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Franz Beckenbauer Der größte Glücksfall des deutschen Fußballs

11.09.2010 ·  Er ist Fußball-Weltmeister als Spieler und als Trainer geworden. Als „Kaiser“ geht er in die Fußball-Geschichte ein. An diesem Samstag wird Franz Beckenbauer 65 Jahre alt - und muss an seinem Ehrentag dennoch arbeiten.

Von Roland Zorn
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Wer das ganze Jahr über von anderen geehrt und gefeiert wird, ist manchmal froh, an seinem eigenen Ehren- und Feiertag arbeiten zu dürfen. Aber was heißt schon Arbeit für einen wie ihn, der das Schwere leicht aussehen lässt und aus mühsamen Pflichten entspannt anmutende Küren gemacht hat? Franz Beckenbauer wird an diesem Samstag 65 Jahre alt und wird zur Feier des Tages zu Hause und ganz bei sich und in seinem Element sein: in der Münchner Allianz-Arena, beim Fußball und damit bei seinen Bayern im Bundesligaspiel gegen Werder Bremen – in einer seiner Paraderollen als Fernsehexperte von Sky, einem seiner medialen Vertragspartner. Die ihm zu seinem Schritt über die gesetzliche Rentenaltersschwelle wohlmeinend zu einer Verringerung seiner zahlreichen Aktivitäten raten möchten, kommen indes zu spät.

Der „Kaiser“ hat sich, auch weil er sich in Zukunft an der Seite seiner Frau Heidi mehr um seine Familie und das gedeihliche Aufwachsen seiner jüngsten Kinder, Joel und Francesca, kümmern will, längst festgelegt: „Ich werde meine nationalen und internationalen Aufgaben drastisch reduzieren“, hat Beckenbauer noch am Montag im „Blickpunkt Sport“ des Bayerischen Rundfunks erklärt. Gut möglich also, dass Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes, demnächst auf die freundlichen Dienste seines weltweit bekanntesten Repräsentanten im Fifa-Exekutivkomitee verzichten muss.

Beckenbauer ist mit 65 in einem Alter, da er, der charmanteste Fußballplauderer überhaupt, den Charme-Offensiven von außen besser als früher widerstehen kann. Auch denjenigen, die daran gedacht haben mögen, den Ur-Münchner mit Wohnsitz Salzburg nach dem krankheitsbedingten Rückzug des Modeunternehmers Willy Bogner zum Kopf der Münchner Olympiabewerbung um die Winterspiele 2018 zu erheben, hat Beckenbauer keine Hoffnungen gemacht. Ein „Sommermärchen“ ist genug, das er vor allem herbeigezaubert hat, als er die Fußball-WM 2006 nach Deutschland holte. Beckenbauer gehört zwar lebenslang zu den deutschen Sport-Ikonen, doch verankert ist er nun einmal im Fußball und nicht im Wintersport.

Ein Wort mit viel Gewicht

Ob weiter mit oder künftig ohne Amt: Sein Wort wird im Stimmengewirr der Fußball-Meinungsbildner nach wie vor das größte Gewicht haben. Egal, ob jede Wortmeldung des Weltmeisters als Spieler (1974) und Teamchef der deutschen Nationalmannschaft (1990) der Weisheit letzter Schluss sei: Beckenbauer besitzt die Gabe, auch komplexe Themen auf den Punkt zu bringen und dazu mit einer großen Prise Humor oder Sarkasmus zu würzen. Volkes Stimme hat im Fußball-Kaiser ihren besten Anwalt.

Sollen andere verbal „gegen den Ball arbeiten“, Beckenbauer, Deutschlands größter Individualist am Ball, ist in seiner Botschaft unbeirrbar: Der Fußball, so sein Credo, bleibe über die Zeitläufte hinweg ein einfaches Spiel, für das sich zu laufen lohne, in dem der Zusammenhalt und das Zusammenwirken aller Kräfte kollektiven Erfolg verheiße. Dabei ist der Sohn eines Giesinger Postbeamten zeit seines Lebens stets für sein außergewöhnliches Talent bewundert worden, aus seiner Position des Liberos wie ein frei schaffender Künstler zum Wohle aller Triumphe kreiert und staunenswerte Auftritte des FC Bayern mit deutschen Meisterschaften und, von 1974 bis 1976, drei aufeinanderfolgenden Siegen im Europapokal der Landesmeister inszeniert zu haben.

Der größte Glücksfall

Mit der Eroberung des WM-Titels 1974 und der Europameisterschaft 1972 hat sich Beckenbauer schon als 103-maliger Nationalspieler „unsterblich“ gemacht; dass er den Bayern später auch noch als Trainer zu einer weiteren Meisterschale (1994) und zum Uefa-Pokal-Erfolg (1996) verhalf, seinem Verein als Souverän und Präsident vorstand (1994 bis 2009) und dazu Regie führte bei der bisher zauberhaftesten aller Weltmeisterschaften hat ihn zur „Legende“ erhoben.

Die „Legende“, ein Geheimnis seines alterslosen Charismas, ist immer bodenständig und unabhängig geblieben. Auch deshalb hat der von Natur aus impulsive, meist liebenswürdige, gelegentlich aber auch jähzornige Franz Beckenbauer alle, die ihn ganz genau zu kennen glauben, immer wieder gern überrascht. Mögen andere ihren 65. Geburtstag groß feiern, er hält sich lieber an Udo Jürgens, der in einem seiner Songs behauptet hat, dass das Leben erst mit 66 so richtig anfange. Also steigt die nächste Beckenbauer-Sause unter Einschluss der Öffentlichkeit erst am 11. September 2011. Auch dann wird noch gelten, was ihm sein alter Mönchengladbacher Freund und Weggefährte Günter Netzer, selbst einer der großen Strategen des Fußballs, dieser Tage nachsagte: „Der Franz ist der größte Glücksfall des deutschen Fußballs. Es gab keinen Besseren vor ihm, und es wird auch kein Besserer nachkommen.“

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