16.08.2009 · Mit zwei Siegen war der Einstand von Felix Magath bei Schalke 04 gelungen. Am Sonntag steht gegen Bochum die Heimpremiere an. Im FAZ.NET-Interview spricht Erfolgstrainer Magath über seinen Plan, mit wenig Geld und viel Emotionen Meister zu werden.
Mit dem Sieg in der ersten Runde im DFB-Pokal gegen Windeck sowie dem Auswärtserfolg in Nürnberg beim Auftakt der Fußball-Bundesliga (siehe auch: 2:1 in Nürnberg: Magath macht Schalke mobil) ist Felix Magath bei Schalke 04 ein sportlich erfolgreicher Einstand gelungen. An diesem Sontag (17.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) stellt sich der neue Trainer erstmals in einem Pflichtspiel in der eigenen Arena vor. Zuvor sprach der Wolfsburger Meistermacher im FAZ.NET-Interview über seinen Plan, mit wenig Geld und viel Emotionen auch in Gelsenkirchen Meister zu werden.
Herr Magath, ist Ihre Macht beim FC Schalke 04 größer, als sie beim VfL Wolfsburg war, oder ist sie nur genauso groß?
Wie in Wolfsburg bin ich auch hier für alles Sportliche verantwortlich. Aber als ich hierher kam, gab es bei Schalke ein strukturell begründetes Machtvakuum. Insofern scheint es so, als hätte hier ich mehr Macht. Jetzt könnte ich alle Macht haben, aber das ist gar nicht mein Ziel.
Sie gelten als der mächtigste Trainer der Fußball-Bundesliga. Mussten Sie erst lernen, mit Macht umzugehen?
In den letzten Jahren hat sich meine Position aufgrund der Erfolge sicher wesentlich gestärkt. Aber bei früheren Stationen, in Hamburg oder Nürnberg etwa, habe ich meine sportlichen Erfolge als Trainer nicht genutzt, meine Machtposition auszubauen.
Wenn Sie jetzt mehr Macht besitzen als in Wolfsburg, ist dann der Schluss erlaubt, dass Sie auch mit Schalke früher oder später deutscher Meiser werden?
Davon gehe ich aus.
Ist es für Sie inzwischen Voraussetzung, Trainer und Manager zu sein, wenn Sie bei einem Klub arbeiten?
Nein. Ich dränge mich nicht nach dieser Doppelfunktion. Ich habe kein Problem damit, nur als Trainer zu arbeiten. Es kommt aber darauf an, dass intern klar ist und nach außen korrekt kommuniziert wird, wer welche Entscheidungen trifft und verantwortet. Als ich von Stuttgart zu Bayern München gewechselt bin, habe ich ja einen Teil der Macht, die ich beim VfB hatte, abgegeben und mich in München als Trainer eingegliedert. In Wolfsburg schien mir die Doppelfunktion für den Klub und auch für mich die beste Lösung zu sein, weil es für mich wichtig ist, im sportlichen Bereich möglichst viel Entscheidungsfreiheit zu haben, um meine Vorstellung vom Fußball auch in die Tat umsetzen zu können.
Was spricht dagegen, die Kompetenzen von Trainer und Manager zu trennen, wie es bei den meisten Bundesligaklubs üblich ist?
Das Problem bei der Konstellation mit einem Trainer und einem Manager ist: Wenn es schiefläuft, ist der Trainer der Alleinschuldige, mit dem Erfolg soll er im Zweifelsfall hingegen mitunter nichts zu tun haben. Das haben wir zuletzt bei Mainz 05 wieder gesehen, wo man den Trainer entlässt und hinterher auch noch schlecht über ihn redet, obwohl er die Mannschaft ins Pokalhalbfinale und zum Aufstieg geführt hat. So etwas stört mich.
Früher gab es „auf“ Schalke vielstimmige Äußerungen zu sportlichen Fragen. War es schwer, die Würdenträger davon zu überzeugen, sich zurückzunehmen?
Nein, das war ja so gewollt. Man hatte erkannt, dass der Verein gelitten hat unter den verschiedenen Meinungen, die öffentlich geäußert wurden. Bei den handelnden Personen herrschte die Einsicht, dass es künftig diskreter und strukturierter zugehen muss beim FC Schalke.
Glauben Sie, dass das über längere Zeit so bleibt?
Genauso wie bei der Beurteilung der Mannschaftsleistung kann man auch in dieser Frage nach ein paar Wochen noch nicht sagen, bei Schalke ist jetzt alles besser. Da bin ich doch etwas vorsichtig, aber ich nehme an, dass wir das jetzt besser hinkriegen als in der Vergangenheit. Es muss möglich sein, wichtige Entscheidungen vorher nicht öffentlich zu diskutieren.
Stellen Sie Ihre Pläne vorher intern zur Diskussion, wenn Sie einen Spieler verpflichten wollen, oder genügt es, die Gremien zu informieren, wenn es so weit ist?
Nach internen Gesprächen mit meinem Trainerteam bereite ich die Transfers alleine vor und informiere die Vorstandskollegen und Herrn Tönnies, den Aufsichtsratsvorsitzenden, wenn es zu einem Ein- oder Verkauf kommen soll. So haben wir es abgesprochen, in Wolfsburg lief es nicht anders. Wenn mehrere mitreden, weiß man nie genau, wer die Entscheidung getroffen hat. Wenn’s gut gelaufen ist, melden sich immer viele, wenn’s schlecht gelaufen ist, will es keiner gewesen sein. Sportliche Entscheidungen habe ich zu verantworten, ob sie gut oder ob sie schlecht sind.
Das müsste den übrigen Führungskräften gelegen kommen.
Davon gehe ich aus. Ich wäre oftmals froh, wenn ich so eine Position hätte.
Eine Ihrer Entscheidungen in den ersten Wochen betrifft Manuel Neuer. Wie lange spielt dieser zuletzt von Bayern München und Manchester United umworbene Klassetorwart noch bei Schalke 04?
Ich habe das einmal entschieden und Herrn Tönnies auch klar mitgeteilt, dass Manuel Neuer unverkäuflich ist. Daran wird sich in dieser Saison nichts ändern.
Aber in der nächsten?
Wenn ich einen Spieler von hoher Qualität und mit großen Ambitionen habe, muss ich ihm nicht nur finanziell, sondern auch sportlich eine Perspektive bieten. Mit meiner Verpflichtung hat sich hier ja Entscheidendes getan. Ich will den FC Schalke in die Spitze der Liga und in die internationalen Wettbewerbe führen. Wenn sich hier demnächst wie erhofft Perspektiven auftun, kann ich mir nicht vorstellen, dass ein Manuel Neuer sich nächstes Jahr mit Abwanderungsgedanken trägt. Aber wir müssen uns steigern und den Klub mit jungen Spielern in dieser Saison nach vorn bringen.
Sie sind von einem gut situierten deutschen Meister zu einem Bundesliga-Achten gewechselt, dessen Mittel stark begrenzt sind. Andererseits wäre Schalkes erste Meisterschaft nach mehr als fünf Jahrzehnten in ihrer Bedeutung nicht vergleichbar mit Titelgewinnen von Bayern, Wolfsburg oder sonstwem. Ist das auch Teil Ihrer Motivation?
Selbstverständlich ist das auch ein Argument für mein Engagement. Ich bin jemand, der gern seine Grenzen testet, nicht nur beim Marathonlauf. In Wolfsburg habe ich gezeigt, dass ich Geld sinnvoll investieren und eine Meistermannschaft aufbauen kann. Der nächste Schritt ist, zu beweisen, dass ich den gleichen Erfolg mit wenig Geld und vielen Emotionen hinbekommen kann. Das ist die große Herausforderung.
Wer wird deutscher Meister?
19588 Stimmen wurden abgegeben.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 20 | 31 | 43 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 20 | 33 | 41 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 20 | 21 | 41 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 20 | 19 | 40 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 20 | -1 | 32 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 20 | 1 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 20 | -2 | 30 | ![]() |
| 8. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 20 | -2 | 24 | ![]() |
| 9. | ![]() |
1. FC Köln | 20 | -11 | 24 | ![]() |
| 10. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 20 | -12 | 24 | ![]() |
| 11. | ![]() |
VfB Stuttgart | 20 | -2 | 23 | ![]() |
| 12. | ![]() |
Hamburger SV | 20 | -9 | 23 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 20 | -6 | 22 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 20 | -12 | 21 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 20 | -6 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 20 | -9 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 20 | -14 | 17 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 20 | -19 | 17 | ![]() |