28.11.2008 · Der Fernsehsportler kann seinen Trainingsplan beibehalten. Auch in Zukunft wird er am Wochenende die selben Knöpfchen auf der Fernbedienung drücken, wenn er Fußball sehen will. Die Erlöse für die Vermarktungsgemeinschaft Bundesliga stagnieren.
Von Roland Zorn, FrankfurtEine Bundesliga-Fernsehparty mit alten Bekannten hat ihre Reize. Da weiß jeder Teilnehmer, was und wen er zu erwarten hat. Und auch der Eintrittspreis, zuvor summa summarum auf 409 Millionen Euro pro Geschäftsjahr veranschlagt, wird sich nicht entscheidend verändern. Eine Vier steht beim neuen Fernsehrechte-Abschluss auf jeden Fall wieder vorn - ob verbunden mit einer sanften Plus- oder einer leichten Minustendenz, war am Donnerstag noch nicht ganz sicher.
Da tagte der Ligavorstand mit der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL), um das unter erschwerten Umständen vollbrachte Werk zu begutachten und zu verabschieden. An diesem Freitag werden in einem Frankfurter Flughafenhotel bei einer Bundesliga-Mitgliederversammlung die Rechte für die kommenden vier Jahre am begehrtesten und beliebtesten deutschen Serienprodukt vergeben.
Premiere bleibt Hauptzahler
Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wird wie gehabt Premiere der Exklusivlieferant der Spiel für Spiel live versendeten Pay-TV-Bilder aus der ersten und zweiten Liga bleiben. Die begehrteste Fortsetzungsgeschichte im frei empfangbaren Fernsehen schreibt weiter die ARD. Da das Bundeskartellamt die ersten Bundesliga-Berichte im Free-TV am Hauptspieltag Samstag für die Zeit bis 20 Uhr verordnet hat, bleibt auch auf dem „Sportschau“-Programmplatz Kontinuität gewahrt. (siehe auch: Sirius und die DFL: Ende einer lukrativen Liaison und DFL-Modell abgelehnt: Kartellamt besteht auf Free-TV am frühen Abend)
Premiere, bisher mit 205 Millionen Euro pro Jahr dabei, ist auch in Zukunft der Hauptzahler der Rechtegebühren mit einem vergleichbaren Betrag; die ARD, seither mit einer Jahressumme von 97 Millionen Euro im Bundesliga-Geschäft vertreten, soll diesmal etwas weniger als zuvor geboten haben. Das verwundert auch nicht, da parallel zur „Sportschau“ künftig ein attraktives Saturday-Night-Livespiel um 18.30 Uhr angepfiffen wird - exklusiv zu sehen bei Premiere und anschließend von 22 Uhr an für jedermann nachverwertet im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF.
Bundesliga wird keine Disney-World
Das „Zweite“ zahlte bis dato 16 Millionen Euro für seine Ligarechte und bleibt bis 2013 ebenso an Bord wie das derzeit 15 Millionen Euro pro Jahr überweisende Deutsche Sportfernsehen (DSF), das die beiden Sonntagsspiele um 15.30 Uhr und 17.30 Uhr aus dem zur kommenden Saison stärker portionierten Spielplan, der in der ersten Liga mit dem wöchentlichen Freitagspiel beginnt, wie bisher nach 22 Uhr aufbereitet. Was dazu die Internet-, Hörfunk- und Mobilfunkrechte wert gewesen sein werden, wird sich zeigen.
Jedenfalls dürfte die Mitgliederversammlung der Bundesliga an diesem Freitag der Empfehlung ihres Vorstandes und der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) folgen, den durch Nachverhandlungen bis zuletzt aufgebesserten Deal über 37 Rechtepakete anzunehmen. 19 Interessenten hatten auf die Offerte der DFL geboten, darunter auch der amerikanische Disney-Konzern, der ein etwas besseres Pay-Angebot als Premiere gemacht haben soll, aber aus Gründen der kontinuierlichen Partnerpflege nicht berücksichtigt wurde.
Zu frisch ist die Erinnerung an das gescheiterte Liga-Abenteuer mit dem Premiere-Konkurrenten Arena, um in dieser Zeit der finanziellen Turbulenzen den Kunden aufs Neue zu verunsichern. Außerdem können ja auch alte Bekannte neue Ideen entwickeln, die bei der Bundesliga-Kundschaft am Fernsehgerät gut angekommen. Der Platz für programmatische Verbesserungen ist immer da - auch für bewährte Platzhirsche.