http://www.faz.net/-gtm-15ilx

Frankfurter Niederlage : „Den Stuttgartern mächtig die Stirn geboten“

Vertrag verlängert, Remis verpasst: Torwart Nikolov Bild: APN

Weil die Frankfurter Eintracht kurz die Konzentration verliert, bringt sie sich beim 1:2 in Stuttgart um den Lohn ihrer Mühen. „Umwerfen wird uns diese Niederlage nicht“, versicherte Abwehrspieler Russ. Der nächste Härtetest kann kommen.

          Der Traum von Europa wähnte genau zwei Minuten. „Dann waren wir zu naiv, zu dumm.“ Patrick Ochs war der Frust deutlich anzumerken. Noch auf dem Weg zum Mannschaftsbus ärgerte sich der flinke rechte Außenmann der Frankfurter Eintracht über die 1:2-Niederlage beim VfB Stuttgart. Schließlich hatte es ebenjene Phase von 120 Sekunden gegeben, in der die Eintracht beim zuletzt bärenstarken VfB tatsächlich 1:0 in Führung gegangen war.

          Benjamin Köhler, der kleinste Frankfurter Fußballprofi, hatte wieder einmal zugeschlagen (39. Minute). Zum fünften Mal schon, diesmal auf Vorarbeit von Caio. Der Brasilianer war kurzfristig in die Stammelf gerutscht, weil sich die fünf Zentimeter lange Risswunde, die sich Verteidiger Maik Franz am Vortag im Abschlusstraining beim virtuellen Duell mit einem Plastikdummy zugezogen hatte, als doch zu schwerwiegend erwies. Mit Caio also und auch mit Schwung gegen den VfB. Ob das gutgehen konnte nach der Galavorstellung der Schwaben in der Champions League gegen den FC Barcelona?

          Teilweise spielbestimmend - und doch mit leeren Händen

          Es ging gut, phasenweise sehr gut sogar, wenngleich die Belohnung in Form eines möglichen Punktgewinns ausgeblieben ist. „Mit der Leistung meiner Mannschaft kann ich zufrieden sein“, sagte Eintracht-Trainer Michael Skibbe. „Mit dem Ergebnis aber nicht.“ Über weite Strecken, gerade in der ersten Halbzeit, war die Eintracht die prägende, spielbestimmende Mannschaft. Belohnt wurde dieses Engagement durch den Treffer von Köhler, der unbedrängt an Jens Lehmann vorbei einschieben konnte. „In dieser Phase“, sagte Vorstandschef Heribert Bruchhagen später, „hatten wir klarere Spielanteile. Doch am Ende stehen wir mit leeren Händen da. Wir sind hammerhart bestraft worden.“

          Mit der Leistung zufrieden, nicht aber mit dem Ergebnis: Trainer Skibbe

          Zwei lichte Momente nur genügten dem auf Tabellenplatz acht vorgerückten VfB, um die Eintracht entscheidend zu treffen. Es war zweimal Chefsache, denn Cacau, der herausragende Mann dieser zu Ende gehenden Fußballwoche, schlug zweimal zu. Einmal mit dem Kopf (41.) und dann mit dem starken rechten Fuß aus 25 Metern zum 2:1-Siegtreffer (45.): Es waren Cacaus Tore Nummer sechs und sieben – herausgeschossen innerhalb von sieben Tagen.

          Liberopoulos schnappt sich den Ball - und vergibt

          Saisontor Nummer fünf von Köhler hätte der Beginn einer schönen Fortsetzungsgeschichte werden können. Schließlich hatten die Frankfurter, beginnend am 28. November mit dem 3:1 bei Hertha BSC Berlin, zuletzt fünf Auswärtsspiele in Folge nicht mehr verloren. Diese Serie ist nun bei dem in der Königsklasse spielenden VfB gerissen, und Skibbe zeigte sich in seiner Analyse „schon etwas traurig. Aber wir sind vor der Halbzeit einfach nicht so konzentriert gewesen.“ Nachlässigkeiten im Zweikampf, vor allem im Kopfballspiel in der Vorbereitung des Ausgleichstreffers, boten den Stuttgartern die Chance, in diese Partie wieder zurückzukommen. „Zwei Gegentore in solch kurzer Zeit, das ist schon bitter“, sagte Ochs.

          Trotzdem bot sich der Eintracht bis zum Schlusspfiff die Gelegenheit, den seit Wochen unter Trainer Christian Gross chronisch erfolgreichen VfB zu ärgern. Doch in der Nachspielzeit wurde ein letzter Freistoß kurz hinter der Strafraumgrenze nachlässig und schlampig ausgeführt. „So etwas ist natürlich Mist“, ärgerte sich Ochs. Und Verteidiger Marco Russ ergänzte, „dass wir uns alle schon auf einen Schuss von Alexander Meier gefreut hatten. Der hat doch einen strammen Schuss mit seiner Innenseite.“ Aber nicht Mittelfeldmann Meier, sondern der knapp zehn Minuten zuvor für Caio eingewechselte Nikos Liberopoulos schnappte sich den Ball – und vergab. Gut möglich, dass der Grieche in dieser letzten Spielszene hin- und hergerissen gewesen ist. Schließlich war er kurz zuvor erst ein weiteres Mal Vater geworden. Sein Trainer hat ihm deshalb in den kommenden Tagen freigegeben.

          Der nächste Härtetest kann kommen

          Die Anzahl freier Tage für den großen Rest der Eintracht ist überschaubar. Montag gibt es eine Auszeit, am Samstag kommt der Tabellendritte FC Schalke 04 nach Frankfurt. Für den Vergleich mit einem weiteren Spitzenteam fühlt sich Trainer Skibbe gerüstet. „Wir haben schon gegen den VfB mitgehalten, der zu den spielstärksten Mannschaften der Liga gehört.“ Das Gefühl, „dass wir den Stuttgartern mächtig die Stirn geboten haben“, behagte Skibbe schon. Nur belohnt worden, das sind die von ihm angeleiteten Frankfurter an diesem frühlingshaft anmutenden Februarnachmittag nicht. „Umwerfen wird uns diese Niederlage nicht“, sagte Russ. Der nächste Härtetest kann kommen.

          Weil die Eintracht kurz die Konzentration
          verliert, bringt sie sich beim 1:2 in Stuttgart um den Lohn ihrer Mühen. „Umwerfen wird uns diese Niederlage nicht.“

          Weitere Themen

          Die Bayern deklassieren Bamberg

          Basketball-Playoffs : Die Bayern deklassieren Bamberg

          Der Titelverteidiger der Basketball-Bundesliga geht in München unter. Die Bayern siegen deutlich und sind nur noch einen Schritt vom Finale entfernt. Für Bamberg ist es eine historische Niederlage.

          DFB-Team ist fast vollständig Video-Seite öffnen

          Trainingslager in Südtirol : DFB-Team ist fast vollständig

          Wenige Wochen vor dem Beginn der Fußball-WM in Russland ist die deutsche Nationalmannschaft fast vollständig im Trainingslager in Südtirol eingetroffen. Besondere Aufmerksamkeit bekommt Manuel Neuer, der noch um seine endgültige Aufstellung bangen muss.

          Topmeldungen

          Baden-Württemberg : Feuer im Europapark ausgebrochen

          Dramatische Bilder aus dem Europa-Park in Baden-Württemberg. Dichter Rauch steigt auf, eine Lagerhalle steht in Flammen. Hunderte Feuerwehrleute sind im Einsatz, um Schlimmeres zu verhindern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.