vorfreude sieht sich Bobic in Stuttgart mit einer „großen Herausforderung“ konfrontiert. Mit der Einschätzung liegt der gebürtige Slowene nicht falsch. Zusammen mit seinem neuen Klub steht der ehemalige Nationalspieler vor einer schwierigen Saison. Nach den Abgängen der „Leitwölfe“ Jens Lehmann, Alexander Hleb und wohl Khedira steht der schwäbische Kader vor einem Umbruch. Derzeit sind Neueinkäufe wie der Schweizer Philipp Degen (Liverpool), Andre Ayew (Marseille) und Ibrahim Traore (Augsburg) im Gespräch, für die man dringend die Khedira-Millionen braucht.

„Ich muss den Klub neu kennen lernen

Gross setzte Bobic und den Klub mit einem Statement unter Zugzwang. „Ich mache mir Sorgen und das schon seit Wochen“, sagte Gross als es um eventuelle Neuzugänge ging. Am Montag hatte Gross Bobic im ersten Gespräch deutlich gemacht, dass er baldige Ergebnisse auf dem Transfermarkt erwartet. „Ich kenne ihn nicht, er kennt mich nicht. Aber ich gehe von einer Zusammenarbeit als Einheit aus und habe ein positives Gefühl“, sagte Gross zur Verpflichtung Bobics, der die Wünsche des Trainers mit denen des Vorstandes in Einklang bringen muss, der lieber sparen will.

Auch im Innenverhältnis wartet auf Bobic, der anders als Vorgänger Heldt keinen Sitz im Vorstand bekommen wird, eine Menge Arbeit. Als „Orientierungsphase“ beschrieb Bobic seine ersten Wochen. „Ich muss den Klub neu kennen lernen.“ Gespannt darf man auf dessen künftiges Verhältnis zum mächtigen Aufsichtsrats-Vorsitzenden und Arbeitgeberpräsidenten Dieter Hundt sein, mit dem Bobics Vorgänger Heldt nicht eben gut auskam und sich zudem von den Vorständen Erwin Staudt (Präsident) und Ulrich Ruf (Finanzen) übergangen fühlte.

„Ich werde keine Boxhandschuhe anziehen“

„Ich denke sie würden den Sportdirektor fragen, wenn über den Trainer diskutiert werden würde“, sagte Bobic. Als Coach Markus Babbel in Stuttgart zur Disposition stand, fanden Gespräche der Führungsebene ohne den vor fünf Wochen zum FC Schalke 04 gewechselten Heldt statt, was den stark verärgerte.

„Ich werde keine Boxhandschuhe anziehen“, sagte Bobic. „Ich werde mit Argumenten überzeugen und nicht alles persönlich nehmen.“ Viel Zeit bleibt Bobic nicht, der anders als Heldt während der Spiele auf der Tribüne sitzen wird. Nach der Europaliga wartet der DFB-Pokal als erste Bewährungsprobe. Zumindest was sein neues Büro angeht bleibt alles beim Alten. Bobic zieht in das alte von Heldt.

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