10.09.2010 · Der FC Schalke 04 ist nach den jüngsten Zugängen endgültig runderneuert - aber nicht eingespielt. Baumeister Felix Magath mahnt deshalb etwas Geduld an. Auch am Freitag (20.30 Uhr) beim Spiel bei der TSG Hoffenheim.
Von Richard Leipold, GelsenkirchenZwischen den Überresten des alten Parkstadions und dem Trainingsplatz heben zwei Bagger ein Loch aus. Es wird wieder einmal gebaut „auf“ Schalke. Während die Schaufeln schwere Lasten ächzend aus dem Weg räumen, geht auch ein paar Schritte weiter auf dem Rasen der Umbau weiter. Der Stararchitekt Felix Magath sucht weiter nach einem tragfähigen Konstrukt für ein „neues“ Schalke, das zumindest sportlich seinen gehobenen Ansprüchen näherkommt. Ein Fundament ist gelegt. So jedenfalls bescheinigt es der Trainer Magath dem Manager Magath, der kurz vor Ultimo seiner Kauflust noch einmal freien Lauf gelassen und für viele Millionen Euro nachgerüstet hat, vor allem für die Abteilung Attacke. Dieser Mannschaftsteil war in den ersten beiden Partien der neuen Bundesligasaison, die beide verloren gingen, ähnlich wirkungslos geblieben wie an schwächeren Tagen der abgelaufenen Spielzeit.
Doch angesichts von Zugängen wie Klaas-Jan Huntelaar aus Mailand und dem madrilenischen Mittelfeldstrategen José Manuel Jurado ist Magath nicht mehr bange. Der Trainer, der zwischendurch verdrossen gewirkt hatte, strahlt wieder Zuversicht aus. „Ich bin zufrieden mit dem Kader, wie er jetzt hier steht“, sagt er. Das mit viel Aufwand veränderte Aufgebot habe „mehr Potential als die Mannschaft, die in der vergangenen Saison Zweiter wurde“. Der Zuwachs an spielerischer Klasse werde auch den in die Jahre gekommenen Stürmerstar Raúl besser zur Geltung bringen, sobald sich alles eingespielt habe.
In den nächsten Wochen geht es darum, die vielen Kräfte des Großaufgebots, darunter vierzehn neue Spieler, zu einem Kollektiv internationalen Formats zusammenzuführen. Wie lange das dauern werde, könne er nicht einschätzen, sagt Magath. „Das hängt auch von den nächsten Ergebnissen ab.“ Es könnte durchaus Geduld erfordern, bis auf dem Fußballplatz „alles harmonisch aussieht“. Doch das sei kein Grund zur Sorge. Auch der FC Bayern München, für Schalke der sportliche Orientierungspunkt, habe unter Trainer Louis van Gaal ein halbes Jahr gebraucht, bis dort zusammengewachsen sei, was den Auftritten in der abgelaufenen Rückrunde nach zu urteilen zusammengehört. Auch Magaths ganz persönliche Wolfsburger Erfolgsgeschichte legt es nahe, erst einmal auf Zeit zu spielen. Mit den Niedersachsen wurde er in seinem zweiten Jahr als Trainer des VfL deutscher Meister, obwohl die Mannschaft nach der Hinrunde nur Tabellen-Neunter war.
Keine Zeit zum Kennenlernen
Ein anderer Vergleich gibt allerdings zu denken: In Wolfsburg hat Magath nicht alles umgestoßen, was er in der ersten Saison aufgebaut hatte. Beim FC Schalke 04 indes ist nicht mehr viel übrig von der bejubelten, trotz spielerischer Defizite beachtlich effektiven Mannschaft, die Magath aus der Not heraus mit einer Reihe von Talenten aufgefrischt hatte. Nur noch drei Spieler aus der Vorsaison gelten als Bestandteil der Stammelf: Torwart Manuel Neuer, dazu Benedikt Höwedes, der einzig verbliebene Innenverteidiger aus der einst stabilen Abwehr, und Jefferson Farfán, der zuletzt vom Trainer kritisierte, aber dennoch geschätzte Flügelmann, der demnächst auf der rechten Seite Außendienst in der von Magath angestrebten Mittelfeldraute leisten dürfte.
Viel Zeit zum Kennenlernen bleibt den Arbeitskollegen, die zum Erfolgsteam werden sollen, nicht; zumal Schalke wenige Tage nach der Partie gegen Hoffenheim mit dem Auswärtsspiel gegen den Gruppenfavoriten Olympique Lyon in die Champions League startet. In Sinsheim erwartet Magath von seinem runderneuerten Ensemble zwar noch keine spielerischen Glanzpunkte, dafür aber Punkte, die zählen, oder wenigstens einen solchen Punkt. Die Mannschaft werde an diesem Freitag „noch nicht spielen wie aus einem Guss“, sei aber gefordert, ohne Feinabstimmung und mit „viel Einsatz“ Besserung zeigen. „Das Spielerische wird erst in zweiter Linie zu sehen sein.“
„Wir liegen drei Punkte hinter Bayern, damit kann ich leben“
Erhöht wird der Zeitdruck durch den schlechten Bundesligastart. „Wir müssen punkten, damit wir nicht früh in der Saison hinterherlaufen“, sagt der Trainer. Noch lasse sich der schwache Beginn, etwa mit einem Erfolg gegen Hoffenheim, leicht korrigieren. „Wir liegen drei Punkte hinter dem großen Meisterschaftsfavoriten Bayern München, damit kann ich leben.“ Auf den ersten und auch auf den zweiten Blick muss alles ganz schnell gehen beim FC Schalke. Dennoch will Magath sich von den Erwartungen, die sein Power-Shopping weckt, nicht treiben lassen. Er habe seinen Vertrag bewusst auf vier Jahre geschlossen, weil er den Erfolg nicht kurzfristig erzwingen, sondern etwas aufbauen wolle, was Bestand habe. Davon ist noch nicht viel zu sehen.
Aber immerhin: In Sinsheim gegen den vielversprechend gestarteten Spitzenreiter der jungen Bundesligasaison, könnten vier Profis für Schalke auflaufen, die schon mal bei Real Madrid gespielt haben: Huntelaar, Raúl, Metzelder und auch Jurado, der als Nachwuchskraft bei Real kickte, ehe er sich beim Ortsrivalen Atletico in der Primera División etablierte. Ob der Glanz der „Königlichen“ auch bei Königsblau real wird, dürfte sich erst später zeigen.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |