19.01.2008 · Jürgen Klinsmann muss sein Team für den FC Bayern erst noch finden. Im Gegensatz zur Arbeit als Bundestrainer sieht er sich in München stärker im Kerngeschäft. Dennoch kommt seinem zukünftigen Assistenten eine zentrale Rolle zu.
Von Michael HoreniWenn man es recht betrachtet, wird im Moment an zwei FC Bayern München gearbeitet. Die eine Arbeit hat in dieser Woche in Marbella stattgefunden, und sie wurde von Ottmar Hitzfeld geleitet. Bei rund zwanzig Grad und Sonnenschein wird sich der Bundesliga-Tabellenführer an diesem Samstag zuversichtlich aus seinem Trainingslager verabschieden. Es sind die üblichen Erwartungen, die der Rekordmeister nach ruhigen Tagen in Spanien mit zurück nach München nimmt: Die Mannschaft soll die deutsche Meisterschaft gewinnen, wenn möglich auch noch den Uefa-Cup und den DFB-Pokal.
Ein Titel muss es mindestens sein. Die Arbeit am anderen FC Bayern findet derzeit rund 10.000 Kilometer entfernt in Newport Beach statt. Sie wird geleitet von Jürgen Klinsmann. Aber außer dem schönen Wetter ist dort nichts so wie in Marbella. Denn noch weiß niemand, mit welchen Vorstellungen und welchem Team genau Klinsmann am 1. Juli seinen neuen Job beginnen wird. Nicht einmal Uli Hoeneß.
Noch kein fertiges Klinsmann-Konzept für die Bayern
Der Manager des FC Bayern hat dies in den vergangenen Tagen auch eingestanden. Denn bei den Verhandlungen mit Klinsmann haben die Münchner verblüffenderweise nicht viel über Konzepte oder inhaltliche Vorstellungen gesprochen – obwohl dies gerade seine große Stärke bei der Nationalelf ausmachte. Das ist ein erster gravierender Unterschied zu Klinsmanns Start als Bundestrainer. Damals überraschte er den DFB bei seinen Verhandlungen in New York durch ein erstklassiges Konzept. Klinsmann hatte selbst seine Bundestrainer-Bewerbung eingefädelt und sich akribisch auf die Präsentation vorbereitet.
Für den FC Bayern aber gibt es in Klinsmanns „Thinktank“ noch kein fertiges Konzept. Dafür kam das Angebot der Münchner zu überraschend. Der frühere Bundestrainer, der unbedingt wieder ins Fußballgeschäft wollte, hatte in den vergangenen Monaten eigentlich zu einem Wechsel nach England tendiert. Die englische Nationalmannschaft hätte ihn gereizt und auch die Nachfolge von Rafael Benitez beim FC Liverpool.
„Mach es zu ihrem Projekt, nicht zu deinem“
Aber die Bayern gönnten sich dann zu Weihnachten das System Klinsmann. Sie gewähren ihm freie Hand, wie Hoeneß bestätigt, weil sie glauben, wer in einem vermeintlich schwierigeren Job so viel geleistet hat, dem glücke das auch bei einer anderen, alltäglicheren Aufgabe. Die Unterschiede allerdings sind erheblich, und auch die Voraussetzungen sind längst nicht dieselben. Das beginnt schon mit dem Team, das Klinsmann derzeit um sich herum aufbaut.
Er wird es zwar nach dem gleichen Grundsatz zusammenstellen wie schon sein Nationalmannschaftsteam mit Manager Oliver Bierhoff, Assistent Joachim Löw, den amerikanischen und deutschen Fitnesstrainern, Psychologe Hans-Dieter Hermann und Spielbeobachter Urs Siegenthaler. „Mach es zu ihrem Projekt, nicht zu deinem“, sagt der künftige Bayern-Trainer dazu.
Argentiniens Weltmeister Osvaldo Ardiles als Helfer?
Doch der Klinsmann 2008 ist nicht mehr der Klinsmann 2005. Schon unmittelbar nach der WM 2006 hat er weiter an sich gearbeitet und sich fortgebildet. Der Projektleiter der WM 2006 hat sich als Trainer entwickelt, auch durch die zweijährige Zusammenarbeit mit Joachim Löw. Zuletzt hat Klinsmann im Dezember bei einem Trainerseminar von Carlos Alberto Parreira in Rio de Janeiro einen beachteten Vortrag zur systematischen Weiterentwicklung von Fußballprofis gehalten.
Die Rolle seines künftigen Assistenten wird wichtig sein, aber sie dürfte bei den Bayern nicht mehr das Gewicht haben, wie es Löw in der Nationalelf besaß. Klinsmann will sich bei den Bayern auch als Trainerpersönlichkeit in einem Klub mit täglicher Arbeit mit den Spielern positionieren und profilieren. Spekuliert wird zwar derzeit, dass der argentinische Weltmeister Osvaldo Ardiles, der Klinsmann seinerzeit bei Tottenham Hotspurs trainierte, für diesen Posten ausersehen wäre. Aber das ist nicht sehr wahrscheinlich, auch wenn Ardiles als international erfahrener Spieler und Trainer gewisse Anforderungen erfüllt.
„Energiefeld aufbauen, in dem die Spieler Spaß haben“
Klinsmann wird sich einen Assistenten suchen, der sich nicht zu wichtig nimmt und damit auch in das menschliche Anforderungsprofil passt, nicht nur in das sportliche. Dass der künftige Assistent dazu wie Löw die Fähigkeit haben muss, „ein Energiefeld aufzubauen, in dem die Spieler viel Spaß haben“, ist ohnehin beschlossene Sache. Es wäre keine Überraschung, wenn der künftige zweite Mann bei aller Kompetenz wieder stärker die klassische Assistentenrolle ausfüllte.
Als Bayern-Trainer, der sich stärker der Alltagsarbeit auf dem Fußballplatz verschreibt, geht Klinsmann hierarchisch betrachtet sogar einen Schritt zurück. Aber dass passt zu einer Führungsfigur, der Inhalte wichtiger sind als Hierarchien – und die für sich eine langfristige Zukunft als Trainer anstrebt.
„Baue ein Umfeld von ,Hunger‘ und ,Identifikation‘ auf“
Wenn Klinsmann mit seiner Familie nach München umzieht, kann das als Zeichen dafür gelten, dass der unruhige Fußball-Wanderer sich in München auch über seinen Zweijahresvertrag hinaus grundsätzlich bindungswillig zeigt; falls der sportliche Erfolg und das Münchner Reizklima es zulassen. Zumal auch seine Kenntnisse über langfristige individuelle Arbeit mit Spielern dazu passen.
Die anderen Positionen in seinem Team lassen sich derzeit ebenfalls nicht ganz so einfach besetzen. Manche seiner früheren Helfer sind zum Teil durch Verträge gebunden oder stehen aus anderen Gründen nicht zur Verfügung. Es wäre keine Überraschung, wenn Klinsmann mit einigen im deutschen Fußball noch weitgehend unbekannten Namen in seinem künftigen Umfeld überraschte. An Klinsmanns Trainer-Motto aber wird sich nichts ändern: „Baue ein Umfeld von ,Hunger‘ und ,Identifikation‘ auf.“ So viel ist sicher: Das gefällt den Bayern und Uli Hoeneß schon jetzt.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |