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FC Bayern Beckenbauer hofft auf Rückkehr von Deisler

17.01.2007 ·  Beim FC Bayern will man die Tür für Sebastian Deisler offen halten. Doch durch seinen Abschied tun sich im Münchener Kader zig Baustellen auf. Wer gehen will, wer gehen soll und wen die Bayern auf dem Zettel haben. Die Gerüchteküche brodelt.

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Nach dem überraschenden Abschied von Sebastian Deisler tat sich selbst der sonst so geschäftige Manager des FC Bayern Uli Hoeneß schwer, in den Alltag zurückzukehren. Der Druck in Sachen Neuverpflichtungen ist durch das Karriereende des 27-jährigen Deisler indes noch größer geworden.

Nachdem er den ersten Schock überwunden hatte, kündigte Hoeneß deshalb an, „dass wir uns rasch nach Alternativen umschauen müssen. Wir müssen jetzt nach vorne schauen. Am 26. Januar fängt die Bundesliga wieder an.“ Ob sich bis dahin im Bayern-Kader noch etwas tun wird, ist derzeit offen. Mit Blick auf die kommende Saison besteht jedoch dringender Handlungsbedarf. Der geplante Umbruch fällt nach dem
Abgang Deislers sogar noch größer aus als geplant.

Ribery nun wieder Topkandidat

Topkandidat für einen Wechsel nach München als Ersatz für Deisler ist nun Franck Ribery von Olympique
Marseille. Sicher ist bereits, dass Hasan Salihamidzic die Münchner am Saisonende ablösefrei verlassen und für vier Jahre zu Juventus Turin wechseln wird. Zudem ist das Karriereende von Mehmet Scholl bereits beschlossene Sache. Claudio Pizarro und wohl auch Roque Santa Cruz sollen abgegeben werden, Owen Hargreaves zieht es nach England.

Mittelfeldspieler Ali Karimi Ali erteilte Hoeneß die Freigabe: „Wenn er erklärt, er will gehen, dann kann er gehen.“ Ein Wechsel des Iraners zu Al-Ahli-Dubai steht offenbar kurz bevor. Dazu ist Julio dos Santos bereits an den VfL Wolfsburg ausgeliehen und hat kaum mehr eine Perspektive beim FC Bayern. Selbst der in der Vorrunde häufig kritisierte Brasilianer Lucio könnte bei einem passenden Angebot ganz schnell
weg sein.

„Müssen aufpassen mit unserem Kader“

Dass das Karriereende von Deisler auch aktuell Folgen für die Personalplanungen hat, zeigt das Beispiel Karimi. Für den Iraner liegt ein Angebot von Al Ahly Dubai für einen sofortigen Wechsel vor. „Doch so langsam müssen wir aufpassen mit unserem Kader. Das müssen wir uns genau überlegen“, meinte Hoeneß dazu. Einen ersten Schritt in Richtung Zukunft haben die Bayern mit der Verpflichtung von Jan Schlaudraff (1,2 Millionen Ablöse) zur neuen Saison bereits getan. Weitere sollen folgen.

Als Ersatz für Salihamidzic wird beim FC Bayern bereits der Schalker Hamit Altintop (24) gehandelt. Dessen Vertrag läuft im Sommer aus. Ein Thema ist angeblich auch der Berliner Spielmacher Yildiray Bastürk. Zudem wollen die Bayern weiter einen Topstar an die Isar locken. Zuletzt waren schon Weltstars wie Arjen Robben, Ribery, Juan Roman Riquelme oder Luca Toni genannt worden. Vor allem Ribery gilt nun als ganz heißer Kandidat.

30 bis 40 Millionen Euro liegen bereit

In Dubai, wo sich Ribery mit Marseille ebenso wie die Bayern zum Trainingslager aufhielt, hatte Hoeneß auf einen Kontakt noch verzichtet. „Da wollte ich Sebastian noch den Platz freihalten und ihm das Gefühl geben, dass der FC Bayern ihn braucht. Deshalb habe ich Ribery absichtlich nicht angesprochen“, erklärte der Manager. Doch so ganz überraschend konnte der Entschluss Deislers für Hoeneß nicht gekommen sein: Schon in Dubai wollte Deisler angeblich Schluss machen, konnte vom Manager in zahlreichen Gesprächen aber noch von einem vorzeitigen Abschied abgehalten werden.

Angeblich hat Olympique den Münchnern zugesagt, das erste Angebot für den umworbenen 23-Jährigen abgeben zu dürfen. 30 bis 40 Millionen Euro stehen zur Verfügung, die Kriegskasse ist prall gefüllt. „Wir werden sicherlich keine Schnellschüsse machen“, sagte Hoeneß. Ziel sei es, die Planungen für den Umbau des Kaders bis zur Sommerpause „in Ruhe“ voranzutreiben. „Es ist nicht so, dass wir sorgenfrei sind“, räumte Hoeneß ein. „Aber manchmal sind Umbauten, zu denen man gezwungen wird, nicht die schlechtesten Lösungen.“

Magath: Kader reicht für unsere Ziele

Gleichzeitig wollen die Münchner laut Hoeneß aber auch weiterhin jungen Spielern „Entwicklungschancen“ geben. Nur so wachse eine neue Mannschaft zusammen. Spieler wie Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Lukas Podolski, Michael Rensing, Schlaudraff oder auch Andreas Ottl sollen für eine neue Ära beim FC Bayern stehen. Kurzfristig sieht auch Trainer Felix Magath im Kampf um die deutsche Meisterschaft sowie in der Champions League keinen Handlungsbedarf. „Im Moment reicht der Kader für unsere Ziele. Ich habe noch ein paar Mittelfeldspieler“, sagte der Coach.

Auch Deisler gehörte dazu - bis Dienstag. Doch noch besteht die leise Hoffnung, dass es sich
der 27-Jährige noch einmal anders überlegt. Auch wenn es im Moment eher unwahrscheinlich sei, gebe er die Hoffnung nicht auf, schrieb Bayern-Präsident Franz Beckenbauer in seiner „Bild“-Kolumne. „Wer sagt denn, dass er sich nicht in einem halben Jahr körperlich und seelisch stark genug fühlt für eine Rückkehr? Die Tür für Sebastian Deisler bleibt offen.“ Deshalb habe sich der Verein entschieden, den bis 2009 laufenden Vertrag mit dem 27-Jährigen nicht aufzulösen, sondern ruhen zu lassen.

„Die ständige Angst war Alptraum für Deisler“

Der „Kaiser“ bezeichnete den Mittelfeldspieler als „einen der wenigen Spieler, für den man mit Vergnügen
ins Stadion gegangen ist“. Es sei „die Tragik seiner Karriere“, dass er sein Können wegen vieler Verletzungen und seiner Depressionen nie habe ausspielen können. „Die ständige Angst vor
Verletzungen wurde wohl wie ein Albtraum für ihn. Deshalb ist seine Entscheidung zu akzeptieren“, erklärte Beckenbauer weiter.

Auch der Münchner Professor Dr. Florian Holsboer, der den 36-maligen Nationalspieler wegen seiner Depressionen mehrmals behandelt hatte, will nicht ausschließen, „dass er mit dem nötigen Abstand wieder das Vertrauen in seinen Körper zurückgewinnt. Wenn er es dann wieder versuchen will, sollte er sich das trauen“, sagte der Psychologe.


Quelle: FAZ.NET mit Material von sid/dpa
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