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Donnerstag, 20. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

FC Bayern München Warten auf die Initialzündung

 ·  Der bayerische Patient Arjen Robben trainiert endlich wieder. Für eine erfolgreiche Rückrunde brauchen die Bayern aber frische Impulse von außen. Der Klub, der am Sonntag in Stuttgart spielt, hat den Kurs des Trainers korrigiert.

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Den „wichtigsten Neuzugang des Winters“, so der Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, kann man schon seit Donnerstag an der Säbener Straße bei der Arbeit sehen. Es ist ein Wiedersehen. Arjen Robben trainiert zum ersten Mal nach fast halbjähriger Verletzungspause wieder mit der Mannschaft. Von ihm soll endlich dieselbe Initialzündung ausgehen wie in der vergangenen Saison. Der FC Bayern hätte sie bitter nötig nach einer müden Vorrunde.

Robbens Rückkehr, Schweinsteigers Vertragsverlängerung, die Andeutung einer Transfer-Offensive im Winter, die neue Einigkeit von Vorstand und Trainer, die harmonische Hauptversammlung, die glänzende Geschäftsbilanz – seit Ende November bot der deutsche Fußballmeister einen fast täglichen Adventskalender mit kleinen Geschenken für den Anhang. Nur das 0:2 in Schalke störte die Aufbruchstimmung.

Nur ein Auswärtssieg in der Bundesliga

Bis heute ist den Bayern in dieser Bundesligasaison nur ein Auswärtssieg gelungen, vor drei Monaten in Hoffenheim. Die Auswärtsschwäche geht einher mit einer mindestens ebenso rätselhaften Anfälligkeit des Teams in der zweiten Spielhälfte, wie in Dortmund, Gladbach, Schalke oder in Rom in der Champions League. Und sollte man an diesem Sonntag beim VfB Stuttgart (17.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) nicht eine fast unglaubliche Negativserie beenden, nämlich in der gesamten Liga-Vorrunde kein einziges Mal zwei Siege nacheinander geschafft zu haben – dann ginge der Rekordmeister mit einem Rekordrückstand von bis zu zwanzig Punkten in die Winterpause. Torwart Hans-Jörg Butt erwartet für die Doppel-Aufgabe in Stuttgart (wo am Mittwoch noch das Pokal-Achtelfinale ansteht) zwei „absolute“ Pflichtsiege.

So oder so war es höchste Zeit für ein kleines Störfeuer Richtung Tabellenspitze – für die in dieser Woche verbreitete, inoffizielle Information, wonach Mats Hummels 2012 für eine fixierte Ablöse von acht Millionen Euro nach München zurückkehren könne. Hummels, ein Bayern-Eigengewächs, war einst nach Dortmund verkauft worden, wo er nun zum wohl besten deutschen Innenverteidiger gereift ist. Prompt erklärte der Dortmunder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, ein solches Rückkaufsrecht des FC Bayern sei „Unsinn“. Oder ist das nur die halbe Wahrheit? Kein Dementi gibt es bisher für die Version, dass die Ausstiegsklausel für den Jung-Nationalspieler sehr wohl bestehe, aber auch offen sei für andere Kauf-Interessenten.

Buhlen um Torwart Manuel Neue

All das ist Zukunftsmusik, ebenso wie das Buhlen um den Schalker Torwart Manuel Neuer, der frühestens im Sommer 2011 ein Thema wäre. Die kurzfristigen Planungen sind konkreter und interessanter, weil sie zugleich eine Korrektur der Vereinspolitik bedeuten. Im Sommer hatte Trainer Louis van Gaal keine Verstärkungen seines Kaders gewünscht. Nun will der Klub gleich auf mehreren Positionen aktiv werden. Es ist das Eingeständnis, dass man selbst einen solch hochklassigen Kader wie den der Bayern Jahr für Jahr neu mischen und auffrischen muss, zumindest auf zwei, drei Positionen. Der FC Bayern hatte Großeinkaufs-Jahre 2007 (Ribéry, Toni) und 2009 (Robben, Gomez), beide Male mit großem Saison-Erfolg; blieb aber 2008 und 2010 fast untätig auf dem Transfermarkt, beide Male mit Form-Einbruch.

Als am weitesten fortgeschritten gelten die Verhandlungen mit Leighton Baines vom FC Everton. Er soll die Lösung für die ewige Problemposition des linken Außenverteidigers bieten. Seit Philipp Lahm auf seine bevorzugte rechte Seite wechselte, hat van Gaal links hinten mit Spielern wie Braafheid, Pranjic, Contento, Badstuber und Alaba experimentiert. Ist Baines die Antwort? Auf den ersten Blick mag der kleine, giftige Engländer wie ein neuer Lizarazu wirken, hat aber nicht dessen Weltklasse. In der englischen Nationalelf war er immer nur die dritte Wahl hinter Ashley Cole und Wayne Bridge und kam bisher nur zu einem Länderspiel.

Hoffenheim erklärt Luiz Gustavo für „unverkäuflich“

Ebenfalls auf dieser Position könnte zur Not auch Luiz Gustavo spielen. Doch ist der Hoffenheimer Brasilianer für eine andere Rolle vorgesehen: im defensiven Mittelfeld, als neuer Mark van Bommel. Dem Kapitän, der wegen Erkrankung in Stuttgart wie Toni Kroos fehlen wird, könnte es nun so gehen beim FC Bayern wie vielen anderen Führungsspielern vor ihm: gestern noch unentbehrlich, heute schon Altlast und morgen verkauft – ehe die Gefahr aufkommt, dass der abservierte Chef schlechte Stimmung verbreiten könnte.

So war es einst auch mit Stefan Effenberg, den die Bayern an einen Klub weiterreichten, der sich schon vom Namen her als Sammelstelle für abgesetzte Leitwölfe anbietet: dem VfL Wolfsburg. Nun bietet Wolfsburg van Bommel laut „Kicker“ einen Vertrag für zweieinhalb Jahre. Die Rochade wird noch dadurch verhindert, dass Hoffenheim Luiz Gustavo derzeit für „unverkäuflich“ erklärt. Falls dieses Wort, wie üblich, die Aufforderung ist, ein Angebot zu machen, das man nicht ablehnen kann, so dürfte der Transfer von Gustavos Landsmann Carlos Eduardo die Größenordnung andeuten: Er wurde vor Saisonbeginn für zwanzig Millionen Euro nach Russland verkauft. Das sind Peanuts im Vergleich zu zwanzig Punkten.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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