26.02.2010 · Das Revierderby ist für seine aufgeheizte Stimmung bekannt. Am Freitagabend (20.30 Uhr) soll es auf und neben dem Platz friedlich zugehen. FAZ.NET sprach mit Anhängern von Schalke und Dortmund über Spieler-Freundschaften und die „Gelbe Wand“.
„Holt euch das Derby zurück“, appellieren die Fanbeauftragten vor dem 76. Revierduell in der Bundesliga zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke 04 (20.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker). Das Spiel soll friedlich und fair, ohne Ausschreitungen und Zwischenfälle verlaufen. „Wir haben den Höhepunkt überschritten, das letzte Derby war schon wieder etwas ruhiger. Dafür hat allerdings auch das riesige Polizeiaufgebot gesorgt“, sagt Jens Volke, Fanbeauftragter der Dortmunder. „Auf Seiten der Fans sollten sich alle etwas mehr Gedanken machen. “ FAZ.NET hat sich vor dem Spiel mit je einem Anhänger der beiden Vereine unterhalten: Arne Kazperowski ist Redakteur beim Dortmunder Fanmagazin Schwatzgelb. Jens Bremershemke organisiert für den Schalker Fan-Club-Verband Fahrten zu Auswärtsspielen.
Können Sie sich an das erste Revierderby erinnern, das Sie im Stadion mitverfolgt haben?
Kazperowski (Dortmund): Ich habe kein gutes Spielgedächtnis, insbesondere was verlorene Spiele angeht. Und im Derby sah der BVB lange Zeit schlecht aus.
Bremershemke (Schalke): Das war ein 3:0-Heimsieg gegen Dortmund im März 1988.
Und an welches Zusammentreffen zwischen Dortmund und Schalke denken Sie am liebsten zurück?
Kazperowski: An den 33. Spieltag in der Saison 2006/07 habe ich gute Erinnerungen. Die Borussia steckte im Abstiegskampf, Schalke spielte um die Meisterschaft. Gerald Asamoah wollte im Falle eines Schalker Sieges ja sogar zu Fuß nach Hause laufen. Doch dann kam alles ganz anders: Dortmund gewann 2:0. Davon zehren viele Borussen heute noch.
Bremershemke: Als sich beim Auswärtsspiel im Januar 2004 alle mit einem Unentschieden abgefunden hatten, traf Ebbe Sand eine Minute vor Spielende zum 0:1. Das war das emotionalste Spiel.
Dortmund - Schalke, eine Hassliebe: Ohne die Rivalität zwischen den Vereinen würde Ihnen aber sicherlich auch etwas fehlen, oder?
Kazperowski: Die Faszination des Derbys steigt und fällt mit dem Gegner. Man gönnt dem anderen Verein durchaus mal den Abstieg in die Zweite Liga - aber zu lange dürfte das auch nicht dauern. Im Büro oder in der Schule hat man ja immer viele Fans des Gegners um sich. Nach einem Sieg ist man dann obenauf. Aber je schmählicher eine Niederlage, umso länger bekommt man sie aufs Brot geschmiert.
Bremershemke: Schalke gegen Dortmund ist die Mutter aller Derbys - das gehört einfach zur Bundesliga dazu. Mir würde schon was fehlen, wenn die Dortmunder absteigen.
Gibt es denn andere Spiele, die aufgrund ihrer Brisanz mit dem Revierderby vergleichbar sind?
Kazperowski: Das eigene Derby ist ja immer das beste. In Italien oder in südamerikanischen Begenungen artet es ja teilweise in Bürgerkrieg aus.
Bremershemke: Das Spiel ist einzigartig, deutschland- und sogar europaweit.
Anfang der 1990er Jahre kam es bei den Spielen zwischen Dortmund und Schalke vermehrt zu gewalttätigen Zusammenstößen zwischen den Fans, danach ging die Brisanz ein wenig zurück. Nimmt sie in letzter Zeit wieder zu?
Kazperowski: Erzählungen zufolge flogen damals ja Pflastersteine auf Busse. Sowas habe ich aber noch nie erlebt. In den letzten Jahren gab es häufiger kleinere Ausschreitungen.
Bremershemke: Die Brisanz wird meiner Meinung nach auch von außen mitbestimmt und von den Medien hochgespielt. Ein paar Chaoten nehmen das eben auf. Im Prinzip freut sich aber jeder auf das Derby und auf die gute Stimmung.
Was kann der Appell der Fanbeauftragten, „Holt euch das Derby zurück“, bewirken?
Kazperowski: Die Vereine ziehen sich damit etwas aus der Affäre, geben sich selbst ein Alibi. Man sollte nicht erst fünf Tage vor dem Derby einen Aufruf starten, sondern auch zwischen den Begegnungen auf die eigenen Leute einwirken und sie mit einbeziehen. Den warmen Worten sollten auch Taten folgen.
Bremershemke: Es versteht sich von selbst, friedlich miteinander umzugehen. Speziell bei den Spielen in Dortmund sehe ich die Vermischung unter den Fangruppen als Problem. Auf Schalke gibt es dagegen getrennte Eingänge.
Mats Hummels vom BVB und der Schalker Benedikt Höwedes sind ja offenbar Freunde. Ist das, trotz der Konkurrenzsituation, überhaupt möglich?
Kazperowski: Hummels kommt aus München, er ist nicht mit dem Derby aufgewachsen. Woher soll diese Rivalität dann kommen? Auch unter den Fans gibt es schließlich Freundschaften. Man sollte das alles nicht zu hoch hängen.
Bremershemke: Ein Spieler ist doch kein Schalker, er ist vielmehr ein Angestellter des Vereins, der aber genauso gut für Frankfurt oder München spielen kann. Er ist Teil des Vereins, aber nicht das Herz des Vereins - das sind die Fans.
Ist beim Derby nicht auch auf Seiten der Spieler besondere Sensibilität gefordert? Dem Schalker Torwart Manuel Neuer wurde im Hinspiel vorgeworfen, zu provokant gejubelt zu haben.
Kazperowski: Von Neuer weiß man, dass er früher in der Schalker Nordkurve stand. Dass so ein Spieler insgesamt das Fan-Sein nicht komplett ablegen kann, ist ja völlig normal. Aber das macht ja auch den Reiz solcher Begegnungen mit aus.
Bremershemke: Wenn die Ränge toben, kann sich doch ein Spieler nicht im Stillen freuen. Und im Derby jubelt man noch lieber als in anderen Spielen.
Gibt es einen Spieler beim Gegner, den Sie gerne im eigenen Trikot sehen würden?
Kazperowski: Das ist außerhalb jeder Vorstellungskraft. Aber es wäre lustig, wenn Manuel Neuer bei uns auf der Bank sitzen würde und sich vor der Südtribüne warm machen müsste.
Bremershemke: Dede fand ich gut, aber der ist mittlerweile zu alt. Unsere Mannschaft ist gut besetzt, sodass wir von gelb-schwarzer Seite keinen Spieler brauchen.
Seit 2006 fehlt das Dortmunder Banner mit der Aufschrift „Gelbe Wand“. Ist es inzwischen aufgetaucht?
Kazperowski: Offenbar haben Schalker Fans einige Utensilien von uns entwendet. Im letzten Spiel präsentierten sie die zerrissene Fahne in ihrem Block. Wo die Einzelteile gelandet sind, weiß ich nicht.
Bremershemke: Einige Vermummte auf Schalker Seite haben beim letzten Heimspiel Stofffetzen rausgeholt. Ob das die „Gelbe Wand“ war, und wie sie dahin gekommen ist, das weiß niemand.
Wie ist die Stimmung im Fanlager: Wo landet Ihr Verein am Saisonende?
Kazperowski: Nach dem holprigen Saisonstart konnte niemand damit rechnen, dass wir uns so kontinuierlich in den oberen Rängen halten würden. Platz fünf oder höher sollte drin sein.
Bremershemke: Auch durch den Auftritt der jungen Spieler wie Moritz oder Schmitz, mit denen niemand rechnen konnte, sind wir mehr als überrascht und zufrieden mit einem internationalen Platz. Es wird mindestens Platz fünf.
In der Hinrunde gewann Schalke durch einen Treffer von Farfan mit 1:0. Wie geht das Derby am Freitagabend aus?
Kazperowski: Die Derby-Historie der letzten Jahre hat mir gezeigt, dass man nicht zu optimistisch in die Spiele gehen sollte. Ich lasse mich positiv überraschen.
Bremershemke: Westermann ist fit, Rafinha kommt zurück ins Team. Und im Derby sind die Fans nicht nur der 12., sondern auch noch der 13. Mann. Deshalb gewinnt Schalke 2:0.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |