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FC Schalke 04 Raúl ist Magath sechs Millionen Euro wert

24.07.2010 ·  Trotz Platz Zwei will Felix Magath dem Schalker Team ein rundum neues Gesicht geben. Bordon, Kuranyi und Westermann sind weg. Raul steht vor der Zusage. Magaths Motto: Neue Männer braucht das Land, je mehr desto besser.

Von Richard Leipold, Gelsenkirchen
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Felix Magath muss sich manchmal vorkommen wie ein Hochspringer, der immer wieder seinen Anlauf korrigiert, weil irgendetwas im Weg liegt, was einen idealen Sprung verhindert. Die Latte liegt hoch für den Trainer und Manager des FC Schalke 04. Magath will eine Mannschaft zusammenstellen, die imstande ist, in der Bundesliga abermals mindestens Zweiter zu werden, und die Perspektive eröffnet, binnen der nächsten drei Jahre die deutsche Fußballmeisterschaft zu gewinnen, auf die Schalke seit mehr als fünf Jahrzehnten wartet.

Seit der Aufsichtsrat ihm 25 Millionen Euro plus x für zusätzliches Personal bewilligt hat, kann Magath die nächste Stufe seiner Umbaupläne in Angriff nehmen. Dem mächtigen Fußball-Lehrer, der auch an der Spitze des Vorstands steht, schwebt eine Mannschaft vor, deren Substanz ausreicht, sich in der Champions League zu etablieren. Dafür benötige er Spieler, die auf diesem Niveau schon manchen Stresstest bewältigt haben, sagt er. Ein jugendbewegtes Husarenstück wie in der vergangenen Saison lasse sich nicht wiederholen. Magath hat einige Profis, die den steigenden Ansprüchen genügen, im Auge, aber noch nicht unter Vertrag.

Die Anfangshöhe des Schalker Hochsprungs auf dem Transfermarkt bildet gleichsam der Transfer des spanischen Stürmerstars Raúl. Dessen langjähriger Arbeitgeber Real Madrid soll schon die Freigabe erteilt haben - mit Blick auf Raúls Verdienste, ohne eine Ablöse zu fordern. Wie spanische Medien berichten, hat der Angreifer bis kommenden Montag Zeit, sich zu entscheiden. Eine deutsche Boulevardzeitung will sogar erfahren haben, dass Raúl sich mit dem FC Schalke für die nächsten zwei Jahre auf ein Gehalt von sechs Millionen Euro per annum geeinigt habe. So hoch ist noch nie ein Profi der Königsblauen bezahlt worden.

„Bei Raúl geht die Tendenz in Richtung Schalke“

Offiziell bestätigt ist der Wechsel noch nicht. Aber Magath äußert sich inzwischen zuversichtlicher als im Anfangsstadium dieser Personalie. „Bei Raúl geht die Tendenz in Richtung Schalke“, sagt er. Je länger kein anderer Verein die Verpflichtung melde, desto wahrscheinlicher werde ein Wechsel zum Bundesliga-Zweiten. Von Raúls Entscheidung hängen weitere Personalien ab, vor allem in der Offensive. Magath beabsichtigt, einen weiteren Stürmer anzuwerben

Die Zeit des Wartens auf frisches Geld hat Magath dazu genutzt, erst einmal einige hochbezahlte Protagonisten abzugeben oder deren Wechsel vorzubereiten. Nach Abwehrchef Marcelo Bordon und Torjäger Kevin Kuranyi geht auch Kapitän Heiko Westermann. Die letzten Details wurden am Donnerstag geklärt. „Der Abwehrspieler löste seinen bis 2014 gültigen Kontrakt bei den Knappen auf“, hieß es in einer Presseerklärung der Schalker.

Bei seinem neuen Verein, dem Hamburger SV, erhält Westermann einen Vertrag bis 2015. Die Ablösesumme dürfte bei - geschätzt - 7,5 Millionen Euro liegen. „Hier werde ich als Innenverteidiger gebraucht. Das war der ausschlaggebende Punkt“, sagte Westermann, dem Magath wegen der Verpflichtung Christoph Metzelders, zuletzt Real Madrid, keinen Stammplatz im Abwehrzentrum versprechen wollte.

Jeder Spieler ist verkäuflich - außer Manuel Neuer

Der 26 Jahre alte Defensivstratege wiederum sieht keinen Sinn darin, sich in Schalke auf drei oder vier verschiedenen Positionen hin und herschieben zu lassen. Westermann wertet den Wechsel als sportliche Chance, obwohl der HSV demnächst nicht international spielt. In Hamburg ist für ihn die zweite Planstelle im Abwehrzentrum neben Joris Mathijsen reserviert. Das erhöht die Chancen Westermanns, sich wieder für die Nationalelf zu empfehlen, die er wegen einer Verletzung in der WM-Vorbereitung verlassen musste.

Mit der Trennung von Westermann hat Magath abermals seine These untermauert, jeder Spieler - mit Ausnahme des Nationaltorwarts Manuel Neuer - sei verkäuflich, wenn der Klub ein gutes Geschäft machen könne. Bei Westermann, der eine mäßige Saison gespielt hat, stimmt der Preis. Das Preisniveau auszutarieren fällt bei Rafinha offenbar schwerer.

Neue Männer braucht das Land, je mehr desto besser

Der offensivstarke, zuweilen kapriziöse Rechtsverteidiger, dessen Vertrag bis Juni 2011 läuft, steht seit längerem zum Verkauf. Sein Trainer betont immer wieder die Bereitschaft, ihn abzugeben - wenn das Angebot lukrativ genug ist. Rafinha habe schon öfter die Absicht erkennen lassen, den Klub zu verlassen, sagt Magath. Deshalb sei es schwer, mit ihm zu planen. In dem japanischen Nationalspieler Uchida, dessen Mentalität ihm besser gefallen dürfte, hat er schon einen Ersatz für Rafinha gefunden.

Manches mag noch nebulös erscheinen „auf“ Schalke. Klar jedoch ist: Der Trainer will der Mannschaft ein rundum neues Gesicht geben. Noch fehlen neue Gesichter. Dennoch erinnert Magaths Strategie an sein Wirken in Wolfsburg, auch wenn ihm weniger Geld zur Verfügung steht. Diese Strategie lautet: Neue Männer braucht das Land, je mehr desto besser.

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