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FC Schalke 04 Ein Magath und viele Fragen

10.05.2009 ·  Schalke 04 will sich neu aufbauen und kein Chaosklub mehr sein. Mit der spektakulären Verpflichtung von Felix Magath als Trainer und Manager scheint der erste Schritt getan. Aber woher kommt das frische Geld? Gasprom blockt.

Von Richard Leipold, Gelsenkirchen
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Nachdem die frohe Botschaft verkündet war, schwang im Auditorium für einen Augenblick der Anflug eines Zweifels mit. Was geschieht eigentlich, wenn der Trainer Felix Magath bei seinem neuen Klub Schalke 04 nicht sofort den allseits erwarteten Erfolg vorweisen kann? Clemens Tönnies, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, antwortete so umgangssprachlich wie schlagfertig. „Dann braucht der Manager sich keinen Kopf zu machen, warum das so ist.“

Manager und Trainer, das ist „auf“ Schalke künftig ein und dieselbe Person, zudem gehört Magath dem Vorstand an (siehe auch: Felix Magath zu Schalke: Der Allmächtige zieht gen Westen). Er sitzt also als sein eigener Vorgesetzter am Tisch, wenn es darum geht, seine Arbeit als Fußballlehrer zu bewerten. Man kennt ein ähnliches Modell aus England – und aus Wolfsburg, wo Magath in vergleichbarer Rolle binnen zwei Jahren aus einem Abstiegskandidaten einen Meisterschaftsanwärter gemacht hat. Alle Macht dem Magath, also dem Manager. „Ich halte viel davon, vielleicht sieht so das Modell der Zukunft aus“, sagt Tönnies.

Die freundliche Übernahme des FC Schalke durch Magath erinnert an Jürgen Klinsmanns gescheiterten Gang nach München, wenn auch nur entfernt. Wie Klinsmann will Magath seine Vorstellungen kompromisslos durchsetzen; auch er findet einen vielbeachteten Verein vor, mit anspruchsvollen Fans und einer selbstbewussten Führungscrew. Aber jetzt kommt der große Unterschied: In Gelsenkirchen braucht Magath sich seine Macht nicht zu erkämpfen, nicht in Verhandlungen und wohl auch nicht im Arbeitsalltag. Aus Schaden und aus Schalke klug geworden, sehnen sich Tönnies und andere nach einem Mann, der die Macht an sich reißt, als wäre es sein natürliches Recht.

Fußball-Bundesliga: Magath geht von Wolfsburg zu Schalke 04

Insofern ähnelt Schalke, bei aller Größe, mehr dem VfL Wolfsburg, dem Titelanwärter außer der Reihe, als dem Branchenführer Bayern. Der Wunsch nach strategischer Kompetenz übersteigt in Gelsenkirchen das Geltungsbedürfnis des Einzelnen. Symbolisch dafür mag das entscheidende Treffen zwischen Tönnies und Magath stehen.

Auf einem Bauernhof ohne Zentralheizung sagte der oberste Schalke-Repräsentant nach einem dreistündigen Gespräch fröstelnd und doch glühend vor Begeisterung: „Jetzt müssen wir einschlagen.“ Und Magath schlug ein. Wenig später war ein Vierjahresvertrag aufgesetzt, ein ungewöhnlich langer Kontrakt für einen Mann, der in mehreren Positionen zu einem neuen Verein wechselt, den er nicht kennt und der ihn nur aus den Medien kennt – und aus gescheiterten Verhandlungen vor fünf Jahren.

Die Laufzeit dokumentiert mehr als jede verbale Versicherung, wie dringend Schalke auf einen wie Magath angewiesen ist. Sie soll ausdrücken, dass der neue Trainer ein Höchstmaß an Vertrauen genießt, auch für den Fall, dass der Start schleppend verläuft. „Mich erwartet eine schwierige Aufgabe, am Anfang könnte es Probleme geben“, sagt Magath. „Der langfristige Vertrag soll mich auch schützen.“

Magath besitzt eine Machtfülle wie vorher nur Assauer

Tönnies lässt seinem neuen Impresario nicht nur vertraglichen Schutz angedeihen. Für das erste Jahr gibt Schalke, wie Konkurrent Dortmund bei der Verpflichtung Jürgen Klopps, kein Saisonziel aus. „Sonst werden wir, wenn wir das Ziel nicht erreichen, wieder als der Chaosklub wahrgenommen, der wir nicht sein wollen und der wir nicht sind“, sagt Tönnies. Mittelfristig wolle Schalke „im oberen Feld der Bundesliga mitspielen“.

Magath besitzt eine Machtfülle wie vor ihm bei Schalke nur der traditionsbeschwerte Volkstribun Rudi Assauer. Das verdankt der aus Wolfsburg kommende Franke zwei Faktoren: Zum einen hatte Tönnies eine fachlich wie namentlich „erstklassige Lösung“ angekündigt, zum anderen haben die Schalker Granden erkannt, dass fußballfremde Imageberater und überschätzte Trainer nicht dazu taugen, die zuletzt unvorteilhafte Außenwirkung dieses grundsätzlich positiv besetzten Reviervereins zu verbessern.

Solides Grundgerüst, aber dringend erneuerungsbedürftig

Mit den Medizinbällen, die klischeehaft zu seinem Gepäck gehören, gilt Magath als Trainer, der den Stars Disziplin und Fitness beibringt. So sehr er für die Pflicht stehen mag: Magath weiß es auch zu schätzen, wenn er viel Geld investieren kann, auf dass die Kür besser werde. Nicht immer und überall stehen „junge Wilde“ vom Schlage eines Kevin Kuranyi bereit wie einst beim VfB Stuttgart. In Schalke findet Magath eine Mannschaft vor, die dank Spielern wie Neuer, Rafinha, Höwedes, Jones, Westermann und Kuranyi ein solides Grundgerüst besitzt, die an einigen Stellen aber dringend erneuerungsbedürftig ist.

Allzu viel dürfen die Renovierungsarbeiten jedoch nicht kosten, und am Unterhalt muss der Klub auch sparen. Beim Lizenzspieleretat, der in der Spitze bei 55 Millionen Euro lag, sind Kürzungen vorgesehen. Finanzchef Josef Schnusenberg hat angekündigt, die Kosten „um acht bis zehn Millionen Euro zu senken“. Eine wundersame Geldvermehrung scheint auch Magath nicht bewirken zu können. Hauptsponsor Gasprom beabsichtigt nicht, die Mittel über das vertraglich festgelegte Maß hinaus aufzustocken.

Finalerfolg im Spiel „Tönnies sucht den Superschalker“

„Wir haben von Anfang an versprochen, uns bei Schalke nicht einzumischen. Allein die Aussage, die Mannschaft müsse verstärkt werden, wäre aber eine Einmischung. Da halten wir lieber unser Wort“, sagt Claus Bergschneider, der Geschäftsführer der deutschen Gasprom-Tochter. „Andererseits beten wir mit dem Schalke-Pfarrer dafür, dass künftig ein paar Punkte dazukommen, damit wir mehr Prämien ausschütten können. Die Spieler haben mehr Einfluss auf unsere Zahlungen als wir mit unseren Zahlungen auf die Leistung der Spieler.“

Das zu ändern liegt nun bei Magath. Mit weniger Geld mehr Leistung auf den Platz zu bringen ähnelt ein wenig der Quadratur des Schalker Kreise(l)s. Ob sie gelingt oder nicht: Fürs Erste freuen die Königsblauen sich über den Finalerfolg im Spiel „Tönnies sucht den Superschalker“.

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