Am Montag, zwei Tage nach den Ausschreitungen von Leverkusen, haben sich die Ultras zu Wort gemeldet: „Unsere allgemeine Einstellung zu Pyrotechnik dürfte hinlänglich bekannt sein. Wir verzichten daher an dieser Stelle auf langwierige Ausführungen“, begannen sie ihr Statement auf der Internetseite. „Wir möchten aber alle Eintracht-Fans darüber informieren, dass das Zünden von Böllern, das Schmeißen von Bengalos und das Abschießen von Leuchtspur, insbesondere auch noch auf Spieler, nicht unsere Unterstützung findet.“
Das war endlich einmal eine klare Aussage der oftmals kryptisch argumentierenden Anhänger der Frankfurter Eintracht. Auch zukünftig gedenken die Ultras, wie auch in Leverkusen, trotz aller Verbote Pyrotechnik als „Stimmungselement“ einzusetzen. Sie wollen auch künftig in der mittlerweile endlos verworrenen Debatte mit den Fußballverbänden die Legalisierung der Bengalos fordern. Aber sie verurteilten zumindest in ihrer Stellungnahme die vorsätzliche Gefährdung durch pyrotechnische Mittel, wie das bei der 1:3-Niederlage in Leverkusen der Fall war. Eine solch klare Distanzierung hat es aus Reihen der Frankfurter Ultras noch nicht gegeben.
Es rumort an allen Ecken und Enden
So bleibt die Frage, wer denn nun für die Eskalation in Leverkusen verantwortlich war? Nach Informationen dieser Zeitung handelte es sich zumindest nicht um eine geplante Revanche, nachdem die Eintracht-Anhänger vor zwei Jahren beim zuvor letzten Bundesligaspiel in Leverkusen bei Ganzkörperkontrollen teilweise dazu gezwungen wurden, sich vor Ordnungsdienstmitarbeitern in eigens aufgebauten Zelten bis auf die Unterhose auszuziehen. Stattdessen herrscht Rätselraten in der Fan-Szene, es rumort an allen Ecken und Enden.
Der frühe Zeitpunkt in einem bis dahin ausgeglichenen Spiel irritiert Insider. Manche vermuten, dass Trittbrettfahrer die Gunst der großen öffentlichen Aufmerksamkeit nutzen wollten. Womöglich aber versuchen auch Mitläufer aus dem Dunstkreis der Ultras, sich durch Aktionen wie am Samstag zu profilieren. Der harte, organisierte Kern der Ultras scheinen die Zeichen der Zeit erkannt zu haben. Sie gingen vermutlich auch deshalb so deutlich auf Distanz zum gefährlichen Einsatz von Leuchtspurmunition, weil sie derzeit im Frankfurter Fanlager selbst auf Widerstand stoßen.
„Normale“ Fans, die auch schon den Stimmungsboykott in der Vorweihnachtszeit verweigert hatten, regen sich immer deutlicher über die Eskapaden auf, die dem Ruf der gesamten Anhängerschaft schaden und auch friedliche Anhänger im Fall eines möglichen Geisterspiels bestrafen würden. Die Fan-Vereinigung „SGE-Forever“ „distanziert sich ab sofort von jeglicher Pyrotechnik in deutschen Stadien, so lang diese verboten ist“.
Auf ihrer Homepage werde „kein Foto mehr veröffentlicht, auf der das Abzünden von Pyrotechnik zu sehen ist“. Fortan würden zudem keine Aufrufe anderer Fangruppen mehr im Internet online gestellt, die sich nicht deutlich von Pyrotechnik distanzieren: „Dieses Verhalten sogenannter Fans befinden wir nicht für gut und möchten diesem auch keine Plattform bieten“, hieß es in einer Mitteilung.
Verschärfung der Überwachungsmaßnahmen
Hessens Innenminister Rhein hat derweil eine individuelle Bestrafung der Pyrotechnik-Randalierer gefordert und eine Verschärfung der Stadionüberwachung angekündigt. „Wir brauchen keine generalisierenden Strafen, sondern müssen uns individuell um die kümmern, die Probleme gemacht haben. Die müssen wir herausgreifen. Da müssen wir entsprechend sanktionieren und dafür sorgen, dass sie nicht mehr ins Stadion kommen“, sagte der CDU-Politiker in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa. Als Konsequenz aus den Vorkommnissen im Eintracht-Fanblock in Leverkusen sollen die Überwachungsmaßnahmen in der Frankfurter Arena verschärft werden.
„Wenn wir Strafen individualisieren wollen, brauchen wir eine bessere Videoüberwachung in den Stadionblöcken. Da sind wir mit der Eintracht in sehr guten Gesprächen. Es wird in wenigen Tagen einen wirklich großen Fortschritt geben, was dieses Thema anbelangt“, kündigte Rhein an. Auch eine Verschärfung der Sicherheitskontrollen schloss er nicht aus: „Es kann sein, wenn wir eine riskante Begegnung haben oder Erkenntnisse über einen besonderen Einsatz von Pyrotechnik, dass wir Vollkontrollen brauchen.“
Drastische Strafe zu erwarten
Unterstützung erhielt Rhein auch von Joachim Löw. Der Bundestrainer sagte am Rande der Bundesliga-Trainertagung in Düsseldorf: „Es ist absolut untragbar und unschön, wenn ein Spiel unterbrochen werden muss. Wenn Raketen geschmissen und damit andere Zuschauer gefährdet werden, ist es unheimlich wichtig, mit aller Macht gegen diese Leute vorzugehen.“
Vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist mit einer drastischen Strafe zu rechnen. Der Kontrollausschuss des Verbandes zog am Montag einen Antrag gegen den Tabellenvierten zurück, der eine Geldbuße von 100.000 Euro wegen Vorfällen mit Frankfurter Zuschauern am 21. September beim 1. FC Nürnberg und am 30. November bei Fortuna Düsseldorf vorgesehen hatte.
Punktabzug ausgeschlossen
Die jüngsten Ausschreitungen sollen nun in die Beurteilung der beiden früheren Ereignisse einfließen. „Die Verfehlungen werden jetzt gebündelt behandelt“, kündigte Anton Nachreiner, der Vorsitzende des DFB-Kontrollausschusses, an. In der nächsten Woche sei mit einer Entscheidung zu rechnen, wobei der Eintracht als Wiederholungstäter, dem Vernehmen nach, ein Geisterspiel in der eigenen Arena ohne Zuschauer droht. Armin Veh hat sich von Düsseldorf aus in die neuerlich aufgekommene Fan-Problematik eingeschaltet und sich vehement gegen Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesprochen. „Geisterspiele? Wer will denn so was?“, sagte der Eintracht-Trainer. „Wir hatten vor kurzem schon mal nur 15.000 Zuschauer im Stadion, und was hat es gebracht? Sinn macht es nur, diese Leute aus dem Stadion zu verbannen. Was sinnlos ist, sollte man weglassen.“
Eine sportliche Strafe durch den DFB steht dagegen nicht zur Debatte: „Ein Punktabzug wird aus grundsätzlichen Überlegungen nicht erwogen, weil man mit einem Urteil wegen Zuschauerausschreitungen nicht in den sportlichen Wettbewerb eingreifen will“, sagte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts, dem „Kicker“.
Wieso Leverkusen?
Reinhold -Helmut Becker (ReinholdHelmut1)
- 25.01.2013, 07:52 Uhr
Wieso Leverkusen?
Reinhold -Helmut Becker (ReinholdHelmut1)
- 24.01.2013, 23:24 Uhr
In Gladbach z. B.
Reinhold -Helmut Becker (ReinholdHelmut1)
- 24.01.2013, 22:28 Uhr
Das Zünden von Pyrotechnik außerhalb von Neujahr ist ohne
Erlaubnis gesetzeswidrig und ahndbar
Heinz Kunz (omgakawtf)
- 23.01.2013, 10:18 Uhr
Punktabzug oder Geisterspiel muss endlich her - alles andere wirkte in
Frankfurt bisher nicht!
Marcel Schneider (Mainzer05)
- 22.01.2013, 16:23 Uhr