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FC Bayern Einsame Spitze

08.10.2007 ·  Die Münchner sind schon nach neun Bundesliga-Spieltagen das Maß aller Dinge. Mannschaften, die zunächst als Herausforderer galten, sind keine Konkurrenten mehr. Auch Gegner wie Nürnberg applaudieren voller Anerkennung.

Von Elisabeth Schlammerl, München
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Die Busfahrt von der Allianz Arena im Norden von München nach Nürnberg dauert ungefähr so lange wie ein Fußballspiel: neunzig Minuten. Es wäre also eine gute Gelegenheit für die Mannschaft des 1. FC Nürnberg gewesen, sich bei der Heimfahrt am Sonntagabend die Demonstration fast perfekten Fußballs noch einmal zu gönnen. Dieses Mal als Zuschauer, nicht wie zuvor auf dem Rasen als Spielball des übermächtigen FC Bayern München.

„Es ist unglaublich, was Toni und Ribéry drauf haben“, hatte Dominik Reinhardt gesagt, ehe er den Bus bestieg. „Das von außen zu sehen, macht großen Spaß – auf dem Platz nicht.“ Spiele des FC Bayern wie der 3:0-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg am Sonntag unterhalten zwar die Zuschauer bestens, für den Gegner sind sie allerdings zunächst mehr eine Lehrstunde, manchmal eine frustrierende, weil man umspielt wird wie Torstangen und überlaufen wie kleine Trainingshürden.

Dieser kleine Ribéry

Am Ende konnten die Franken aber dann doch nicht anders, als selbst ein wenig zu schwärmen von der Spielkunst der Münchner. „Normalerweise ist es nicht meine Art, mich für andere Teams zu begeistern. Aber ich glaube, ich habe heute auch geklatscht, als dieser kleine Ribéry runterging“, sagte der Nürnberger Trainer Hans Meyer.

Karl-Heinz Rummenigge fasste derweil die Überlegenheit in Zahlen. „Wir sind sechs Punkte vor Bremen, sieben vor Schalke und 13 vor Stuttgart“, zählte der Vorstandsvorsitzende auf. Nach gerade einmal einem Viertel der Saison sind die Mannschaften, die zunächst als erste Herausforderer galten, schon gar keine richtigen Konkurrenten mehr. Hochgerechnet auf das gesamte Spieljahr wären es am Ende 24 Punkte Vorsprung – wenn es so weiter geht. Dass es aber nicht immer so weitergehen kann, da sind sich die Münchner sicher. Es sei wichtig, sagt Rummenigge, „dass wir ein bisschen Speck angesetzt haben. Am neunten Spieltag ist noch niemand deutscher Meister geworden“.

Bis Weihnachten nicht verausgaben

Allerdings droht den Bayern zumindest bis zur Winterpause nicht viel Gefahr – außer Selbstgefälligkeit vielleicht. In der Bundesliga müssen sie niemanden fürchten, da sind die Gegner schon froh, wenn sie nur 0:1 verlieren, wie in der vergangenen Woche Leverkusen, vor dem Spiel gegen den Spitzenreiter immerhin Zweiter. „Man kann beim FC Bayern nur gut aussehen, wenn zwei Hauptvoraussetzungen erfüllt sind: Dass bei dir alles passt und dass beim FC Bayern eine Katastrophe passiert“, sagt Meyer.

Natürlich wird es mal wieder eine Mannschaft geben, die den Münchner Punkte wie Schalke oder Hamburg abluchst, weil es auch für die Bayern unmöglich sein wird, jedes Spiel mit höchster Konzentration zu absolvieren. Aber insgesamt kann dem Rekordmeister derzeit niemand in der Liga auch nur halbwegs das Wasser reichen. Auch die Gegner in der Gruppenphase des Uefa-Cups, die an diesem Dienstag ausgelost werden, sind kein unüberwindbares Hindernis, zumal die gesetzten Münchner gegen die beiden stärksten Vereine in der Allianz-Arena spielen dürfen. Im europäischen Wettbewerb wird sich der FC Bayern bis Weihnachten nicht verausgaben müssen.

Begeisterung um Toni

Der Rekordmeister weiß die Kräfte gut einzuteilen, ohne allerdings vollkommen in das frühere Muster zurückzufallen. Die Bayern orientieren sich nicht mehr am Ergebnis, sondern an ihrem Spiel, das dann fast zwangsläufig zum Erfolg führt. Früher haben sie nach einer Führung schnell umgestellt auf kontrollierten Standfußball, jetzt kommt es vor, dass ein Treffer sie erst so richtig in Spiellaune versetzt wie gegen Nürnberg. Rummenigge hat am Sonntag eine Mannschaft gesehen, „die sich an sich selbst berauscht hat“ und die auch dann immer noch forsch nach vorne spielt, wenn das Spiel längst entschieden ist.

Bei fünf der insgesamt sieben Siege fiel nach der 80. Minute noch ein Tor. Die Bayern wissen, wie sie Abwehrriegel knacken können, wenngleich es manchmal etwas länger dauert, wie im Uefa-Cup gegen Lissabon. Es hat noch kein Spiel in dieser Saison gegeben, in der es nicht mindestens ein paar Beispiele hoher Spielkunst gegeben hat, selbst in den beiden wohl bisher am wenigsten unterhaltsamen Partien im Uefa-Cup.

Dank einer nicht nur auf große Namen ausgerichteten, sondern sehr durchdachten Einkaufspolitik können die Bayern Ausfälle wie die von Miroslav Klose, Willy Sagnol oder Philipp Lahm ohne Qualitätsverlust verkraften. Vor zwei Wochen war noch Klose in aller Munde, und auf dem Boulevard wurden schon erste unvermeidliche Vergleiche mit Gerd Müller gezogen. Nun ist Toni der Mann der Stunde oder der Stunden – und Rummenigge hat den Italiener auf eine Stufe mit dem deutschen Rekord-Torjäger gestellt. „Er ist wie Gerd Müller früher. Er geht auf den Platz und will Tore machen.“ Klingt ganz einfach. Wie derzeit alles beim FC Bayern.

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