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Frankfurts Streit im Gespräch „Ich habe die Nationalelf abgehakt“

26.08.2007 ·  Er wollte unbedingt zum FC Schalke, nun bleibt er für mindestens ein Jahr lang Frankfurter. Eintracht-Profi Albert Streit spricht im Interview über fehlende Anerkennung, viel Geld bei Schalke und neue Kraft.

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Er wollte vor dieser Saison unbedingt zum FC Schalke, doch der Wechsel platzte. Nun bleibt Albert Streit für mindestens ein Jahr lang Frankfurter. Der Eintracht-Profi spricht im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über fehlende Anerkennung, viel Geld bei Schalke und neue Kraft. An diesem Sonntag spielt er mit den Hessen gegen Aufsteiger Rostock (17.00 Uhr im FAZ.NET-Liveticker).

Die Transferliste ist noch eine Woche geöffnet. Was würde passieren, wenn Schalke nach Ihren guten Leistungen zum Auftakt wieder ein Angebot machen würde?

Ich würde bei der Eintracht bleiben, weil wir es ausgemacht haben.

Werden Sie die Eintracht am Ende der Saison verlassen?

Jeder weiß inzwischen, dass ich eine Ausstiegsklausel habe. Im nächsten Sommer kann ich für eine Million Euro Ablöse gehen. Ob ich gehe, steht nicht fest. Ich werde mir alles anhören und dann in Ruhe entscheiden.

Sind Sie noch immer enttäuscht, dass der Wechsel nach Schalke nicht geklappt hat?

Natürlich denke ich, dass es anders hätte laufen können. Ich habe oft genug gesagt, dass ich gerne nach Schalke gegangen wäre. Dort hätte ich viel mehr Geld verdienen und in der Champions League spielen können. Aber ich glaube an den lieben Gott, und deshalb wird vielleicht alles seine Richtigkeit haben, wie es nun gekommen ist.

Wie schwer ist es Ihnen gefallen, nach dem ganzen Theater wieder in Frankfurt ins Training zu gehen?

Überhaupt nicht schwer, ich hatte keine Angst, es war mir auch nicht mulmig. Ich hatte ja mit keinem mehr Probleme.

Sind alle Irritationen mit dem Trainer ausgeräumt?

Ja, zu hundert Prozent. Der Trainer hat Fehler gemacht, ich habe Fehler gemacht. Beide haben wir das zugegeben. Damit ist die Sache ausgeräumt. Wir sind Erwachsene und keine kleinen Kinder.

Und Ihr Verhältnis zum Vorstandsvorsitzenden Heribert Bruchhagen?

Wie die anderen Spieler auch habe ich mit Herrn Bruchhagen nicht so viel zu tun. Wir haben auch miteinander gesprochen, und damit ist der Fall erledigt. Wir sagen uns "Guten Tag", das ist in Ordnung.

Stimmt es eigentlich, dass Sie schon lange vor Ende der Saison Ihre Wohnung in Frankfurt gekündigt hatten?

Ja, das stimmt. Aber das hatte nur mit privaten Dingen zu tun und nichts mit dem geplanten Wechsel. Da wurde falsch berichtet.

Wer hat Ihnen in der Zeit, als Sie in der Öffentlichkeit in der Kritik standen, am meisten geholfen?

Meine Freundin - sie hat jeden Tag meine schlechte Laune ertragen müssen. Ich rechne es ihr ganz hoch an, dass sie das mit mir durchgestanden hat. Auch meine Familie hat mich unterstützt, und natürlich habe ich in Klaus Gerster auch einen sehr guten Berater.

Jermaine Jones haben die Fans das Wechseltheater nicht verziehen, Ihnen schon. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Ich denke, es liegt daran, weil ich von Anfang an ehrlich war und klar gesagt habe, was ich will. Viele waren zwar trotzdem nicht einverstanden, aber sie haben es akzeptiert. Mein Weg war sicher der richtige, und den werde ich weitergehen.

Der Fall „van der Vaart“ hat zuletzt die Öffentlichkeit bewegt. Ist er vergleichbar mit Ihrem?

Es steht mir nicht zu, dies zu beurteilen. Eines aber ist sicher: Mit einem Trikot von Schalke hätte ich mich nicht ablichten lassen. Und was er zuletzt gemacht hat, hätte ich mich nicht getraut.

Der Trainer hat das Gefühl, Sie würden sich wieder richtig wohl fühlen bei der Eintracht. Können Sie das bestätigen?

Herr Funkel hat recht. Ich habe mir gesagt, dass es wirklich Schlimmeres gibt als einen geplatzten Wechsel. Ich könnte zum Beispiel verletzt sein. So aber spiele ich in einem super Stadion vor super Fans mit einer guten Mannschaft. Frankfurt ist ja nun wirklich nicht das Schlechteste.

Sehen Sie auch sportliche Perspektiven?

Na klar, wir können die Überraschungsmannschaft der Saison werden und viel besser spielen als vergangenes Jahr.

Dann gehen Sie auch von einem Sieg an diesem Sonntag gegen Rostock aus?

Vergangene Saison waren wir auch oft Favorit und haben dann gegen Cottbus und Bochum Klatschen bekommen. Deshalb wäre ich mit einem 1:0 schon zufrieden. Wir dürfen uns nicht unter Druck setzen lassen, dann kann es mit dem zweiten Heimsieg klappen.

Wie sehen Sie Ihre eigenen sportlichen Perspektiven?

Ich will mehr Tore schießen als in der vergangenen Saison. Dazu muss ich meinen Abschluss verbessern. Zuletzt wollte ich es zu schön machen. Jetzt habe ich mir vorgenommen, einfach nicht mehr nachzudenken, sondern einfach draufzuhauen.

Denken Sie eigentlich noch an die Nationalmannschaft?

In England haben viele Spieler gefehlt, ich war trotzdem nicht dabei. Das hat mir gezeigt, dass ich dort nicht gebraucht werde und meine Leistungen nicht anerkannt werden. Für mich ist es unmöglich, in die Nationalmannschaft zu kommen, also habe ich es abgehakt.

Das Gespräch führte Josef Schmitt.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.08.2007, Nr. 34 / Seite R10
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